Wir müssen reden. Über Nazis.

Ole Tillmann

Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal Opfer eines Naziüberfalls werden würde. Bis es eben passierte. Als ich im September 2006 in Berlin mit meinem Kumpel Matthias aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung von Skinheads überfallen wurde, dachte ich ungläubig: „Wow, Skinheads. Ich fasse es nicht. Jetzt attackieren die einen schon vor der Haustür. Mitten in Berlin.“ Wir waren schockiert. Und motiviert. Dagegen mussten wir etwas unternehmen.

Für mich war Rechtsradikalismus bis dahin ein weit entferntes und leicht zu ignorierendes Problem der ostdeutschen Provinz, das noch in ein paar Zeitungsartikeln Erwähnung findet, bevor es sich irgendwann von selbst erledigt. Tut es aber leider nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Neonazis organisieren sich immer besser und schleichen sich in manchen Gegenden Deutschlands in die gesellschaftliche Mitte. Sie restaurieren Jugendzentren, organisieren Feriencamps für Jugendliche, säubern Parks und erledigen so manch andere Aufgabe, die der Staat nicht mehr zu bewältigen vermag. Damit finden sie Anerkennung in der Bevölkerung vor Ort. Was soll man auch dagegen sagen, wenn sich jemand sozial engagiert und die Kinder beschäftigt, mitunter erzieht?

Genau hier liegt die Gefahr. Rechte sind nicht mehr zwangsläufig durch ihre Kleidung und ihr Aussehen zu erkennen. Mittlerweile gibt es Handy-Klingeltöne von Nazisongs im Internet, das Logo gibt’s noch gratis obendrauf. Rechts wird unauffällig, Rechts wird Pop. Und bleibt brutal. Es darf niemals cool sein, gegen Ausländer und anders Denkende zu sein. Es darf nicht cool sein, gegen Demokratie zu sein.

Wir alle dürfen nicht einfach nichts tun, und hoffen, dass der braune Spuk bald aufhört.

Wir müssen uns aktiv gegen Rechts abgrenzen, wir müssen im ersten Schritt darüber diskutieren, Informationen austauschen und jede Störung melden!

Leser-Kommentare
  1. 57.

    Wie schon erwähnt, finde ich ebenfalls das immer wiederkehrende Vorurteil Skinhead=Nazi zum Kotzen!
    Beschäftigt man sich den nicht mit seinen verfassten Artikeln? Recherchiert man den nicht?
    Hier würde, auch wenn ich das nicht für gut heiße ;-) , ein kurzer Blick auf Wikipedia schon genügen um zumindest ein differentziertes Bild zu bekommen!
    Also in diesem Sinne
    Stay Rude, Stay Rebel
    Stay SHARP

    Antworten

    • 1. September 2009 um 10:47 Uhr
    • Oi!
    • 26. Oktober 2009 um 19:54 Uhr
    • Mercö
  2. 59.

    Alonso kommentierte 12. November 2007: “darum: gegen extremismus von links und rechts!”

    Als wenn es nicht auch den Extremismus der Mitte gibt, und da treffen sich all die, die Gewinnmaximieren, die Löhne kürzen und all das andere Ekelhafte…
    wie das Kürzen von sozialen Leistungen jeglicher Art, und da arbeiteten ja unsere “Mitten” Hand in Hand, CDU/CSU, FDP und SPD, warum sonst fällt es “Nazis” leicht sich zu engagieren?

    Antworten

    • 7. Januar 2010 um 14:56 Uhr
    • VestiFali
  3. 60.

    Ich denke sie finden vor allem deshalb Zulauf weil die “Beurteilung” von Menschen wieder unglaubich in Mode gekommen ist. Was man uns mit Geschichten von “Leistungsträgern” und “Sozialschmarotzern” um die Ohren haut ist genauso rechts, wie dass was die offiziellen Braunen verzapfen… Es ist eine Ideologie die nur den Nutzen einer Person sieht. Wer den Nutzen haben soll ist relativ egal, weil im Ergebnis das gleiche daraus folgt: Wer nichts taugt ist überflüssig.

    Jeder Mensch kann krank werden, oder auf irgendeine andere Weise in Situationen geraten in welchen er auf Hilfe angewiesen ist. Die ganze Leistungsphilosie leugnet genau das. Viel weiter rechts als “du müsstest ja nur wollen” geht eigentlich nicht.

    Die Rassenideologie ist nur der Gipfel. Ob man einen Menschen nach der Hautfarbe oder der Steuerklasse beurteilt – beides ist menschenverachtend.

    Nur hat das ganze Schema von “Menschenbewertung” eine Reihe neuer Namen bekommen…

    “Als wenn es nicht auch den Extremismus der Mitte gibt, und da treffen sich all die, die Gewinnmaximieren, die Löhne kürzen und all das andere Ekelhafte…
    wie das Kürzen von sozialen Leistungen jeglicher Art, und da arbeiteten ja unsere “Mitten” Hand in Hand, CDU/CSU, FDP und SPD, warum sonst fällt es “Nazis” leicht sich zu engagieren?” kann dir nur zustimmen.

    Antworten

    • 4. Februar 2010 um 05:58 Uhr
    • schwarzerStern
  4. 61.

    @peter, das ist keine klugscheisserei und skinheads sind nicht nur “nicht direkt”, sondern alles andere als nazis…

    Antworten

    • 14. April 2010 um 16:24 Uhr
    • ray
  5. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)