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Megacitys – Kraftzentrum und Risikofaktor

 
Megacities – Kraftzentrum und Risikofaktor
Die Megacities der Welt – und ihre wirtschaftliche Bedeutung. © Parag Khanna / Connectography

Die großen Städte ziehen die Menschen wie Magnete an – angelockt von Jobs, Kultur, aufregenden Partys. Städte versprechen noch immer Wohlstand – auch wenn Wohnraum immer teurer wird und es für Menschen, die Vollzeit als Krankenpfleger oder Supermarktkassiererin arbeiten, nahezu unmöglich ist, in einer Stadt wie München eine bezahlbare Wohnung zu finden. Für den indisch-amerikanischen Publizisten Parag Khanna folgt daraus: Nicht Länder und Nationen sind die dominanten Strukturen der Zukunft. Sondern Städte-Cluster – und ihre Verbindungen untereinander.

In seinem eben erschienenen Buch Connectography beschreibt Khanna den Wandel zu einer global vernetzten Wirtschaftsgesellschaft, in der Ländergrenzen und auch die Größe von Nationen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. "Connectivity matters", schreibt der Politikwissenschaftler in einem Beitrag für Quartz. Die seinem Buch entnommene Karte zeigt, wie stark die Wirtschaftskraft eines Landes von den Entwicklungen in einer einzigen Stadt (oder mehreren zu einer Wirtschaftszone verbundenen Städten) abhängt. In den USA erwirtschaften die Regionen Boston-New-York-Washington sowie Los Angeles zusammen etwa ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. London erzielt die Hälfte der britischen Wirtschaftsleistung.

Bis 2025 wird es mindestens 40 Megacitys wie etwa Mexiko Stadt geben, schreibt Khanna. Städte, die heute noch Hunderte Kilometer voneinander entfernt sind, werden zusammenwachsen. Das Ballungsgebiet von Chonqing (China) ist jetzt schon größer als Österreich. Vor allem in afrikanischen und asiatischen Staaten sind verhältnismäßig gut funktionierende Ballungszentren entstanden. Dort sind die Kommunalpolitiker froh, wenn sich die Regierung des Landes möglichst wenig in ihre Angelegenheiten einmischt.

Die Anziehungskraft der Megacitys hat natürlich auch Nachteile. Einige dieser Zentren – etwa Los Angeles, Istanbul, Tokio und Mexiko Stadt – liegen in hochgefährdeten Erdbebenregionen. Das Wuchern der gefährdeten Metropolen führe dazu, dass künftig jedes Jahr eine Million Menschen durch Erdbeben sterben könnten, warnt der Geologe Roger Bilham von der University of Colorado in Boulder.

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6 Kommentare

  1.   Donkeykong

    Super Beitrag!

  2.   Oops

    Nicht wenigstens am Rande den Herrn Krugman erwähnt? Schämt euch!

  3.   Karin Domig

    … zu denken geben sollte aber das Preis / Leistungs- Verhältnis zu Job und Wohnung (- wie beschrieben) das wird sicher ein Problem werden… vor allem wenn es darum geht, außerhalb wohnen zu müssen und innerhalb arbeite – da frage ich mich ob man auch die gewünschte Arbeitszeit zusammenbringt, wenn die Städte solchen Größenordnungen folgen werden…

  4.   Lily Maroon

    Hochinteressant! Macht Spass, das Politik-Studium so fortzusetzen.

  5.   Ignaz Wrobel

    Das chinesische Ballungsgebiet müsste richtig Chongqing heißen.
    重慶市 (Chóngqìng Shì): 重 (chóng) bedeutet etwa „erneut“, 慶 oder simplifiziert 庆 (qìng) etwa „feiern“ und 市 (shì) bedeutet „Stadt“.
    Laut dem englischen Wikipedia gab Zhao Dun der Stadt ihren Namen, nachdem er sowohl zum König als auch zum Kaiser Guangzong ernannt wurde.

  6.   Moritz

    Das Stadtgebiet von Chongqing ist nicht so groß wie Österreich und hat „nur“ etwa 7 Mio. Einwohner. Die Zahlen, auf die sie sich beziehen, sind das Verwaltungsgebiet Chongqing – eher ländlich, mit vielen Bergen und kleinen Dörfern – tatsächlich ein bisschen wie Österreich, aber auf keinen Fall Teil der Metropole Chongqing