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Warum so still, kleine Meerjungfrau?

 


Frauen reden mehr als Männer. Dass dieses alte Klischee nicht einmal auf Zeichentrickfilme zutrifft, zeigt jetzt eine Untersuchung von zwei US-amerikanischen Linguistinnen. Carmen Fought und Karen Eisenhauer haben sich, wie die Washington Post berichtet, den Redeanteil von Männern und Frauen in Disney-Filmen einmal genau angeschaut und festgestellt: Weibliche Figuren haben nicht viel zu sagen.

Den Startpunkt für diese Entwicklung sehen die Wissenschaftlerinnen im Zeichentrickfilm Arielle, die Meerjungfrau von 1989. Darin redeten die männlichen Charaktere dreimal so häufig wie die weiblichen. Und das, obwohl der Film mit Arielle eine weibliche Hauptfigur hat. Auch in den folgenden fünf Prinzessinnen-Filmen von Disney setzte sich diese Entwicklung fort. Dreimal höher sei darin der Redeanteil der Männer. Dabei sah das Verhältnis in den früheren Filmen, in denen eine Prinzessin im Mittelpunkt stand, noch ganz anders aus. In Schneewittchen (1937) sei es noch ausgewogen gewesen, in Cinderella (1950) und Dornröschen (1959) redeten die Frauen sogar mehr als die Männer.

Washington Post Disney Fi
Screenshot: Washington Post

Fought und Eisenhauer gehen davon aus, dass Disney-Filme einen starken Einfluss auf die Entwicklung junger Mädchen haben können. Das Geschlechterbild, das darin vermittelt wird, betrachten die Linguistinnen als problematisch. In den Produktionen im Anschluss an Arielle, die kleine Meerjungfrau seien die Frauen hauptsächlich damit beschäftigt, einen Ehemann zu finden. Alle Figuren, deren Handlungen dem nicht entsprechen, seien männlich.

Obwohl es in Rapunzel (2010) und Merida (2012) besser um den Redeanteil von Frauen steht, gab es mit Die Eiskönigin (2013) wieder einen Rückschritt. Eine positive Entwicklung konnten die Wissenschaftlerinnen allerdings doch feststellen: In den neueren Disney-Filmen bekommen weibliche Figuren nicht nur Komplimente für ihr gutes Aussehen – sondern auch für ihre Fähigkeiten.

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10 Kommentare

  1.   quarague

    Zitat: “Frauen reden mehr als Männer. Dass dieses alte Klischee nicht einmal auf Zeichentrickfilme zutrifft, zeigt jetzt eine Untersuchung ..” Wieso ‘nicht einmal’? In der Untersuchung geht es ausschliesslich um Disneyzeichentrickfilme, und da ist die Aussage falsch. Ob diese Aussage fuer reale Menschen zutrifft oder nicht, wird in der Untersuchung ueberhaupt nicht betrachtet. Dieses ‘Klischee’ kommt aus Studien, die sehr wohl reale Maenner und Frauen betrachtet haben, und genau das herausgefunden haben.

  2.   Kayoyo

    Nur mal am Beispiel Arielle:

    Die Dramaturgie besteht doch darin, dass die Protagonistin ihre Stimme verloren hat. Sie kann also nicht sprechen. Das erzeugt doch erst die Spannungskurve.

    Sprechanteile kann man nicht einfach von der Handlung abkoppeln und daraus dann eine qualitative Aussage ableiten. Gemessen wurde die Quantität.

    Aber es dient natürlich einem guten Zweck.

  3.   Siri W.

    Der Grund warum die kleine Meerjungfrau so still ist, liegt einig und alleine darin: Man könnte aus ihr sonst eine Fischsuppe machen! Oder hat irgendjemand schon mal eine Flunder, Barsch, Rochen oder Karpfen “Hier bin ich” rufen hören? :-)

  4.   verlogen2.0

    Kommt jetzt die Sprechquote für Frauen in Disneyfilmen?

  5.   MalSehen79

    “In den Produktionen im Anschluss an Arielle, die kleine Meerjungfrau seien die Frauen hauptsächlich damit beschäftigt, einen Ehemann zu finden.”

    Beauty and the Beast: Der männliche Hauptcharacter ist hauptsächlich damit beschäftigt sich selbst zu bemitleiden. Ist das besser?

    Die obige Aussage ist falsch für “Mulan”, “Tangled” und “Frozen”. Die anderen Filme kenne ich nicht.

  6.   MalSehen79

    Mir ist gerade noch was aufgefallen. Wie oft schaut man sich die Filme denn so an im Jahr? Einmal vllt. zweimal.

    Und trotzdem kommen die Authoren dieser “Studie” zum Ergebnis: “Fought und Eisenhauer gehen davon aus, dass Disney-Filme einen starken Einfluss auf die Entwicklung junger Mädchen haben können.”

    Das ist Blödsinn.

  7.   Empörung_wo_man_Sie_sucht

    Mal Ehrlich. Wie hoch ist den jetzt der “Erkentnissgewinn” bei solchen Untersuchungen?

    Da könnte man auch Schmetterlingen jeweils ein Flügel amputieren und schauen ob er noch fliegt.
    Wissen gewonnen, aber echte Erkenntniss?

  8.   Pumpelstielzchen

    Es ist ja noch viel schlimmer: Einbeinige Stalingrad-Veteranen mit Herzklappenfehlern kommen in Zeichentrickfilmen ja praktisch gar nicht zu Wort!

  9.   Michael

    Ich halte diese Untersuchung, ehrlich gesagt, für ziemlichen Unsinn. Man kann die dramaturgische Bedeutung einer Filmfigur nicht an deren Redeanteil festmachen. Darüber hinaus haben sich die beiden Linguistinnen offenbar überhaupt nicht mit den Themen der untersuchten Filme befasst. Sonst wäre ihnen nämlich aufgefallen, dass Arielle ihre Stimme an eine böse Meerhexe verliert und aus diesem Grund über die Hälfte des Filmes nicht sprechen kann. Das ist das Hauptthema der Geschichte.
    Königin Elsa bei »die Eiskönigin« verschwindet recht früh in der Handlung und wird in der Folge gesucht – auch hier hat der geringere Wortanteil offenkundig sehr viel mit der Handlung des Streifens zu tun. Trotz ihres nicht überwältigenden Wortanteils (der ihr übrigens von einem ständig plappernden Schneemann namens Olaf streitig gemacht wird) ist Elsa aber gerade bei den Mädchen die beliebteste Disney-Figur seit Jahrzehnten. So unbedeutend und stiefmütterlich behandelt kann sie also nicht sein.
    Aber, wie gesagt, ist die Wirkung einer Filmfigur ohnehin nicht an ihrem Redeanteil auszumachen. Man denke mal an den edlen Apachenhäuptling Winnetou. Ist im Gegensatz zu plaudernden Westleuten wie Sam Hawkens eher schweigsam, wurde durch Pierre Brice aber zurecht zur Legende. Oder Hannibal Lecter in »das Schweigen der Lämmer”. Ist während des gesamten Films gerade mal 25 Minuten zu sehen und zu hören, macht aber den mit Abstand nachhaltigsten Eindruck.
    Mit Zählungen und Untersuchungen kann man so ziemlich alles belegen – je nachdem, was man möchte. Schneewittchen hatte es übeigens gleich mit sieben unablässig redenden Männern zu tun. Dafür hat sie noch ganz gut abgeschnitten.

  10.   Mr. T

    Also irgendwie frag ich mich was solche Untersuchungen bringen sollen, und wer überhaupt auf so etwas achtet. Die Leute sollte sich eher mal um wirkliche Probleme kümmern, anstatt solche schwachsinnigen Untersuchungen durchzuführen. Ich seh auch schon den nächsten Skandal:
    Frauen haben in Schwulenpornos zu wenig Text und zu wenige Auftritte…