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Sommer, Sonne, hatschi!

 
Niesreflex: Sommer, Sonne, hatschi!
Auch künstliches Licht kann den Niesreiz auslösen. © Science Photo Library

Langsam baut sich Druck auf. Ein Kribbeln fährt durch die Schleimhäute. Luft holen, Augen schließen. Fast ist es soweit. Jetzt! Mist, doch nicht – das Niesen ist in der Nase stecken geblieben. Ins Licht schauen soll helfen, weil es den Niesreiz fördern soll. Bei 20 Prozent aller Menschen funktioniert das. Was sie vom Rest der Welt unterscheidet, ist noch nicht genau verstanden.

Die Faszination um den photischen Niesreflex reicht bis in Aristoteles' Zeiten zurück. Er fragte sich damals, warum die Wärme der Sonne, aber nicht die des Feuers, Menschen zum Niesen bringen kann. Viele weitere Wissenschaftler versuchten nach ihm und bis heute, das Geheimnis um den Niesreflex zu entschlüsseln. Manches ist verstanden, zum Beispiel, dass nicht Wärme, sondern Licht das Niesen fördert. Anderes ist weiterhin ungewiss. Für die BBC hat der Journalist Jason Goldman die bisherigen Erkenntnisse zum Phänomen zusammengetragen.

Erstmals wissenschaftlich untersuchte ein französischer Arzt den Effekt um 1950. 60 Jahre später analysierten Genetiker das Erbgut von 10.000 Menschen, um schließlich bestimmte Veränderungen in den Genen all jener zu finden, die auf Licht mit Niesen reagierten. Den Ursprung des Phänomens erklärt das. Doch der Mechanismus ist weiterhin unverstanden. Wandert der Reiz über den trigeminalen Nerv (im Bild gelb eingezeichnet), der Augen und Nasenbereich verbindet? Oder verbreitet er sich über das parasympathische Nervensystem? Dort können Reflexe in Organen auftreten, die gar nicht direkt gereizt wurden. Doch ob sich die Pupillen im Licht verengen und die Nase daraufhin tatsächlich feucht wird und sich zu einem Niesen verkrampft, ist unklar.

Nicht nur die Sonne kann den Reiz auslösen, auch helle künstliche Lampen beschwören das Niesen herauf, schreibt Goldman. Entscheidend scheint außerdem zu sein, dass das Licht plötzlich auftritt. Mancher muss nur aus einem schummrigen Tunnel ins helle Licht fahren, und schon juckt es in der Nase – in einer unübersichtlichen Verkehrssituation gar nicht so ungefährlich.

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4 Kommentare

  1.   Tom Kammermeier

    Ja, das klappt prima bei mir. Heute nicht mehr so intensiv wie früher, aber hell = niesen funktioniert! Da muss man die Leute, die einem „Gesundheit“ wünschen, immer aufklären, dass es einem eigentlich sehr gut geht…


  2. „Mancher muss nur aus einem schummrigen Tunnel ins helle Licht fahren, und schon juckt es in der Nase – in einer unübersichtlichen Verkehrssituation gar nicht so ungefährlich.“

    Ein Grund, warum das als Risikofaktor für Militärpiloten angesehen wird. Gerade im Luftkampf, engen Formationen oder Start und Landung kann das tödlich enden.

    Es gibt im übrigen ein ähnliches Phänomen beim Essen, „Snatiation“ genannt (Kofferwort aus sneeze/Niesen und satiation/Sättigung). Dies tritt direkt nach reichhaltigem Essen auf, das den kompletten Magen füllt. Häufig ist das auch mit einer leichten Übelkeit verbunden, die dann nach dem Niesen urplötzlich verschwunden ist.

    Ich habe übrigens beides. Der photische ist ok, manchmal sogar hilfreich, wenn ein Niesen „stecken bleibt“. Snatiation ist nicht so dolle. Kommt (bei mir) allerdings auch selten vor.. vielleicht einmal pro Monat oder Quartal.

  3.   7Saturn

    Ich kenne einen ähnlichen Effekt, wenn auf der Haut im Bereich um die Nase irgendwelche Anomalien intensiv gereizt werden. Sagen wir mal, ein kleiner Pickel über den Augenbrauen, über den man mehr automatisch-beiläufig kratzt, der aber doch etwas empfindlicher ist. Geht bei Leibe nicht immer, aber das ist auch so ein Effekt, bei dem ich nichts gegen das Niesen machen kann. Es kommt praktisch postwendend.

  4.   genrik

    In seiner Bildergeschichte „Die Prise“ hat Wilhelm Busch anschaulich und köstlich beschrieben, wie die Wirkung des Schnupftabaks unter Zuhilfenahme eines Blicks in die Sonne intensiviert werden kann. Nur der neue Terminus „photischer Niesreiz“ war ihm freilich noch nicht bekannt. Die Krankheitserfinder von der Pharma-Industrie werden sicherlich bald ein neues Unwirksamsnasikum auf den Markt sprühen…