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Hier ruht Familie Meyer. Und Pucki

 

Tierbestattung: Neben Bello im Grab

Noch ist es nur ein Mustergrab. Judith Könsgen, Betreiberin des Friedhofs "Unser Hafen". © Thomas Frey/dpa

"Tierkörperverwertung" ist kein schönes Wort. Es klingt nach Lkw-Ladungen von Kadavern, nach Häckslern und Tiermehl, also nach genau dem, was mit Daisy im Normalfall geschieht, wenn sie nach einem erfüllten Hundeleben vom Tierarzt eingeschläfert wird.

Schon länger retten Haustierbesitzer ihre Liebsten vor diesem Schicksal und lassen sie auf speziellen Tierfriedhöfen beisetzen. Bisher mussten die Tiere dort allein liegen. Das hat nun ein Ende, in Braubach und Essen eröffnen ab heute Friedhöfe, auf dem Menschen und Tiere gemeinsam begraben werden können. "Unser Hafen" heißen sie.

Damit reagierten sie auf "die veränderte Rolle der Haustiere in unserer Gesellschaft", sagen die Betreiber. Frauchen oder Herrchen können eine Grabstelle reservieren, ab 1.380 Euro aufwärts. Gleichzeitig müssen sie den Beziehungsstatus zu ihrem Haustier definieren: Familien- oder Freundschaftsgrab?

Von einer neuen Mode kann allerdings nicht die Rede sein, eher von einer sehr alten: Die alten Ägypter mumifizierten Muschi und Django sogar, bevor sie sie mit ins Grab legten, auch die Wikinger nahmen Calimero und Schnupsi nicht nur mit ins Bett, sondern auch mit ins Grab.

Die Vorteile dieser modernen Version: Sollten Pucki und Hasso nicht aus Trauer gleichzeitig mit ihrem Besitzer sterben, dürfen sie ihre Wellensittich- und Hundeleben noch genießen, bis sie mit ihrem Besitzer wiedervereint werden. Und für den – wahrscheinlicheren – Fall, dass das Tier zuerst stirbt, darf auch der Besitzer in Ruhe dem Wiedersehen entgegenblicken.

Vielleicht werden bald andere Anbieter nachziehen. Dann ist die Mensch-Tier-Beerdigung nicht nur auf einer Wiese möglich, die Haustiere wären dann völlig gleichberechtigt mit ihren Besitzern: Sie können sich gemeinsam zum Diamant pressen lassen. Oder, falls Kätzchen Azrael auch HSV-Fan war, neben dem Stadion die letzte Ruhe finden. Oder Laika reist gemeinsam mit ihrem Herrchen zu den Sternen.

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1 Kommentar


  1. Ein schöner Text. Aber bestimmt auch ein gefundenes Fressen für Frau Karrenbauer. Wo das Haustier mit ins Familiengrab darf, ist die Ehe mit ihm nicht weit. Christliches Abendland, dein Ende naht!