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Mach dich mal dünne!

 
Nicht nur für dicke Menschen kann es im Flugzeug ganz schön eng werden. © Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images
Nicht nur für dicke Menschen kann es im Flugzeug ganz schön eng werden. © Kirill Kudryavtsev/AFP/Getty Images

"Flugreisen sind eine Zumutung." Es gibt überraschend viele Menschen, die diesen Satz unterschreiben würden. Das liegt nicht nur an langen Warteschlangen vor Sicherheitschecks, modernen Ganzkörperscannern, langen Busfahrten vom Gate zum Flugzeug oder den Kämpfen um den letzten Stauraum für das Handgepäck. Die größte Zumutung auf Flugreisen ist das Engegefühl, das sich einstellt, wenn man endlich Platz genommen und den Gurt für die kommenden Flugstunden geschlossen hat: Wohin mit den Beinen, wohin mit den Armen, wohin mit dem ganzen eigenen Körper? Wie schön, wenn der Sitz neben einem frei bleibt. (Wie Sie das erreichen können, erfahren Sie übrigens hier.)

Was für schlanke Menschen eine Zumutung ist, wird für übergewichtige Menschen zur Qual. So auch für die Bloggerin und Twittererin, die sich Your Fat Friend nennt. In einem vielbeachteten Beitrag für Medium fasst sie zusammen, wie es sich anfühlt, immer diejenige im Flugzeug zu sein, bei der alle anderen Fluggäste Angst haben, dass sie sich neben sie setzen könnte.

In Filmen, Werbespots oder satirischen Fernsehsendungen werden übergewichtige Menschen in Flugzeugen als laut, raumgreifend, nervtötend und pausenlos essend gezeigt. Und dieser Stereotyp hat sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Das macht es für übergewichtige Flugreisende doppelt schwer: Da ist nicht nur die eigene Angst vor den Beschwerlichkeiten eines Fluges, sondern zusätzlich das viel belastendere Wissen um die kritischen Blicke der anderen Passagiere.

Doch auch Fluggesellschaften verweisen gerne auf die Probleme, die stark übergewichtige Passagiere verursachen. Kurzzeitig wurde sogar darüber debattiert, ob Übergewichtige dazu gezwungen werden können, zwei Tickets zu kaufen, um anderen Reisenden nicht allzu viel Platz wegzunehmen.

Vielleicht sollten wir uns lieber wieder vor Augen führen, was Solidarität in einem solchen Fall bedeuten kann. Die Bloggerin Your Fat Friend leistet ihren Beitrag zu einem besseren Verständnis der Problematik. Sie listet auf, mit welchen Widrigkeiten sich Übergewichtige auf Flugreisen auseinandersetzen müssen. Und wie sie selbst bei jedem Flug alles dafür tut, anderen Reisenden nicht zur Last zu fallen. Zum Beispiel wählt sie immer den Fensterplatz, um sich gegen die Flugzeugwand und weg von ihrem Sitznachbarn zu drücken.

So ist der Text vor allem ein Denkanstoß, der dazu auffordert, die Situation aus den Augen einer Betroffenen zu sehen.

Mehr Teilchen finden Sie hier.

35 Kommentare

  1.   Kappkeik

    Irrtum- Der Grund , weshalb sich andere Passagiere fürchten, dass sich ein sehr übergewichtiger Mensch neben einen setzt, ist keinem Werbespot und keiner Satire geschuldet, sondern Tatsachen: Ein stark übergewichtiger nimmt viel Platz ein. Mehr Platz, als der ihm per Sitz zugewiesene. Er verletzt mit seinem Körperumfang nun einmal Grenzen.
    Die Idee, sie zwei Sitze zahlen zu lassen, hat auch nichts mit „zuviel Platz wegnehmen“ zu tun, sondern den Umstand, dass man ab einem gewissen Übergewicht nun einmal 2 Sitze besetzt.

    Wenn die Bloggerin sich an das Fenster drückt und dies auch noch bloggt, so ist das vordergründig natürlich sehr aufopferungsvoll, tatsächlich aber widerspricht es aber der Aufopferung und „Solidarität“ demonstrativ darauf hinzuweisen, wie gut man doch mit seinen scheinbar benachteiligten Mitmenschen umgeht.

    Und wenn man „bei jedem Flug alles dafür (tun möchte), anderen Reisenden nicht zur Last zu fallen“ bietet es sich übrigens an, dafür zu sorgen, mit seinem Körper auf der eigenen Sitzplatzfläche zu verbleiben (ebenso wie gewaschen und mit frischen Kleidern zu reisen oder auf allzu starke Parfümierung zu verzichten).

    Weshalb Rücksicht und Solidarität Einbahnstraßen sein sollen und wieso Solidarität im Flieger neuerdings bedeuten soll, Fremde auf sich kleben zu lassen, kann vermutlich niemand so recht erklären.

  2.   Nozomi07

    Die Lösung wäre viel einfacher: Warum bieten die Fluggesellschaften nicht eine Klasse mit 50% mehr Platz für 50% mehr Geld an?

    Sie fürchten, damit die Business Class zu kannibalisieren. Der Fluggast in der Economy SOLL leiden, damit bei ihm der Wunsch entsteht, überteuerte Business-Tickets zu lösen. So begründete die Lufthansa ihre lange Weigerung eine Eco Plus einzuführen.

    Leider wird bei der Eco Plus wieder der gleiche gemacht: Da muss man wieder lauter Service und Luxus-Essen mitbezahlen – dabei will ich doch bloß die Beine ausstrecken!

  3.   Sikasuu

    Das Tarifsystem stimmt nicht!
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    Ticket für 1 Person und 20 Kg. Gepäck (was ja auch schon fast nicht mehr gibt) ist veraltet. 100Kg. per Ticket (Standardangebot), gleich wie verteilt. Darüber …. muss als Einzelpreis gerechnet werden? Ob man das Gepäck oder das Gepäck samt Pax wiegt bleibt wohl gleich. Auch hätte dan die Crew das wirkliche Ladevolumen in kg. und nicht mehr das geschätze wie heute!
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    Da Paxe ja HEUTE auch nicht viel besser als „empfindliche Luftfracht, nicht werfen hochkant einladen….“ behandelt werden, wäre das einen schlüssige faire Definition/Abrechnung.
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    Den Piloten interesseirt nur sein Gesamtgewicht (MTOW) danach rechnet er den Sprit, Start usw. Strecke)
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    Das reicht für gefühlt >90-95% aller Paxe.
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    Würde viel vereinfachen und niemand diskriminieren!
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    Gruss
    Sikasuu

  4.   CantHappenHere

    Man muss gar nicht übergewichtig sein, um viel Platz wegzunehmen. Es ist deshalb auch kein Disziplinproblem. Manchmal ist es einfach nur der Körperbau und die Genetik.

    Ich bin 1,97m groß. Für Männer untypisch habe ich, sportlich und schlank, eine sehr breite Hüfte und dazu auch noch einen vergleichsweise kurzen Oberkörper und daher umso längere Beine. Wenn ich im Billigflieger Platz nehme und meine Beine oft noch schräg zur Seite klappen muss, damit sie dem Vorsitzer nicht in den Rücken drücken, wird es eng. Die Lösung? Bei Easyjet kann man z.B. die Plätze an den Notausstiegsluken über den Tragflächen kostenpflichtig dazubuchen (nicht sehr teuer), das habe ich zuletzt auch einige Male gemacht. So viel Solidarität von meiner Seite ist da. Gleichzeitig erwarte ich, dass, sollte ein solcher Platz mal nicht mehr buchbar sein, sich Mitreisende in einem Billigflieger nicht beschweren, wenn ich dann halt mehr als 50% der Sitzlehne o.ä. in Anspruch nehme. Wer eine gewisse Garantie auf reichlich Platz haben will, muss halt Business Class fliegen.

  5.   EchnaTron

    Hm, na ich weiß ja nicht. Ich selbst bin übergewichtig und daran selbst schuld. Ich finde, da kann ich nicht in jeder Lage von anderen Erwarten, Verständnis für meine Situation und die Widrigkeiten aufzubringen, die ich als dicker Mensch erleiden muss. Schließlich könnte ich diese (mehr oder weniger) leicht vermeiden indem ich abnehme. Ja, nicht in jedem Fall ist es so leicht getan wie gesagt, das ist mir klar, aber ein großer Teil Übergewichtiger ist sicher an der eigenen Körperfülle spätestens ab einem gewissen Punkt selbst verantwortlich. Und ich finde, da ist es dann schon etwas schwer, die Opferrolle mitbeanspruchen zu wollen.

  6.   Daniel Zurbi

    Da habe ich nicht wirklich viel Mitleid. Wenn ich ein Problem habe oder ein Handicap, dann stelle ich mich nicht als Held dar nur weil ich nicht rücksichtslos bin und andere damit behindere. Vor allem wenn das Handicap selbst verschuldet ist. Klar, manchmal ist es genetisch bedingt, manchmal ist es eine Krankheit, aber manchmal ist es auch eben einfach eine Folge des eigenen Lebensstils und der eigenen Entscheidungen. Ganz klar: Wer mehr als einen Platz beansprucht soll auch mehr bezahlen! Die Solidarität derjenigen, die nicht übergewichtig sind, ist sowieso schon da, schliesslich muss der Übergewichtige nicht für sein Übergewicht bezahlen, auch wenn wir alle wissen wieviel es kostet, wenn wir ein paar Kilo mehr Gepäck mitnehmen.

  7.   Inga

    „Wer mehr als einen Platz beansprucht soll auch mehr bezahlen! “

    So ein blöder Spruch… Die Fluglinien sollten lieber darauf verpflichtet werden, für alle Reisenden ausreichend Platz anzubieten und sich nicht nur die 50-80% auszusuchen, die am kostengünstigsten zu verstauen sind. Egal ob lange Beine, breite Hüfte oder wirklich übergewichtig. Bei einigen Carriern kommen sich doch fast alle vor wie eine Sardine.

  8.   dingensda

    Na, hier sind ja wirklich echte Philantropen versammelt. Etwas unfreundlich wiedergegeben fordern hier einige, die Fettwänste sollten am besten daheimbleiben.

    Vernünftig und sinnvoll wäre es, am Normalmenschen maßzunehmen, wenn man Flugzeuge einrichtet. Und der Normalmensch kann eben nicht nur lange Beine haben, sondern oft hat er auch eine Wampe. Damit ist er gestraft genug.

    Mein Problem sind die langen Beine, wegen derer schon manche unfreundlichen Bus- und Bahnnachbarn richtig Krach mit mir gekriegt haben. Die Beine sind nunmal da, da hat der Nachbar einfach Pech gehabt. Im Gegenzug würde ich auch nie jemanden anschnauzen, weil er ein Fettwanst ist. Ich kenne eine Reihe sefr netter Fettwänste und schon Caesar sagte bekanntlich nicht, „lässt Hungerhaken im Senat neben mir sitzen“, sondern „lässt dicke Männer um mich sein.“

  9.   cedebe

    Toller Vorschlag, dass jeder für sein Gepäck samt Körpergewicht zahlen soll. Große Menschen werden so dreimal bestraft – mehr Länge macht mehr Gewicht, die Klamotten brauchen mehr Stoff, bedeutet mehr Gewicht. Und dann kann man nichh mal sitzen ohne blaue Knie, Armlehne in der Hüfte (ich spreche vom Hüftknochen, liebe Zwerge), Beule am Kopf, Rückenschaden beim aufstehen, Krampf in Unterschenkel nach einer Stunde eingeklemmter Beine.
    Manchmal würde ich echt gerne einen Themenpark bauen, der genau so im Maßstab verkleinert ist, dass die ganzen 0815-Heinis mal so richtig schön merken, welcher Spaß ihnen im Leben entgeht, wenn sie plötzlich nirgends mehr reinpassen.

  10.   claudiaE

    XL Seats auf allen Flügen würden das Problem theoretisch lösen. Praktisch habe ich während eines mehrstündigen Flugs einmal neben einer extrem Übergewichtigen gesessen, die nicht nur einen Teil meines Sitzplatzes beanspruchte, sondern ich den gesamten Flug auf Tuchfühlung mit ihr sein musste, während die XL Seats nicht besetzt waren.