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Tukan bekommt Prothese aus dem 3-D-Drucker

 

Für den Hausgebrauch bietet der 3-D-Drucker derzeit noch nicht allzu viel Berauschendes. Wer knapp 1.000 Euro in ein solches Gerät investiert, kann sich dafür seine eigene Handyhülle ausdrucken – die aber selbst im schlecht sortierten Fachhandel für zehn Euro erhältlich ist. Ausgedruckte Bongs oder Fruchtgummi sind mehr eine nette Spielerei als wirkliche Massenware. Interessant könnte der Markt für individuell angepasste Medizinprodukte aus dem 3-D-Drucker werden. Orthesen etwa. Oder Tukanschnäbel.

Costa Rica spricht derzeit über die Leidensgeschichte von Tukan Grecia, die dank modernster Technik nun ein Happy End genommen hat. Vor einem Jahr hatte eine Gruppe Jugendlicher dem Vogel den oberen Teil seines Schnabels abgeschlagen. Grecia, benannt nach der Stadt, in der das Martyrium geschah, konnte nicht mehr eigenständig essen, sein Gleichgewichtssinn war beeinträchtigt und Balzrufe konnte er auch nicht mehr von sich geben.

 

Die Bilder des verstümmelten Tukans gingen um die Welt und empörten nicht nur Tierfreunde. Costa Ricas Präsident Luis Guillermo Solís kündigte eine Verschärfung der Tierschutzgesetze an. Geld wurde gesammelt, vier Unternehmen erklärten sich bereit, Grecia mittels 3-D-Technik eine Schnabelprothese anzufertigen.

Nun veröffentlichte die Tierschutzorganisation ZooAve, die sich inzwischen um Grecia kümmert, Bilder des Tukans mit repariertem Schnabel. Dass die Behandlung fast ein Jahr dauerte, begründet die Zeitung La Nación damit, dass die Wunde erst einmal vollständig vernarben musste. Dann erst wurde der künstliche Schnabel angepasst.

Und nun kann Grecia sogar wieder singen.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

8 Kommentare

  1.   Roko

    Couldn’t they colour the beak?

  2.   Henry

    Für so eine schreckliche Tat hoffe ich, dass diese Jugendlichen nachts kein Auge mehr zubekommen. Ein so willkürliches und lebensfeindliches Vergehen hat nichts als Ächtung durch die Öffentlichkeit verdient. Die Bemühungen, dem Tukan seinen Schnabel adäquat zu ersetzen, sind sehr lobens- und unterstützenswert. Ich frage mich, ob er damit auch seine Körperwärme so gut abführen kann wie zuvor.

  3.   Tim Höfer

    So eine Gemeinheit, zum Spass eine hilflosen, friedlichen Vogel zu verstümmeln.

  4.   nozomi07

    Der Tukan hatte doppelt Glück! Erstens hat er seinen Schnabel wieder. Zweitens ist er kein Mensch.

    Wäre er ein Mensch (z.B. aus Syrien), stünden hier jetzt 500 Kommentare: „Der bekommt einen Schnabel aus Steuergeldern und ich nicht!“; „Ein Jahr hat der uns auf der Tasche gelegen statt selber zu fressen“; „Bestimmt wird er uns mit dem Schnabel hacken und die Ohren vollträllern“; „Tukane sind undeutsch, aber darüber berichtet die Lügenpresse mal wieder ausführlich“ etc. pp.

    Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Immerhin ist er dem Wolf (und dem Tukan) ein Mensch. Naja, manchmal. Lässt sich diese Fehlverdrahtung im Hirn wirklich nicht beheben?

    (Sorry für den Zynismus, aber anders sind die abertausenden menschenfeindlichen Online-Kommentare der letzten Wochen nicht verdaulich)

  5.   Nepoliticos

    Mensch, freu‘ dich doch, daß der Vogel wieder einen Schnabel hat und sabbel hier kein dummes Zeug. Wenn dich die Kommentare so schrecklich stören, dann lese sie nicht und geh‘ stattdessen spazieren, das entspannt.
    Gibt es einmal eine gute Nachricht in der Zeitung, müssen gleich wieder blöde Kommentare abgegeben werden, die die Welt bestimmt auch nicht besser machen.
    Vielleicht wäre es besser, mal über die eigene Verdrahtung nachzudenken?

  6.   Vögel

    Finde ich gut das es noch solche Tierfreunde gibt und sich für den Vogel eingesetzt haben. Vögel sind ausserordentlich Intelligente Tiere und haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten und leiden demnach stärker als Menschen wenn man Ihnen etwas antut oder sie nicht gut behandelt werden.

  7.   gastschnabelkundler

    Im Zoo in Halle/S. lebte schon in den 1970ern ein Tukan lange und (hoffentlich) zufrieden mit einer Schnabelprothese. Die kam allerdings vermutlich nicht aus einem 3D-Drucker

  8.   Toucanier im Geiste

    Laut link zu der Costa Ricanischen Zeitung und Folgelink hat die Untat der Kinder dazu geführt, dass ein Gesetz gegen Misshandlung von Tieren erlassen wurde mit Strafen zw. 1 und 6 Jahren Haft.
    Der Tukan war ein Zutraulicher Wildvogel, der von den Dorfbewohnern gefüttert wurde und deswegen nicht das weite suchte, bevor die Jugendbande ihn mit einem Stock verprügelt hatte.