‹ Alle Einträge

So landen Sie eine Boeing 737

 

Gehen wir ruhig davon aus, dass Sie das, was Sie hier lernen, nie brauchen werden. Aber Sie spielen ja auch Lotto – und hoffen insgeheim auf den Millionengewinn. Wenn also das Flugzeug bei der nächsten Fernreise wieder bedenklich wackelt, sind Sie sicher froh, wenn Sie auf einem der sichersten Plätze sitzen, keine Höhenangst haben – oder wissen, wie Sie den Jet notfalls sicher zu Boden bringen.

Der Pilot Tim Morgan hat die Prozedur auf dem Onlineportal Quora am Beispiel der Boeing 737 dargelegt, in einem Video fasst er die Schritte zusammen. Die 737 ist eines der meistverkauften Flugzeuge, die Modellfamilie umfasst Jets mit bis zu 215 Sitzen. Ryanair nutzt beispielsweise ausschließlich Boeing 737-800-Flugzeuge – die einheitliche Flotte ist ein wichtiger Teil der Konzernstrategie und hilft, die Kosten niedrig zu halten. Was aber, wenn Pilot und Co-Pilot plötzlich ausfallen? Dann könnte es sein, dass Sie ranmüssen. Die gute Nachricht: Vieles übernimmt der Autopilot. Die schlechte Nachricht: Landen müssen Sie schon selbst.

Morgan zeigt in seinem Video Schritt für Schritt, wie so eine Landung funktioniert. Er erklärt, wie Sie beispielsweise Kontakt zur Luftraumüberwachung aufnehmen (die Ihnen im Notfall auch einige Fragen beantworten kann). Außerdem erfahren Sie, wie Sie bei der Landung das Tempo drosseln, den Autopilot abschalten und manuell bremsen. Nicht vergessen sollten Sie zudem das Ausfahren der Landeklappen – diese erhöhen den Auftrieb des Fliegers und sorgen so dafür, dass Sie mit geringerer Geschwindigkeit landen können. Die ideale Landegeschwindigkeit für die Boeing 737 liegt Morgan zufolge bei etwa 260 Stundenkilometern (in der Luft wird in Knoten gerechnet, hier können Sie umrechnen), die Landeklappen sollten auf 30 Grad eingestellt sein. Am Ende bringen Sie das Flugzeug mit Pedalen zum kompletten Stillstand, das kennen Sie vom Auto.

Und wenn Sie jetzt sagen, naja, das klingt interessant, aber ich werde doch nie in so eine Situation kommen? Das dachte dieser Fluggast möglicherweise auch …

Mehr Teilchen gibt's hier.

20 Kommentare

  1.   Thomas

    Dank dem Buch „ein Mann ein Buch“ Kann ich schon ne 747 landen :)

  2.   PeterDoms

    Das machen Flightsimmer, die ihr Hobby ernst nehmen, jeden Tag zu hunderten, wenn nicht zu tausenden. Und die stecken sehr viel tiefer in der Materie als dieses 10 Minuten Filmchen her gibt.

    Allerdings – und das ist der Punkt – obwohl die Modelle inzwischen verdammt nah an der realen Funktionsweise sind, ist von denen keiner so doof sich auch nur ansatzweise anzumaßen, einen Airliner in der Realität auf den Boden bringen zu können.

    Solche Videos lassen höchstens ein eigentlich sehr interessantes und schönes Hobby in einem albernen Licht da stehen.

    PS: Im Anflug die Nase hoch zu nehmen, weil man zu tief ist, ist die dümmste Idee überhaupt. Nase hoch = Geschwindigkeitsverlust = Strömungsabriss = Aufschlag 2 km vor der Bahn. Richtig wäre: Zu hoch –> Schub raus, zu tief —> Schub rein. Dem Ersteller des Videos scheinen selbst Grundlagen wie „Pitch is airspeed, power is altitude“ zu fehlen.

  3.   Oxys

    „von denen keiner so doof sich auch nur ansatzweise anzumaßen, einen Airliner in der Realität auf den Boden bringen zu können.“

    „Solche Videos lassen höchstens ein eigentlich sehr interessantes und schönes Hobby in einem albernen Licht da stehen.“

    – Aber für alle Fälle zeigt Kapitän Tim Morgan im Video, wie Sie ein Flugzeug sicher zu Boden bringen.

    Natürlich, ein Kapitän hat keine Ahnung wie man ein Flugzeug fliegt. Und das dieses Video nur für _Notfälle_ gemacht wurde wir auch gekonnt ignoriert.
    Hauptsache man kann sich empören und überlegen gegenüber jemand anders fühlen. Wie wär’s mal mit erwachsen werden?

  4.   PeterDoms

    Hätte der Herr es dabei belassen, einfach ein „Wen es interessiert: so ungefähr gehts“ Video zu machen, wäre ja alles gut gewesen. Daraus eine „Anleitung für den Notfall“ stricken zu wollen, ist einfach nur unprofessionell. Davon abgesehen:

    Erstens: Im „Notfall“ hat der Captain immer noch einen FO neben sich sitzen. Dass beide ausfallen, ist extremst unwahrscheinlich.
    Zweitens: Seit 9/11 kommt ein Passagier noch nicht mal mehr durch die Cockpittür, da diese seit dem verriegelt werden kann (Germanwings lässt grüßen) und muss. (Wer die Tür öffnen soll, wenn vorn alle außer Gefecht sind, bleibt das Geheimnis des Videoerstellers.)

    Drittens: Ein Flugzeug braucht Auftrieb (durch den Luftstrom über die Tragflächen). Im Sinkflug kommt ein Teil der Geschwindigkeit dafür von den Triebwerken, der Rest von der Gravitation. Nase hoch killt den Energieanteil der Gravitation und erzeugt außerdem durch den erhöhten Anstellwinkel mehr Luftwiderstand und damit eine zusätzliche Bremswirkung. Das Flugzeug wird langsamer. Langsamer heißt weniger Auftrieb. Weniger Auftrieb heißt, es geht schneller nach unten. Im schlimmsten Fall wird das Flugzeug so langsam, dass es gar nicht mehr fliegt, sondern fällt wie ein Stein.
    Mehr Schub heißt im Gegensatz dazu (erstmal) mehr Geschwindigkeit, was zu mehr Auftrieb führt und damit zu einer geringeren Sinkrate, bei genügend Dampf sogar zum Steigen. Oder was meinen Sie denn, weshalb ein Pilot beim Durchstarten „Vollgas“ gibt und nicht einfach nur die Nase hoch zieht?

    Sie können mich für unerwachsen halten so viel Sie wollen. Das ändert nix an den Gesetzen der Aerodynamik und der Physik.

  5.   beerwish

    Mich wundert in dem Video, wie früh der Autopilot ausgeschaltet und von Hand geflogen wurde. Genau dieser schwierigste Teil der Landung, das Steuern von Höhe, Geschwindigkeit und Richtung auf dem Anflug zum Aufsetzpunkt bekommt man beim ersten mal eigentlich nie hin. Aber genau das müsste der Autopilot übernehmen können.

    Vor vielen Jahren hatte ich einen A320-Simulator für den Amiga. Da wurde vor allem simuliert, wie man den Autopiloten in Verbindung mit Funkfeuern und dem automatischen Landesystem ILS nutzt. Die Funkfeuer braucht man nicht, wenn der Fluglotse einem immer den richtigen Kurs und die Geschwindigkeit angibt. Irgendwann ist man dann in der richtigen Höhe auf Kurs in Richtung Landebahn und dann reicht es die ILS-Funkfrequenz einzugeben und auf Automatik zu stellen. Das Flugzeug fliegt dann mit der gewünschten Geschwindigkeit wie auf Schienen bis zum Boden. Als Neuling hat man in der Zeit genug damit zu tun, die Landeklappen und das Fahrwerk auszufahren und die Geschwindigkeit richtig zu wählen. Im Handbuch des Simulators stand damals dass man nach dem Aufsetzen dann aber selber bremsen muss.

    Ohne ILS-Automatik halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass jemand ein Flugzeug im ersten Anflug von Hand und nur mit automatischer Geschwindigkeitsregelung, sauber zu Boden bringt. “Pitch is airspeed, power is altitude” gilt dann übrigens nicht mehr. Man steuert mit dem Steuerknüppel und die Automatik hält die Geschwindigkeit schön konstant auf dem gewünschten Wert.

  6.   Ganz witzig ...

    … aber in der Regel kommt man heute nicht mehr von außen ins Cockpit. Die entsprechende Tür muss von innen geöffnet werden.
    Mein Fluglehrer sagte immer: „In Bodennähe Schnauze runter“! Und wenn’s bockig ist und der Seitewind stark, ist eine Landung mit einem Big Bird auch ziemlich „sporty“ – erst recht für einen Laien.
    Trotzdem – ungeachtet der (möglichen oder unmöglichen) Adaptierbarkeit ins reale Leben – ein netter Beitrag, der hier die Geister anregt.

    Always happy landings ;-)
    Habitus

  7.   Con Sachs

    Warum macht Ihr sowas?
    Beim nächsten Unfall haben wir im Forum sofort wieder -zig selbsternannte Flugexperten. DFTT

  8.   PWeierstrass

    Auch ohne das Video anzusehen, weise ich auf die wichtigsten Probleme des „Wie lande ich als Passagier einen Jet?“ hin. Die Tipps führen bestenfalls zu einem rauchenden Krater in der Nähe des Flughafens. Andere Kommentatoren haben schon einiges vorweggenommen. Ich füge noch hinzu…

    1. Die psychische Belastung wird extrem sein. Man kann als Anfänger schlicht nicht die Flughöhe, das Tempo, den Anstellwinkel, die Stellung des Schubreglers, der Landeklappen und des Fahrwerks gleichzeitig überwachen. Ein Anfänger wird todsicher drei dieser Dinge vergesssen, während er sich schwitzend auf alle anderen „konzentriert“.

    2. Kurz vor dem Aufsetzen fliegt das Flugzeug mit rund 120 Knoten (222 km/h) so schnell, dass man eine 4000 Meter lange Landebahn in nur 64 Sekunden überflogen hat. Man hat, wenn ich sehr großzügig schätze, gerade mal ein 10 Sekunden großes Zeitfenster, um am richtigen Ort mit der halbwegs richtigen Geschwindigkeit aufzusetzen.

    3. Ein Flugzeug dieser Größe reagiert ziemlich träge. Man muss gut 20-30 Sekunden vorausdenken und überlegen, wie wieviel Energie das Flugzeug dann haben soll – und tatsächlich haben wird. Und Energie ist salopp gesagt Geschwindigkeit plus Flughöhe. Das Energiemanagement beginnt schon Minuten vor dem Aufsetzen.

    4. Wird jemals ein Passagier ein Flugzeug landen, wird er von der Flugsicherung aufgefordert, das Flugzeug mit dem Autopiloten zu steuern. Damit lässt sich die Geschwindigkeit, die Richtung und die Flughöhe fast idiotensicher einstellen. Mangels flugphysikalischen Kenntnissen traut man ihm nichts anderes zu. Die Landung wird dann mittels ILS-Kategorie III durchgeführt (vollautomatische Landung mittels Zweikanal-Autopiloten). Dies wird man über Funk Schritt für Schritt erklären.

    5. Von erschwerenden Umständen (Seitenwind, ein Ausfall eines Bordsystems…) will ich gar nicht zu schreiben beginnen.

  9.   6bb6

    Mein Vater, Jagdflieger im 2. Weltkrieg, sah das so: «Runter kommen sie immer.»

  10.   grabthars hammer

    Hallo, liebe ZON-Redaktion…

    Ist denn dieses Video mit Homeland Security, FAA und der TSA abgesprochen?