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Die häufigsten Mythen über künstliche Intelligenz

 

Maschinen werden sich ihrer selbst bewusst, übernehmen die Kontrolle über die Welt und versuchen, die störenden Menschen endgültig auszulöschen. Von Terminator bis Matrix wird das Thema immer wieder in Filmen und Büchern aufgegriffen. Die Grundlage bleibt meist gleich: eine künstliche Superintelligenz, von Menschen geschaffen.

So weit sind wir noch nicht. Noch lange nicht. Zwar können Computer die Großmeister schon seit 20 Jahren im Schach besiegen, aber die Weltherrschaft ist noch fern. Jetzt rücken künstliche Intelligenz (KI) und die damit verbundenen Ängste in den Fokus der Öffentlichkeit: Die Software AlphaGo von Google besiegt den besten menschlichen Go-Spieler Lee Sedol in vier von fünf Spielen, Facebook schenkt mehreren Unis Hochleistungsserver, damit sie an der künstlichen Intelligenz forschen und IBM will intelligente Service-Roboter in Hotels einsetzen. Und plötzlich sind erstaunlich viele Journalisten KI-Experten oder halten sich dafür.

Die Website Gizmodo räumt vorsichtshalber mal mit den häufigsten Mythen um künstliche Intelligenz auf, die derzeit durch die Medien geistern. Darunter: "KI wird sich irgendwann ihrer selbst bewusst" oder "KI wird keine Fehler machen". Für den eindrücklichsten Effekt lassen Sie sich den Text von einem Sprachcomputer vorlesen, zum Beispiel von Google Translator.

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33 Kommentare

  1.   artefaktum

    Technik in seiner zukünftigen Entwicklung zu überschätzen ist so alt wie die Technikgeschichte selbst.

    Ende der 60’er sah man die Leute im Jahr 2000 Urlaub auf dem Mond machen. Bei der Entwicklung der KI wurde schon vor langer Zeit prophezeit, Computer könnten sämtliche(!) Text fehlerfrei von einer Sprache in eine andere übersetzen. Von beidem sind wir immer noch meilenweit entfernt.

  2.   Kdbinf

    Man sollte sich auch immer bewusst machen, dass derzeitige KI Systeme (der Name ist schon sehr irreführend) nie mit dem Ziel (oder Anspruch) entwickelt werden, dem Computer so etwas wie Bewusstsein einzuhauchen. In der Regel handelt es sich bei den meisten KI Systemen um „langweilige“ mathematische Regressionsberechnungen. Finde eine Funktion f die einen Menge von Vektoren auf eine andere Menge von Vektoren abbildet.
    Baut man sehr komplexe solcher Systeme und kombiniert sie mit anderen Methoden (z.B. Kombinatorik) bekommt man eben auch mal ein Programm, dass Go spielen kann. Aber nicht weil es selbstständig denken kann, sondern weil man ihm genau diesen Anwendungszweck beigebracht hat.

    Die großen „Gefahren“ von künstlicher Intelligenz gehen nicht davon aus, dass Computer sich selbstständig machen. Sie bestehen darin, dass man immer mehr dazu übergeht auf großen Datenmengen zu lernen und einen Computer Entscheidungen treffen zu lassen, die individuelle Schicksale betreffen. Es ist nicht mehr lange hin (bzw. teilweise schon so weit) das ein Personalbüro einen Computer befragt, welche Mitarbeiter er einstellen soll. Das gefährliche daran: Ein Computer diskriminiert. Genau dafür sind KI Systeme ausgelegt. Ein Computer kann nicht sexistisch oder rassistisch sein, aber er kann sehr wohl entscheiden, dass statistische Menschen besser für einen Job geeignet sind, die z.B. eine bestimmte politische Ausrichtung haben, einem bestimmten Geschlecht angehören oder sogar aufgrund der Hautfarbe. Diese statistischen Rückschlüsse mögen für den Einzelfall wiederum völlig fehlgeleitet sein.
    Computer kennen auch keine Solidarität. Sie mögen entscheiden, dass eine Person höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen muss, weil statistisch von ihr ein höheres Risiko ausgeht. Je mehr Daten wir ins Netz einspeisen (sei es von Facebook, aber auch zukünftig z.B. unser Genom) desto mehr Macht bekommen jene, die auf dieser Datenbasis lernen.

  3.   eichelhäher

    „KI wird keine Fehler machen“ – Dieser Satz stört mich am meisten. In der Vielzahl der Probleme, mit denen wir in unserem Leben konfrontiert werden, gibt es nur in seltenen Fällen ein klares „Richtig“ oder „Falsch“. Wir müssen uns in der Mehrzahl über ein „wieviel davon“ entscheiden. Und wie schwer das ist, erleben wir fast tagtäglich in der Politik.
    Wenn aber eine eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ fehlt, kann man auch Fehler nicht mehr klar identifizieren, höchsten im Nachhinein.
    Für Entscheidungen ist vielmehr Verantwortung gefragt. Ohne Verantwortung funktioniert keine freie Gesellschaft auf Dauer. Viele betreiben die hohe Kunst der Abwälzung von Verantwortung auf Andere. Vielleicht wird dieser Aspekt mit KI perfektioniert werden können. Aber wird KI jemals Verantwortung über nehmen können? Oder werden die Menschen, die der KI den Handlungsrahmen vorgeben, verantwortlich bleiben, auch für die Fehler, die daraus erwachsen können?

  4.   Romelias

    Man sollte die technische Entwicklung auch nicht unterschätzen.
    Wer hätte denn Ende der 60er Jahre gedacht, dass in unserer Zeit das Leben ohne Computer und Internet kaum noch vorstellbar ist!
    Ich bin sicher, dass z.B. die Roboter in einigen Jahrzehnten ebenfalls eine zentrale Rolle in unserem Leben einnehmen werden – auch als Dienstleister in vielen Bereichen (selbst in der Kranken- und Altenpflege).
    Und den lernenden Roboter gibt es schon heute. Natürlich wird er nicht immer fehlerfrei sein, denn dahinter steckt immer noch der fehlerhafte Mensch.

  5.   KimJonFun

    Obwohl KI in vielen dingen dem Menschen noch unterlegen ist, so werden doch ständig Fortschritte gemacht.
    Ich bin da zuversichtlich, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist.

  6.   petsiehm

    Wenn künstliche Intelligenz anfängt an Götter zu glauben ist es Zeit für mich die Erde zu verlassen!

    Habe hier irgendwo gelesen: „Wer hätte denn Ende der 60er Jahre gedacht, dass in unserer Zeit das Leben ohne Computer und Internet kaum noch vorstellbar ist!“

    Möchte noch hinzufügen: Wer hätte in der Steinzeit gedacht das wir heute ein Smartwach tragen würden.

  7.   The Physicist

    #4
    Ich sehe das sehr ähnlich wie in Kommentar 4. Die technologische Entwicklung in IT wird eher massiv unterschätzt. Getrieben von Moore’s Law läuft der Sektor seit vielen Jahren in einer mathematischen exponentiellen Wachstumskurve. Wer vor etwa 30 Jahren seine Schullaufbahn durchlaufen hat und damalige Highend Computer mit heutigen gängigen Smartphones vergleicht, weiß wovon ich rede. Ich glaube viele Menschen tendieren dazu vergangene Entwicklungen linear in die Zukunft zu extrahieren, was die zukünftigen Entwicklungssprünge massiv unterschätzt (siehe auch Ray Kurzweil’s Buch „The Singularity is Near“). Ich denke an der AI Front wird es in den nächsten 20 Jahren massive Entwicklungssprünge geben, was wir hier sehen ist eher der Anfang. Getrieben von IT wird es auch im Biomedical Sektor gravierende Umbrüche geben, da auch dieser Sektor in eine Exponentialkurve übergeht. Die Zukunft bleibt sehr spannend.

  8.   Grönländer

    Man sollte aber auch nie vergessen, das auch niemand weiss , warum „wir“ glauben ein Bewusstsein zu haben. Oder einen freien Willen.

    Solange wir das nicht wissen können wir gar nicht abschätzen, wann Maschinen auf die Idee kommen.

  9.   MiLa1202

    Ich kann mich den Kommentaren 4, 5 und 7 nur anschließen. Die Etnwicklungen in der Information(stechnik) wurden und werden immer noch unterschätzt (zumindest in Deutschland). Um das ein wenig zu verdeutlichen, ein paar bekannte Zitate:
    640 KB sollten genug für jedermann sein.
    Bill Gates, 1981
    Aber für was ist das gut?
    Ingenieur vom Advanced Computing Systems Division of IBM, 1968, zum Microchip
    Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.
    Thomas Watson, Vorsitzender von IBM, 1943

    Was AlphaGo und DeepMind geleistet haben, ist phänomenal. Vor allem, da es nicht um reine Rechenpower (brute force), wie früher bei DeepMind und dem Sieg 1997 gegen Kasparaow geht. AlphaGo ist eine selbstlernde Sofware, unter anderem basierend auf neuronalen Netzwerken. Die Bereiche sind unglaublich vielfältig, in denen man so eine Software einsetzen kann (Mustererkennung, Meteorologie, etc.). Wenn man sich jetzt vorstellen mag, dass wir so eine Software in 20-30 Jahren mit einem Quantencomputer nutzen, der millionfach schneller ist, als klassischen (CMOS)Systeme, so kann man das Potenzial nur erahnen. Zukunftmusik? Ja, aber die ersten QuBit-Systeme laufen, es gibt zumindest einen kommerziellen Rechner, der wahrscheinlich auf Quantenphänomen basiert (D-Wave) und viele Länder und Unternehmen investieren massiv, weil sie sich von diesen Technologien einen wirklichen „Quantensprung“ (nur bildlich, nicht tatsächlich so klein ;-) erwarten. Und Deutschland? Sitzt zum größten Teil abseits und schaut mehr oder weniger interessiert zu, was die anderen denn so machen….

  10.   Peter

    #7

    Und ich sehe es genau umgedreht.

    „Computer mit heutigen gängigen Smartphones vergleicht, weiß wovon ich rede“

    Genau das betrachte ich auch, und komme zu dem Schluss, dass es keine Innovationen gibt. Es ist einzig und allein der Fortschritt der Microprozessesoren-Technologie, die seit 50-70 Jahren linear die Größe und Energiebedarf für Datenverarbeitung und Speicher immer kleiner macht. Ein „Smartphone“ auf Fersehröhrenbasis hatte die Abmessungen einer Betriebshalle und brauchte ein eigenes Kraftwerk, Auf Transistorbasis „nur“ noch die Anmessungen einer Turnhalle, die PC-Platine von vor 15 Jahren passt heute auf die dünne Rückwand von einem 8 Zoll kleinen Bildschirm und nennt sich Smartphone. Die Prozesse sind die Gleichen, nur die Größe und vor allem der Energiebedarf worden kontinuirlich ums Millionenfache verringert, deshalb hat man nicht pro Graßstadt 2-3 „Rechenzentren“, sondern pro Person über Kindergartenalter.

    Neu sind nur Maus und das Scrollen mitr dem Finger.

    Die Computer sind genau so doof wie die Rechenzentren von damals. Kommen Sie einem Sprachcomputer witzig und werden merken, ob dieser Ihre Gednaken versteht. Erwachsene können im Beisein von Kleinkinder über Weihnachtsgeschenke sprechen, ohne das die Kinder das Thema mitktiegen. Abstraktes Denken kann eine Maschine, die nur schnell 1 plus 1 addiert, nicht. Und zu Intelligenz gehört auch Neugier und Antrieb, eine Maschine hat keinen inneren Antrieb, sondern erfüllt genau das, was der Erschaffer über die Software befohlen hat.