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250.000 Tote in fünf Minuten

 
Syrien: 250.000 Tote in fünf Minuten
Die Anzahl der Konfliktparteien in Syrien ist immens. Screenshot: vox.com

Mehr als 250.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht das Chaos. Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein. Lässt sich das alles in fünf Minuten erzählen? Die Kollegen von vox.com haben es versucht.

Sie erklären in einem klugen Video, wie Syrien zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs wurde, der die gesamte Nahost-Region erfasst und bedroht. Wie die Lage gerade durch militärische Hilfe von außen immer weiter eskalierte, weil sie weitere Länder in den Konflikt zog. Und wie so am Ende selbst Verbündete plötzlich gegeneinander arbeiten und vor allem die Extremisten profitieren. Gerade die Widersprüche, die der Film aufzeigt, helfen in historischer Perspektive, den Kriegsschauplatz Syrien zu verstehen.

 

15 Kommentare

  1.   Dr.Eckstein

    Mehr als 250.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann.

    Ganz so friedlich waren die Proteste dann auch wieder nicht. Die ersten Proteste in Daraa im März 2011, der Auslöser quasi für die Behauptung Assad würde friedliche Demonstranten niedermetzeln, war schon geprägt von Gewalt. Demonstranten zündeten an diesem Tag mehrere Gebäude an (z.B. Hauptquartier der Baath-Partei und das Gerichtsgebäude) und es gab Schießereien, bei denen 7 Polizeibeamte erschossen wurden.

    http://www.theglobeandmail.com/news/world/africa-mideast/syrian-protesters-set-fire-to-ruling-partys-headquarters-palace-of-justice/article1948865/

    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/143026#.UHaGx0aTc1P

  2.   Clara Schwarze

    Das eigentlich umstrittene bei dem Syrien-Protest ist der Anfang. War es wirklich wie hier beschrieben ein „friedlicher Protest“ – oder handelte es sich eher um eine gezielt inszenierte geopolitische Intrige, bei der das Ziel war, eine schiitische Achse über die Irak in den Libanon zum Mittelmeer zu verhindern? Oder noch etwas anderes, welche Rolle spielte z.B. die Türkei?
    Genau herausfinden, werden wir das wohl nie. Aber genau deswegen sollte man vorsichtig sein, allzu schnell die schöne Geschichte zu glauben.

  3.   St.Expeditus

    In der Grafik ist Barak Obama viel zu groß abgebildet. Die USA haben sich aus dem Konflikt weitgehend herausgehalten. Sie haben leider Gottes ihre Truppen aus dem Irak abgezogen und damit ein Vakuum hinterlassen, dass der Iran genutzt hat, die Sunniten im Irak aus Regierung und Armee zu drängen. Und Obama hat die Roten Linien, die er gezogen hat, nicht verteidigt – auch nicht als Assad Giftgas eingesetzt hat. Der Grund, das amerikanische Interesse am Golf und seinem Öl, ist Vergangenheit.
    Was noch ab der Grafik auffällt – Europa kommt nicht vor. Ein fataler Fehler der europäischen und deutschen Außenpolitik. Wir sehen zu und wundern uns dann, wenn Flüchtlingsströme nach Europa ziehen.

  4.   Torben-H-Temes

    Wie das mit den „friedlicher Protest“ gegen die Regierung tatsächlich zu verstehen ist, kann ich erst nachvollziehen und mit der Eskalation in Syrien in Einklang bringen, seit die bewaffneten Rebellenkämpfer als gemäßigte Opposition und in der weniger Brain-Busting-Version als gemäßigte Rebellen (das sind dann die al-Nusra und al-Sham-Rebelle, vulgo al-Kaida) bezeichnet werden.

    Wer nimmermüd die Nachrichten verfolgt, kann sich irgendwann dann doch einen Reim auf die Welt machen. *zwinkerchen*

  5.   w.rose

    Friedlicher Protest ?

    Sind erschossene Polizisten und Brandstiftungen friedlich ?

    Wieder nur Propaganda.

    Langweilig.

  6.   Stefan

    „First shots fired by Syrian dictator Bashar al-Assad“
    Die syrischen Polizisten die bei „friedlichen Proteste“ erschossen wurden sind wohl nur von Schallwellen tötlich getroffen worden.

    „Assad encourages [terrorism] and releases jihadist prisoners“
    Kein Wort darüber, das diese Freilassungen von den „friedlichen Rebellen“ verlangt wurden, als sofortige Umsetzung der angekündigten Reformen und Assad diese Forderung gewährte. Oder darüber, dass hier keine Horde von Jihadisten freigelassen wurde, sondern darunter zB der Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh war.
    https://www.washingtonpost.com/world/syrias-assad-moves-to-allay-fury-after-security-forces-fire-on-protesters/2011/03/26/AFFoZDdB_story.html

    Muss ich das Video nach 2 Assad-feindlichen Fehldarstellungen in den ersten 2 dargestellten Zusammenhängen jetzt überhaupt noch weiter ansehen, oder ist der Rest auch nur amerikanische Propaganda?

    @ St.Expeditus
    bitte keine Giftgasmärchen mehr.
    http://www.reuters.com/article/2013/05/05/us-syria-crisis-un-idUSBRE94409Z20130505
    http://www.washingtontimes.com/news/2013/may/6/syrian-rebels-used-sarin-nerve-gas-not-assads-regi/

  7.   Stefan

    Keine Links hier möglich? Der erste Kommentarversuch taucht hier nicht auf.
    Dann halt ohne Quellenangaben…
    „first shots fired by syrian dictator assad“ – die ersten Toten waren Polizisten am Rande der „friedlichen Proteste“, bei denen auch sonst einiges zu Bruch ging und angezündet wurde. Lang bevor die Proteste unter Einsatz von tötlicher Gewalt aufgelöst wurden.

    „released jihadist prisoners to support extremism among rebels and make them harder to support“ – Kein Wort darüber, dass die Freilassung eben dieser politschen Gefangenen eine Kernforderung der Rebellen war, die Assad erfüllte. Oder das es bei den Gefangenen nicht nur um Jihadisten ging, sondern auch um zB Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh.

    Das Video hab ich dann gar nicht weiter angesehen. 2 Fehldarstellungen zu Ungunsten Assads in den ersten beiden dargestellten Zusammenhängen, der Rest wird auch wieder nur amerikanische Propaganda sein, etwas neu formuliert vielleicht.

    @St.Expeditus: die UN Beobachter, die Giftgasangriffe untersuchten, fanden keine Hinweise auf einen Einsatz von Seiten der Regierung, aber viele Indizien für Rebellen.

  8.   Torben-H-Temes

    Das Video unterschlägt auch vollkommen, dass sich beispielsweise bereits 2012 die Gruppe um die USA zu den euphemistischen „Freunden Syriens“ zusammengeschlossen hatte.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Freunde_Syriens

    Bereits in der ersten Hälfte von 2011 verhängt die EU Sanktionen gegen Syrien und hatte eindeutig Partei ergriffen
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/vorgehen-gegen-syrien-eu-beschliesst-sanktionen-gegen-assad-a-764253.html
    Ich denke, man kann davon ausgehen, dass die EU das auf Geheiß Amerikas tat.

    Denn, bereits 2006, fünf Jahre vor den ersten sichtbaren Eskalationsschritten zum Krieg, begann die USA, die syrische Exilopposition mit Millionenbeträgen aufzubauen.
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-04/syrien-sender-usa

    Ich gehe davon aus, dass der Krieg von ausländischen Geheimdiensten angezettelt wurde. Die Kämpfer strömten von Anfang an über die Grenzen, nur berichten durfte es keiner, damit die Legende von den friedlichen Demos entwickelt werden konnte.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ein-abschied-von-al-dschazira-vergiss-was-du-gesehen-hast-11988966.html

    Von Anfang an gehörte es zur Inszenierung der Eskalation, dass die Gewalt auf Rebellenseite in unseren Medien verleugnet wurde. So konnte jede Aktion der Regierung als neuerliche unbegründete Gewaltaktion der Regierung gebrandmarkt werden und die Eskalation weiter getrieben werden. Bis heute beten unsere Nachrichtenagenturen die Meldungen der öminösen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrecht nach. Die zählt aber nicht die gefallenen Regierungstruppentoten.

  9.   Galgenstein

    Absurd mit welcher Begeisterung der Diktator hier in Schutz genommen wird. Muss ja ein tolles Gefühl sein unter Assad leben zu dürfen. Wer nach Demokratie und Rechtsstaat verlangt, gar dafür demonstriert kann nur ein feindlicher Agent sein, der die staatliche Ordnung zu untergraben versucht.
    Dass der Menschenrechtsrat der UN das brutale Vorgehen gegen die Demonstranten 2011 verurteilte, dürfte unseren Diktatorenfanboys entgangen sein. Dass ein Diktator eben deswegen eine Diktator ist, weil er nicht frei gewählt wurde, noch sich abwählen lassen will, sondern nur durch Gewalt herrscht, interessiert hier schon gar nicht mehr. Krank.

  10.   Stefan

    Der Menschenrechtsrat verurteilt alles mögliche, und trotzdem sitzt Saudi Arabien drin und führt sogar ein Gremium an das weitere Ernennungen leitet.
    Mir geht es nicht um Glorifizierung von Diktatur, mir geht es darum das es den Menschen in Syrien verhältnismäßig gut ging bevor der Bürgerkrieg durch Waffenlieferungen aus anderen Staaten groß befeuert wurde.
    Es war ein weitgehend säkularisiertes Land, in dem viele Glaubensrichtungen friedlich miteinander auskamen.

    Jetzt sitzen „moderate“ Jihadisten im Norden, weniger moderate Jihadisten im Osten, im Norden schnappen sich die Kurden ihren eigenen Staat und aus irgendeinem Grund bekommt die Regierung, die in praktisch all diesen Vorgängen in die Defensive gedrängt wurde alle internationalen Ächtungen ab – obwohl alle Vorwürfe zu Kriegsverbrechen in gleichem und höherem Maß auf Rebellen, Jihadisten und Kurden zutreffen, obwohl die Regierung praktisch allen Forderungen der Rebellen zugesprochen hat (siehe Verfassungsänderungen 2012, Parlamentswahl 2012, Präsidentschaftswahl 2014 – wer drohte Wählern und Wahllokalen mit Gewalt, was sagten die internationalen unabhängigen Wahlbeobachter vor der UN?)