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Ungleichheit, dein Name ist John

 
Gleichberechtigung in Führungspositionen? Noch lange nicht.
CEOs der großen US-Unternehmen: 5,3 Prozent heißen John, 4,1 Prozent sind Frauen. Screenshot/NYT

Dass weibliche Chefs in vielen Berufsfeldern unterrepräsentiert sind, ist bekannt. Wie groß die ungleiche Verteilung allerdings tatsächlich ist, beschreibt Justin Wolfers vom Peterson Institute for International Economics  in einer Kolumne der New York Times: In Amerika gibt es mehr Firmenchefs, die John heißen, als weibliche CEOs mit allen erdenklichen Vornamen – von Abby bis Zara – zusammen. Dieses Ergebnis, basierend auf einem Report der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, nimmt 1.500 Unternehmen als Basis, die von der Ratingagentur Standard & Poors bewertet werden, und die 90 Prozent der US-Marktkapitalisierung ausmachen.

Damit zeigt Wolfers auf etwas außergewöhnliche Art und Weise, dass sich in den vergangenen Jahren in Sachen Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Berufsleben noch lange nicht genug getan hat. Eine Methode, die er Glass Ceiling Index nennt, gibt an, wie dominant die Johns, Roberts, James und Williams im Vergleich zur Frauenwelt sind. Jene vier Männernamen stehen nämlich viermal öfter auf Geschäftsführer-Visitenkarten als ein Frauenname. Auch bei anderen Berufsgruppen wendet er den Index an. So haben zum Beispiel die Republikaner doppelt so viele Johns, Roberts, James und Williams im Senat sitzen wie Frauen.

Die Berechnung sei ein unvollständiger Spaß, erklärt Wolfers, dennoch helfe der Glass Ceiling Index, über eine wichtige Wahrheit aufzuklären: dass es bis zur vollständigen Gleichberechtigung noch ein weiter Weg ist – allen Erfolgen der Frauenbewegung zum Trotz.

Weitere Teilchen finden Sie hier.


2 Kommentare

  1.   Anonymous

    Nur weil auf höchster Ebene wenige Frauen zu finden sind, heißt das nicht, dass Frauen im Beruf grundsätzlich benachteilt sind.

    Ein einfaches Beispiel: Das MOBA League of Legends verfügt über eine Basis von ~30 Millionen täglich aktiven Spielern. Dennoch findet man in den obersten Levels nahezu keine weiblichen Spieler. Diese sind allerdings nicht benachteilt, sondern erfahren im Gegenteil eher eine besonders freundliche Teamatmosphäre.

    Ob dies nun daran liegt, dass weibliche Spieler nicht den Ehrgeiz besitzen, in eines der höheren Niveaus vorzudringen, dazu nicht fähig sind oder Frauen grundsätzlich einfach kein derart großes Interesse an solchen Spielen haben, ist für uns gar nicht relevant.

    Wichtig ist, dass auch bei gleicher oder gar bevorzugter Behandlung nicht notwendigerweise eine gleiche Verteilung zu erwarten ist, schon gar nicht auf höchster Ebene (sei es der Beruf, eine Sportart oder auch ein Computerspiel).

  2.   Lulu

    Zu diesem Kommentar fehlen einem fast die Worte.

    Nicht nur weil man anscheinend der Meinung ist an League of Legends gesellschaftliche Phänomene erklären zu können.
    Auch weil es Sexismus in seiner schlichtesten Form ist. Hier wurde nicht einmal versucht sich selbst Gedanken zu machen.
    Das zum Einem Frauen nach wie vor für gesellschaftliche Reproduktionsarbeit als zuständig gesehen werden, welche sie in wirtschaftlichen Bereichen (und ja auch in der Zeit für ein Computerspiel) benachteiligt, da sie immer einen zweiten unbezahlten Job nebenher leisten müssen.
    Und das sie zum anderen eben nach wie vor nicht nur von offensichtlichen Sexisten diskriminiert werden. Dann heißt es halt, Frauen hätten nicht genug Ehrgeiz und Interesse an Technischen Dingen, oder am besten, sie sind gar nicht fähig dazu.
    Dies sind sexistische Stereotype, welche die soziale Kategorie Geschlecht essentialisieren und biologisieren.