‹ Alle Einträge

Wer hat im All recht?

 

Auf Dauer ist es langweilig, immer nur nach Gran Canaria zu fliegen oder nach Australien oder Patagonien. Weltraumtourismus wird irgendwann Realität sein – selbst Bekleidungshersteller wie Adidas wittern schon da das große Geschäft. Aber bevor wir uns um modische Fragen kümmern, sollten wir uns Grundlegendem widmen. Wer muss bezahlen, wenn Sie Ihrem Mitreisenden versehentlich etwas Mondgestein an den Kopf werfen? Oder wenn Ihre Gucci-Handtasche in der Schwerelosigkeit auf Nimmerwiedersehen davonschwebt? Und dürfen die Bewohner des Planeten Melmac Ihre Katze essen, die Sie naiverweise ins All mitgenommen haben? Welches Recht im Weltall gilt, erklären die Macher von Wendover Productions in einem Video.

Weltraumrecht heißt diese juristische Disziplin und die beginnt schon mit der gar nicht so leicht zu beantwortenden Frage, wo eigentlich der Weltraum anfängt. Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ab etwa 100 Kilometern (manche sagen auch: erst ab 160 Kilometern) das All beginnt und die Hoheitsrechte der Staaten enden. Das heißt, dass in dieser Höhe selbst US-Satelliten über Nordkorea fliegen dürfen, ohne gleich eine Krise auszulösen. Welches Recht in Raumkapseln oder Raumstationen Anwendung findet, hängt vor allem davon, ab unter welcher Flagge das jeweilige Gefährt unterwegs ist. Doch welches Recht gilt auf anderen Planeten?

Die Antwort steht im Weltraumvertrag von 1967, den 102 Staaten, darunter auch Deutschland, unterzeichnet haben. Dieser sieht unter anderem vor, dass kein Land einen anderen Planeten für sich beanspruchen darf. Interessant wird diese Frage beispielsweise dann, wenn es – irgendwann einmal – um den Abbau von Bodenschätzen oder Rohstoffen geht. Der Clip klärt aber noch weitere Fragen: zum Beispiel, warum ein Brite auf dem Mond schon mit 18 Jahren Bier trinken darf, ein Amerikaner aber erst mit 21. Oder was passiert, wenn ein US-Astronaut einen französischen Kollegen schlägt. Und welche Nationalität hat eigentlich ein Baby, das im Weltall geboren wird?

Es gibt jedoch auch viele Fragen, die noch nicht eindeutig geklärt werden können. Möglicherweise müssen in Zukunft Gesetze neu geschrieben oder verfeinert werden. Ihre Katze sollten Sie bei Ihrem ersten Trip ins Weltall vielleicht trotzdem zu Hause lassen.

Mehr Teilchen gibt es hier.

4 Kommentare

  1.   QPDO

    Fischer knows best. Bitte einmal an den Meister der unterhaltsamen Rechtserläuterung weiterleiten. Ich vermute ja stark, dass es beim Weltraumrecht primär auf die Durchsetzung ankommt. An zweiter Stelle steht die Verhältnismäßigkeit und an dritter Stelle die Nachweisbarkeit. Wie soll denn das Recht durchgesetzt werden? Mit Space Sheriffs? Wenn die Rohstoffe im Grenzland genutzt werden, so hat doch erstmal der Recht, der den schnelleren Colt hat. Zurück in Washington sah das vielleicht anders aus, aber erst in der Zivilisation kann das Recht angewendet werden (mal abgesehen vom Standrecht). Aber auch dazu muss die ausübende Gewalt erstmal da sein. Bis dahin ist jedes Gesetz auf den Boden der Tatsachen beschränkt.
    Hinzu kommt die Frage ob es denn verhältnismäßig ist, eine ziemlich teure Rakete auf eine noch teurere Rakete zu schießen um zu verhindern, dass diese eine Bergbaustation versorgt und damit ggf. die vor Ort vorhandenen Arbeiter tötet oder durch die Trümmer Menschen auf der Erde oder in anderen Raumunternehmen gefährdet. Ebenso wie die Frage wie die Verstöße gegen das Raumrecht beweistechnisch nachgewiesen werden sollen. Schließlich braucht es ja schon Einiges an Technik oder Know-How die leider allzu oft bei den involvierten Parteien liegen. Frei nach der Devise den Mordverdächtigen die Autopsie durchführen zu lassen.

  2.   AschhuZängusanäng

    “”Dieser sieht unter anderem vor, dass kein Land einen anderen Planeten für sich beanspruchen darf. Interessant wird diese Frage beispielsweise dann, wenn es – irgendwann einmal – um den Abbau von Bodenschätzen oder Rohstoffen geht.””
    Das hat sich allerdings geändert!
    http://www.focus.de/wissen/videos/schuerfrechte-im-sonnensystem-per-gesetz-usa-erklaeren-sich-zum-besitzer-des-gesamten-weltalls_id_5126341.html

  3.   Heinerlein

    Hat es nicht!

    Die Focus-Meldung war eine Falschmeldung, weil die Deppen kein Englisch können!

    Lesen Sie lieber das Original:
    https://www.congress.gov/bill/114th-congress/house-bill/2262

  4.   simie

    Und selbst wenn die Übersetzung korrekt gewesen wäre, hätte es nichts geändert, da ein solches US-Gesetz wohl kaum von den anderen Nationen anerkannt werden würde. Dies wäre aber notwendig um Rechtssicherheit zu haben.