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Warum uns die Rückfahrt meist kürzer vorkommt

 

Return Trip EffectCopyright Tobias Hase/dpa

Der Sommer ist da, Millionen Deutsche stehen wieder kurz vor der Fahrt in den Urlaub. Und werden wieder ein merkwürdiges Phänomen erleben: Der Weg an den Ferienort dauert gefühlt eine Ewigkeit – die Rückfahrt kommt ihnen gefühlt viel kürzer vor. Warum ist das so?

Wissenschaftler in Japan haben jetzt versucht, in einem Experiment diesen Effekt zu erzeugen und Erklärungen dafür zu finden. Kurz gesagt: Das erste war leichter als das zweite. In dem Test zeigten die Forscher zwei Gruppen von Versuchsteilnehmern zwei unterschiedliche 20-minütige Filme: In dem einen ging ein Kameramann in einer Stadt zwei unterschiedliche Ein-Weg-Strecken, im anderen Film ging der Kameramann zehn Minuten lang eine Strecke und lief diese dann wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Dreimal dürfen Sie raten, bei welchem Film die Probanden hinterher sagten, dass der zweite Weg weniger Zeit gebraucht habe als der erste – und das, obwohl die Teilnehmer während der Betrachtung des Films ein gutes Zeitgefühl hatten. Sie sollten dabei nämlich jedes Mal ein Zeichen geben, wenn sie glaubten, dass drei Minuten vergangen waren. Das gelang ihnen recht gut. Sprich: Im Augenblick der Fahrt tritt der Effekt nicht auf, sondern erst danach.

Schwieriger ist es, den Effekt zu erklären. Offenkundig muss zum einen das Unterbewusstsein "wissen", dass man gerade auf dem Rückweg ist. Zum anderen wirkt sich laut Wissenschaftler der Bekanntheitsgrad des Weges auf das Zeitgefühl aus: Auf dem Hinweg zu einem neuen Ziel kennt man die Strecke nicht; auf dem Rückweg erkennt man manches wieder, was das Gefühl verstärkt, dass die Fahrt schneller vorübergeht. Eine andere Erklärung: Man geht den Hinweg zu optimistisch an, was dazu führt, dass einem die Fahrt länger vorkommt – womöglich in Vorfreude auf den Strand, an dem man in Kürze liegen wird. (Für den Rückweg neigt man dann dazu, diese Erfahrung zu sehr zu korrigieren: Man erwartet eine über die Maßen lange Rückfahrt, so dass sie einem dann kürzer erscheint.)

Weitere Teilchen finden Sie hier.

16 Kommentare

  1.   keilriemen

    Warum sollte den die Hinreise durch ablenkung laenger erscheinen? Das sollte doch eher bei der Rueckfahrt helfen…waere es denn nicht plausible dass man auf der rueckreise sich an bestimmte momente oder orte der Hinreise erinnert und die Gedanken schweifen oder schon die naechste Kurve erwarten, somit die Zeit kuerzer erscheint?


  2. Vielleicht fährt man auf dem Hinweg ( ins Unbekannte ) langsamer oder man fährt schneller, weilmas sich ( rückwärts ) an die Strecke erinnert, da sind noch viele Parameter unerforscht.


  3. AUF DIE EINFACHSTE ERKLÄRUNG KOMMT MAN MANCHMAL AM SCHWERSTEN,WIE ES SCHEINT:

    Das Gedächtnis ist für das unterschiedliche Zeiterleben ursächlich. Wenn die Fahrt ein erstes Mal durch fremde Bereiche geht, ist das Gehirn = Gedächtnis stärker beschäftigt, als wenn man durch schon bekannte Strassen kommt.
    Das Gedächtnis muß mehr arbeiten. Ein höherer Aufmerksamkeitspegel intensiviert auch die Zeitwahrnehmung. Bei der Rückfahrt bewirkt die Bekanntheit, daß man phasenweise etwas „schläfriger“ wird. So vergeht die Zeit scheinbar schneller. So ähnlich wie wenn man schläft. Der Effekt zeigt sich auch beim Älterwerden.
    Mit zunehmendem Alter wird Neues im Leben seltener. Die Zeit scheint schneller zu vergehen weil jeder Tag gleich zu sein scheint.
    Im Urlaub ändert sich das wieder, wenn man sich in fremder Umgebung zurecht finden muß.
    Hinzu kommt dabei die Relativierung von Zeitabschnitten, zur bisherigen Lebenszeit.


  4. Ich habe dazu ja 2 Theorien. So ganz unwissenschaftlich mit dem gesunden Menschenverstand gedacht..

    1. Auf der Hinfahrt möchte man möglichst schnell ankommen, endlich am Urlaubsort, endlich am Strand sein. Da nervt die Fahrt zum Ziel und der Weg ist Übel zum Zweck.
    Auf der Rückfahrt ist man jedoch noch auf Urlaub eingestellt, möchte eigentlich überhaupt nicht zurück, am liebsten ganz dort bleiben. Umso schneller kommt einem dann die Rückfahrt vor.
    Gleiches Prinzip, wie wenn man im Wartezimmer sitzt und eine viertel Stunde gefühlt eine Stunde dauert im Kontrast zu einer viertel Stunde Massage, welche sich eher wie 2 Minuten anfühlt. Nur hier wirkt dieser Mechanismus genau anders herum.

    2. Auf dem Hinweg begegnen uns viele neue Einflüsse, welche auf dem Rückweg (gleiche Strecke vorausgesetzt) natürlich nicht mehr so neu sind. Das Hirn verarbeitet also auf dem Hinweg viel mehr an neuen Reizen, als es das auf dem Rückweg tut. Entsprechend kommt uns diese Zeit auch länger vor, da mit mehr Ereignissen/neuen Reizen bestückt.

    Aber wie gesagt.. das ist nur so meine Theorie.


  5. Ich denke auch, dass es die Neuheit ist, die den Hinweg länger macht – es erscheint mir bei Filmen oft genauso. Man kennt alles, man weiß, was als nächstes kommt, man ist evtl. sogar weniger aufmerksam, verbringt also weniger „Gedankenzeit“ bei dem, was nicht mehr neu ist.

  6.   Mambrin

    Meine Erfahrung ist, dass der Effekt schon sehr wohl während der Fahrt, aber möglicherweise dennoch retrospektiv, auftritt. „Huch, wir sind ja schon bei XY.“

    Persönlich empfinde ich es auch so, dass auf der Rückfahrt häufiger geschlafen wird als auf der Hinfahrt, was das Zeitgefühl natürlich massiv beeinflusst.

    Außerdem verschwindet dieser Effekt bei häufig gefahrenen Strecken. Auf einer weniger bekannten Strecke sieht man auf der Hinfahrt viel Neues, auf der Rückfahrt ist das Neue schon bekannt. Im Gehirn wird dann aus „wenig passiert“ zu „kurzer Zeitraum“.

    In meiner Kindheit habe ich mir auch markante Orte entlang der Autobahn eingeprägt: ein einsames Gehöft, eine Burg, ein Funkturm eine Raststätte, eine große Brücke. Die nehme ich auch heute noch war (auch wenn ich die Strecke sehr sehr selten gefahren bin), und kann diese Orte heute auf der Karte einordnen. Aber bei jeder Vorbeifahrt ist habe ich den „Aha, wir sind jetzt hier“ Effekt, verbunden mit einer sehr kindlichen Abschätzung, wie lange die Reise noch dauert (voll lange, lange, nicht mehr ganz so lange). Auf der Rückfahrt werden diese Markierungen aber gar nicht mehr so sehr wahrgenommen, bzw. existieren aufgrund der veränderten Perspektive gar nicht.

  7.   qualia

    Was neu ist, nehmen wir bewusster wahr. Repetitive Vorgänge gehen immer mehr ins Unbewusste über und daher können wir mit unserem Bewusstsein abschweifen und der Vorgang kommt uns nicht mehr so langandauernd vor.

    Deswegen vergeht ja in der Jugend die Zeit auch viel langsamer als im Alter. Die erste weite Reise wird in jedem Detail in der Erinnerung wahrgenommen, je häufiger sie wiederholen, desto weniger spezifische Details jeder einzelnen Fahrt können wir benennen und es kommt uns daher auch viel schneller vor. Der erste Tag am neuen Arbeitsplatz kommt einem auch viel länger vor als der letzte. Ebenso wie der erste Tag am Urlaubsort und der letzte.

    Wer also länger bewusst was von seinem Leben haben will, sollte immer mal was neues machen und nicht in eingeübter Routine die Lebenszeit an sich schnell vorüberziehen lassen.

  8.   riurja

    Ich hab mir diesen Effekt immer damit erklärt, dass auf der Rückreise etwas naheliegt, das sich bei der Hinfahrt mindestens schwieriger gestaltet und selbst dann in jedem Fall weit weniger überzeugend ist. Und das ist ganz einfach das Gefühl, in Gedanken schon am Ziel zu sein, während man noch fährt. Eben so eine Art vorauseilendes Schwelgen, aber anders, als auf der Hinfahrt, wo’s ja noch an Spekulation gebunden und damit immer ungewisser ist (wie wird das Wetter?, wie ist der Strand?, finden wir gleich das Ferienhaus?). Und das ist es ja selbst dann, wenn man auf dem Weg an einen Ort ist, an dem man schon 20 Mal war. Dann war man zumindest länger nicht dort, was ausreicht, dieses kleine Moment der Unsicherheit zu generieren, das einen auf der Hinfahrt förmlich in der Zeit entschleunigt und sie einem im Vergleich mit der Rückreise retrospektiv gedehnt erscheinen lässt.

    Wollte behaupten, die Meisten kennen diesen Einfluss von Unsicherheiten und Zweifel auf das subjektive Zeitempfinden auch aus anderen Kontexten. Es kann einen quasi lähmen, aber auch dazu führen, dass man relativ mehr Eindrücke aus seiner Umgebung berücksichtigt, schon weil man kognitiv erregter ist als in Phasen sicherer Routine. Auch das wird eine Rolle spielen, als die Hinfahrt deshalb häufig detailreicher oder -tiefer in Erinnerung behalten wird.

    Die Hypothese, die sich auf den Umstand der bloßen Kenntnis der Wegstrecke stützt, überzeugt mich nicht, jedenfalls nicht als alleinige Erklärung. Schon deshalb nicht, weil das Phänomen auch dann auftritt, wenn man zurück anders fährt.

  9.   reineke

    ist doch ganz einfach zu erklären
    auf der Rückreise ist man entspannter Dank der erholsamen Tage,die Kinder fragen nicht andauernd ob man schon da sei,da sie ihre Heimat ja kennen und haben nebenbei ihre Vorfreude auf Freunde und das eigene Zimmer
    wüsste nicht,was es da so wissenschaftlich zu erforschne gäbe
    gute Heimreise

  10.   zeitkritik

    ich fahr immer schneller von der Arbeit zurück als zur Arbeit hin – ist doch klar – und das 220 mal im Jahr – da mach ich das bei der Urlaubsfahrt halt genau so – wo ist das Problem?