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Spätzünder Nordkorea – 70 Jahre Atomtests

 
Spätzünder Nordkorea - 70 Jahre Atomtests
Screenshot aus der Grafik zu 70 Jahren Nuklearwaffentests aus der "Washington Post"

Eine Wasserstoffbombe? Wenn Kim Jong Un eine Kernfusionswaffe diesen Typs hätte, könnte er damit eine Großstadt auslöschen. Nordkoreas Diktator behauptet, er habe so eine Bombe erfolgreich getestet. Wissenschaftler sind skeptisch. Wahrscheinlicher ist, dass dessen Kernwaffenprototypen auf einem Stand sind, den andere Staaten spätestens im Kalten Krieg erreicht hatten. Seit mehr als 70 Jahren experimentieren Atommächte und solche, die es werden wollen, nämlich mit Massenvernichtungswaffen herum. Eindrucksvoll zeigt das eine interaktive Grafik aus der Washington Post – und lässt Kim Jong Un als Spätzünder dastehen.

Dass Nordkorea eine Bombe getestet hat, ist ziemlich sicher. Erdbeben-Messgeräte haben eine Erschütterung registriert zu dem Zeitpunkt, als der Test in dem abgeschotteten Land stattgefunden haben soll. Doch deren Wucht lässt eher auf eine klassische Atombombe schließen, die mit Fusionstechnik ein bisschen getunt wurde. Sie dürfte etwa mit der Atombombe von Nagasaki (Sprengkraft von etwa 22.ooo Tonnen TNT) zu vergleichen sein, sagen Experten. Gefährlich zwar – allein in Nagasaki starben 1945 sofort nach dem Abwurf von Fat Man 22.000 Menschen – aber technisch eben auf dem Stand von vor 70 Jahren.

Die Washington Post zeigt in ihrer animierten Grafik die Geschichte der Nuklearwaffentests: 2.054 an der Zahl. Acht Staaten haben bisher Atomwaffen gezündet – allen voran die USA und die ehemalige Sowjetunion, aber auch China, Frankreich, England, Indien, Pakistan und Nordkorea. Vor allem in den 1950er Jahren waren solche Tests Alltag – ein Haupttestgebiet war der Pazifikraum. Einige Atolle sind bis heute radioaktiv stark belastet. Auch über dicht besiedeltem Gebiet wurden Bomben ausprobiert – mit entsprechenden Spätfolgen für die Menschen und die Umwelt. Die USA sind bisher das einzige Land, das mit den Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki Atomwaffen in einem Krieg eingesetzt hat.

Weitere Fundstücke aus dem Netz finden Sie hier in unserem Teilchen-Blog.

5 Kommentare

  1.   Dr Simpson

    Nukular – das Wort heisst nu ku lar

  2.   John Wayne

    Atombombentestgebiete…
    Erinnert mich stark an den Film Der Eroberer mit John Wayne von 1956. 30 Jahre später ist knapp die Hälfte des Produktionsteams an Krebs gestorben.
    Wohl ein Grund, warum die USA dann auf die Atolle ausgewichen sind.

  3.   Mastershark

    Die Menschheit scheint in weiten Teilen der Welt resistent gegen Einsichten. Das heute existierende Atomwaffenarsenal reicht immer noch für eine reale Apokalypse. Viele dieser Waffen befinden sich in den Händen offenkundig fragwürdiger Mächte und die anderen, d.h. die, die sich selbst als Hüter des Guten verstehen oder in dieser Rolle selbst überschätzen, sind offenbar unwillig einen Beitrag zu einer ernsthaften nuklearen Abrüstung zu leisten. Wenigstens die europäischen Nuklearmächte könnten ein Zeichen setzen und ihre Arsenale verschrotten!

  4.   Me_

    Das die USA waffen mit ähnlicher Sprengkraft schon vor 70 Jahren hatten, macht die Sache nicht weniger gefährlich. Klar, schlimmer geht immer. Aber wenn ich in Seoul wohnen würde, wäre ich über ein Nordkorea mit Atombomben wohl genau so beunruhigt wie über ein Nordkorea mit Wasserstoffbomben.

  5.   TB-303

    Es wird maximal eine geboostete Spaltbombe sein. Selbst das halte ich für fragwürdig. Die Verfügbarkeit von einzelnen, klassischen Atombomben ist für Nordkorea auch vollkommen ausreichend, denn ihr einziger Sinn ist die Abschreckung eines möglichen Angreifers. Ein Erstschlag ergibt für Nordkorea keinen Sinn, denn dann wäre dort Ende Gelände. Und zur Abschreckung sollte die Vorstellung einer klassischen Atombombe ~20kT auf Seoul schon vollkommen ausreichen. Militärisch interessanter (und wahrscheinlich auch wirtschaftlicher) wäre entsprechende Mittelstreckenraketentechnik mit der man die Ladung auch zuverlässig an das Ziel “liefern” kann.