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Talente leihen, Tarantino klaut

 

pulpfiction
Alles nur geklaut? Samuel L. Jackson und John Travolta in Pulp Fiction. © Miramax Films/IFTN/dpa

Über die Regeln der richtigen Kunstherstellung sind viele Bücher geschrieben worden. In  vielem widersprechen sie sich, doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind samt und sonders tl;dr (too long; didn't read). Oscar Wilde hat diese Bibliotheken deshalb in einem Aphorismus einmal so zusammengefasst: "Talent borrows, Genius steals." Talente leihen, Genies klauen. Was allerdings unbedingt heißt, dass Kopisten im Umkehrschluss auch automatisch Genies sind, auch wenn dieses Missverständnis häufig vorkommt.

Einer der begabtesten Adapteure der Gegenwart ist in jedem Falle der amerikanische Filmemacher Quentin Tarantino. Während andere Regisseure vereinzelt Anspielungen verstecken, sind Tarantinos Filme im Grunde ein Supercut aus den Beständen der Videothek, in der er jahrelang gearbeitet hat. Das macht Tarantino sozusagen zu einem Filmemacher zweiter Ordnung: Jeder Film karikiert die Verfahrensregeln eines Genres, nahezu jede Szene ahmt eine andere Szene nach, die es irgendwo schon einmal gegeben hat.

Das New York Magazine hat jetzt ein Verzeichnis von Filmen zusammengetragen, die Tarantino in Pulp Fiction verarbeitet hat. Die Liste ist zwar schon sehr umfangreich, trotzdem aber sehr wahrscheinlich nur vorläufig. Um wirklich sämtliche Bezüge zu dechiffrieren, bräuchte man ein Archiv, das mittlerweile verloren ist: Die Videothek Video Archives in Hermosa Beach, Los Angeles, in der Tarantino gearbeitet hat, gibt es nicht mehr.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

 

15 Kommentare

  1.   norbertZ

    Im New York Magazine liest sich das Ganze doch etwas anders: „We’ve put together a comprehensive-as-possible encyclopedia, organized chronologically by film and alphabetically within each (and lumping together both volumes of Kill Bill), of every homage and direct reference to pop culture that Tarantino’s put in his work—as well as an addendum of general influences on his career that he’s acknowledged over the years.“

    Oder um ein Beispiel aus der Liste zu Pulp Fiction zu nennen: „The Aristocats: Tarantino told The Village Voice’s J. Hoberman in 1996 that he wanted Mia’s dance moves in Jack Rabbit Slim’s to be inspired by “this moment” in the 1970 Disney film “where Eva Gabor’s cat dances.”

    Deshalb möchte ich mich für den interessanten Link zum New Yorker bedanken, eure obigen Zeilen haben aber mit dem Inhalt des Artikels dort nichts gemeinsam.

  2.   St.S

    Tarantino wird überschätzt. Er ist gänzlich ohne eigene Ideen. Ein Plagiator, der aus der hintersten Reihe schießt und von der kreativen Arbeit anderer lebt. Da hat sogar ein Uwe Boll mehr eigenes zu bieten.

  3.   Aufwind

    Ein kluger Mann sagte einst zu mir, gestohlen wird mit den Augen.

    Was soll ich nun mit meinen Augen tun, stehlen will ich nicht?

    Nicht jedes Auge stiehlt.

    Das Urheberrecht ist aber manchmal doch zweifelhaft ausgehebelt.

    Mein geistiges Eigentum?

    Hier wird im Nachhinein oft solange die Wahrheit verdreht, bis das Eigentum in einen anderen Besitz übergegangen ist.
    Eigentum verpflichtet?
    Zum Prozessieren?

    Zum Protestieren?

    Zum Promovieren?


  4. Die Kunst von Tarantino besteht darin, sich bei zahlreichen Klassikern zu bedienen, dieses wild durcheinanderzuwirbeln und etwas Neues daraus zu generieren.
    Hier macht ein Fan Filme für Fans.

  5.   Renerpho

    Sind Kopisten Ihrer Meinung nun unbedingt automatisch Genies oder nicht?

  6.   Renerpho

    +nach (sorry)


  7. Wenn ihr mehr lesen würdet würde euch auffallen, das sich neue Literatur auch meist aus vorangegangener zusammenstückelt, who cares?

  8.   helgemohl

    Tarantino machte aus dem Film etwas was uns erweckt.
    Er ist einer der größten Meiser seines Fachs.
    Alle Großen wird unterstellt sie würden klauen aber die Wirklichkeit ist alle
    klauen und die meisten machen es nur dadurch langweiliger und lassen uns noch tiefer schlafen, nicht Tarantino.
    Er weckt uns auf und lässt und aufhorchen. Pulp Ficton ist eiine Lektion an die Kunst der Filmemacher. Ich wünschte ein Tatort hätte annähernd mal diese Klasse.

  9.   Noboru Wataya

    Wenn ich Probleme mit Tarantino habe, dann hauptsächlich mit seinem Fanpublikum und der Art, wie sie sein Werk rezipieren. Da schauen sich Filmstudenten und Kinder aus gutem Hause andächtig Schießereien und Gemetzel nebst inflationärer Verwendung des Wortes „Fuck“ an und sind überzeugt, ein Stück abendländischer Hochkultur erlebt zu haben. Das hat so was Peinliches von „Guilty Pleasure“… der metzelt ja nicht richtig, der zitiert ja nur.


  10. @#9:
    Schon immer waren Dramen der Weltliteratur äußerst gewalttätig.
    Ich möchte hier sicherlich nicht Tarantino mit Shaekespeare vergleichen. Jedoch was den „Metzelfaktor“ angeht hat sich hier sicherlich nichts großartiges geändert.