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Ein Flüchtlingsschicksal in vier Minuten

 

Flüchtlinge sehen wir vor allem in den Nachrichten. Wir lesen über sie im Internet. Ab und zu laufen wir an einem Flüchtlingsheim vorbei oder hören von Bekannten, die Kleider gespendet haben. Aber Kontakt zu Flüchtlingen haben nur wenige Menschen. Amnesty International möchte das ändern: Bei der Aktion #LookBeyondBorders hat die Menschenrechtsorganisation Flüchtlinge mit EU-Bürgern zusammengebracht – und sie sich gegenseitig tief in die Augen blicken lassen.

Im Video sitzen sich abwechselnd zwei fremde Menschen gegenüber – wie Lee aus Großbritannien und Mariam aus Syrien. Sie schauen einander an und dann wieder weg, sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Sollen sie schweigen? Oder versuchen, wenigstens zwei Sätze miteinander zu wechseln? Schließlich sprechen sie nicht dieselbe Sprache.

Sie entschließen sich fürs Schweigen. Nach ganzen vier Minuten ist das Experiment vorbei. Lee ist beeindruckt. "Als ich in ihre Augen schaute, habe ich versucht zu sehen, was sie mir über ihr Leben erzählen kann. Und ich denke, ich habe da sehr viele Erfahrungen gesehen." Bei anderen Paaren ist das Aufeinandertreffen noch bewegender. Tränen gibt es auf beiden Seiten.

Intensiver Augenkontakt über eine lange Zeit soll dazu führen, dass sich Menschen – egal in welchem Verhältnis sie zueinander stehen – näher kommen. Zumindest laut der Theorie, die der Psychologe Arthur Aron vor 20 Jahren populär gemacht hat. Die Teilnehmer des Experiments lassen keinen Zweifel daran, dass sie stimmen muss. Zwar werden Lee und Mariam vermutlich keine Freunde. Aber Fremde sind sie definitiv nicht mehr.

Übrigens: Die Aktion wurde von der polnischen Abteilung von Amnesty International umgesetzt. Ein klares Zeichen an die Regierung, die sich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen und Muslime gesellschaftlich ausgrenzt.

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1 Kommentar

  1.   Thomas Holm

    „von der polnischen Abteilung von Amnesty International … Ein klares Zeichen an die Regierung, die sich weigert, Flüchtlinge aufzunehmen und Muslime gesellschaftlich ausgrenzt“

    In Polen gibt es in der Tat Vorbehalte dagegen, sich von Deutschland die Reste von Völkern andienen zu lassen, die immerhin vermittels des östlichen Nachbarn Russland aufgelöst* werden.

    An den Wiegen von Weltkulturen und Friedens-Religionen übrigens.

    Das alles wird (zumindest für Polen!) nicht wirklich einfacher, wenn man sich nur fleißig weiter einredet, der Westen sei ja auch an allem Schuld.

    *Brecht: Regierung löst Volk auf ..

    Versuchen Sie es doch mal mit ein klein wenig Geschichtsbewusstsein.

    Kitsch ist kein Schicksal von Geburt an !