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So kreativ lässt sich Facebooks Nippelverbot umgehen

 

 

So umgeht eine Kampagne das Nippelverbot auf Facebook
Screenshot aus dem Video #ManBoobs4Boobs ©MACMA

Was braucht es, um gegen die Richtlinien von Facebook zu verstoßen, ohne ein einziges Schimpfwort zu benutzen? Richtig, ein Foto von Brustwarzen. Genauer: weiblichen Brustwarzen. Diese Regel gilt zwar eigentlich für sexualisierte Inhalte, doch sie wird oft genug willkürlich angewandt.

Was schlimmer ist: Sie erschwert die öffentliche Arbeit von Organisationen wie Macma (Movimiento Ayuda Cáncer de Mama). Mit ihrem neuen Facebook-Aufklärungsvideo will die argentinische Brustkrebs-Selbsthilfegruppe auf  Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam machen. Vor dem Dreh stand sie vor einer Herausforderung: Wie lässt sich eine Anleitung zum Abtasten der Brüste möglichst realitätsgetreu zeigen – ohne vom weltgrößten sozialen Netzwerk zensiert zu werden?

Ganz einfach: man zeigt männliche Brüste. Im Clip tasten die Frauenhände vorsichtig das Brustgewebe ab, die Finger umkreisen den Warzenhof, suchen nach Anzeichen für Knoten und ungewöhnliche Schwellungen.

Ob diese Männerbrüste von Facebook bald als ähnlich "sexualisiert" empfunden werden wie die von Frauen ...?

 

Auch in Deutschland regte sich in den vergangenen Monaten Unmut über Facebooks Nippelpolitik: Die Aktion #NippelstattHetze hatte gezeigt, dass das soziale Netzwerk lieber Postings mit nackten Frauenoberkörpern blockte, als Hate-Speech-Kommentare zu entfernen. Aber immerhin sind laut Facebooks Community-Regeln "Fotos von nackten Skulpturen oder Familienfotos eines Kindes, das gestillt wird" erlaubt.

Lust auf weitere Video-Teilchen? Dann hier entlang!

Alle Netzfundstücke von ZEIT ONLINE finden Sie hier.

4 Kommentare

  1.   svante arrhenius

    “ “fundamentalistischen Christen” (kurz: Amerikaner, denn darum geht es – dort ist der Nippel ein Weltuntergang, aber Kriegstreiberei ein einträgliches Geschäft und erwünscht)“

    Lassen sie doch ihren billigen Antiamerikanismus stecken! Wenn in der Schweiz eine Aufklärungskampagne gegen AIDS/HIV Paare beim Liebesspiel zeigt – ohne dass auch nur Nippel zu sehen sind – läuft die christliche Lobby Sturm, werden Plakate zerstört. Google „Love Life“

    Dazu brauchen wir keine Amerikaner.

  2.   gdh

    Aus meiner Sicht wird das Problem dadurch verschärft, dass diverse Organisationen Facebook quase als Ersatz für die eigene Webseite benutzen.

    In meiner Stadt hingen Wahlplakate der CDU, auf der nur deren Facebook-Account genannt wurde, nicht die eigene Seite.

    Bislang halte ich es so, dass Anbieter, die ihre Inhalte nur bei Facebook einstellen, mich halt nicht erreichen. Gerade Behörden, politische Parteien, NGOs usw. sollten schon eine Kontrolle über die eigenen Inhalte behalten.
    Wer Facebook nutzen will, kann da ja Links zu den eigenen Inhalten verbreiten (oder meinetwegen Kopien). Komplett die eigene Web-Präsenz an so ein Unternehmen auszulagern, erscheint mir fahrlässig.

    Wieso Macma (Movimiento Ayuda Cáncer de Mama) nicht einfach bei Facebook einen Link „hier gibt es unser Video zur Brustkrebsuntersuchung“ postet, der auf die eigene Webseite zeigt, ist mir auch nicht recht nachvollziehbar.

  3.   Claudia Kranenburg

    @Thorn Thorem

    Das erklärt natürlich, warum gemeldete Beiträge stehen bleiben, in denen es, öffentlich, klar und deutlich darum geht, Asylsuchende zu überfahren, zu vergasen, Löcher in Schlauchboote zu schießen und Schlimmeres.

    Was in diversen „geschlossenen Gruppen“ abgeht, ist für einen normal denkenden Menschen kaum zu ertragen.

    Wenn also einflussreiche, fundamentalistische Christen dafür verantwortlich sind, dann ist das nachvollziehbar.

    Da Video jedenfalls ist eine gute Idee und sollte unbedingt geteilt werden. Weil es wichtig ist, junge und ältere Frauen immer wieder auf die Selbstuntersuchung hinzuweisen und weil es die Bigotterie der „fundamentalistischen Christen“ (kurz: Amerikaner, denn darum geht es – dort ist der Nippel ein Weltuntergang, aber Kriegstreiberei ein einträgliches Geschäft und erwünscht) zeigt.

  4.   Thorn Thorem

    Facebook wird als öffentlicher Raum wahrgenommen. Die Facebook Server gehören jedoch einem Unternehmen. Die eingestellten Daten übrigens auch. Facebook will nicht die Welt verbessern, sondern Geld mit den Daten der Benutzer verdienen. Facebook hat kein Eigeninteresse an Zensur, weil das die Daten reduziert. Das Nippelverbot entsteht nur der vorsichtigen Kosten- Nutzenabwägung, stattdessen die einflussreicheb, fundamentalistischen Christen gegen sich aufzubringen.
    Denken Sie das selbst zu Ende!