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Klimawandel

Wir sind die Bösen

 
Klimawandel? Schuldig!
© Science

Wer ist Schuld am Klimawandel? Ehrlich gesagt: Wir alle. Denn wir verbrauchen den Strom, das Öl und das Gas, was die Energiekonzerne uns liefern. Weil wir immer mehr davon nutzen, steigen auch die CO2-Emissionen. Nur wie soll man einen Schwarm aus Milliarden kleinen Klimasündern zur Verantwortung ziehen? Weil das nicht geht, hat sich ein Forscher aus den USA die Unternehmen vorgeknöpft, die weltweit das meiste Kohlendioxid ausstoßen. Das Science Magazine zeigt sie jetzt in einer beeindruckenden Grafik.

Mit seiner Arbeit macht sich Richard Heede eine Menge Feinde. Der Geologe und Klimaforscher hat über Jahre eine gigantische Datenbank angelegt, um zu veranschaulichen, wer die Urheber des globalen Klimawandels sind (Climate Change: Heede, 2014). Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Greenpeace. Er nennt die Firmen beim Namen, die das meiste Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre pusten. Das Treibhausgas braucht im Durchschnitt 120 Jahren, um wieder abgebaut zu werden. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) und macht den Großteil des vom Menschen zusätzlich verursachten Treibhauseffektes aus.

Heedes Datenanalyse zeigt: Fast zwei Drittel der von Menschen verursachten CO2-Emissionen gehen auf 90 Unternehmen zurück. Und es überrascht kaum, dass die Spitzenreiter Öl- und Gasriesen sind. Die acht Firmen an der Spitze seiner Liste sind allein für 20 Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich, darunter bekannte Namen wie ExxonMobil, Gazprom oder BP. Zusätzlich zu diesen Industrieabgasen gibt es eine ganze Reihe weiterer Quellen, aus denen CO2 in die Atmosphäre strömt (Landwirtschaft, Straßenverkehr, Waldbrände, Trockenlegung von Mooren). Im Ländervergleich liegt mittlerweile China an der Spitze der Klimasünder, gefolgt von den USA.

In einer interaktiven Grafik hat das Science Magazine die Daten veranschaulicht. Die Visualisierung zeigt die führenden Klimasünder seit 1885 bis zum Jahr 2013 und wie viel CO2 sie produzieren. Der Leser kann außerdem beobachten, wie sich die Emissionen über die Jahre gesteigert haben. Per Klick lässt sich die Grafik stoppen, um ein bestimmtes Jahr per Mouseover genau anzusehen.

Alles eine große Verschwörung?

Dass das Magazin die Daten jetzt, zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung, noch einmal aufgearbeitet hat, ist einem Gegner Heedes aus dem US-amerikanischen Repräsentantenhaus zu verdanken. Auch wenn dem die neue Aufmerksamkeit für die Ergebnisse nicht gefallen dürften: Lamar Smith gehört nämlich zu denjenigen, die behaupten, einen durch den Menschen verursachten Klimawandel gäbe es nicht. Er hatte Heede vor etwa einem Monat eine Gerichtsvorladung geschickt.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Weltraum und Technologie witterte eine Verschwörung, weil mehrere Generalstaatsanwälte in den USA begonnen hatten, gegen ExxonMobil zu ermitteln. Deren Vorwurf: Der Mineralölkonzern soll Zweifel über den Klimawandel gesät haben, obwohl selbst im Unternehmen arbeitende Wissenschaftler wussten, dass er stattfand. Smith unterstellte den Anwälten jedoch, mit Umweltschützern unter einer Decke zu stecken und wollte Einblick in jegliche Kommunikation zwischen beiden Seiten. Stattdessen bekam er aber nur Ärger vom Repräsentantenhaus – und die Arbeit von Heede noch mehr Beachtung.

50 Kommentare

  1.   cabardis

    Zitat: „Wer ist Schuld am Klimawandel? Ehrlich gesagt: Wir alle.“

    An der Stelle kann man sich das Weiterlesen sparen. Sicherlich verändern die Menschen das Klima durch ihre Emissionen. Verwerflich an solchen Artikeln ist nur, daß sie suggerieren, der Mensch könnte Klimaveränderungen aufhalten. Das ist nicht der Fall und die Erdgeschichte belegt das.

    Und heute habe ich irgendwo gelesen, daß ein unentdeckter Asteroid gerade an der Erde knapp vorbei geflogen ist. Wenn der eingeschlagen hätte … was wäre dann?

    Ich lebe im heute und jetzt und habe keine Lust mehr, mir von irgendwelchen halbseidenen Klimapropheten das Geld aus Tasche ziehen zu lassen.

  2.   Meerschwimmer

    Jeder Artikel, der das Thema CO2 Emission in Erinnerung ruft, ist ok. Am Diagramm von Heede ist der gewaltige Anstieg in den letzen 60 Jahren beeindruckend. Aber die Ölfirmen an den Pranger zu stellen, ist nicht zielführend: sie beliefern nur die Nachfrage, die wir haben und eben nicht genug senken. Man sollte sich klar machen, wofür in unserem Alltag das viele CO2 emittiert wird (https://de.wikipedia.org/wiki/CO2-Bilanz#/media/File:Grafik_internationaler_und_deutscher_CO2_Fußabdruck_vergleich.jpg), und jeder einzelne ist aufgefordert, den persönlichen CO2 Fussabdruck zu verkleinern.

  3.   mochiman

    @cabardis

    Wieso schreiben Sie nicht offen, dass Ihnen die Erde, andere Menschenleben und die Zukunft unserer Kinder vollkommen scheiss egal ist? Das wäre wenigstens ehrlich.

    Fakten scheinen Sie ja schließlich nicht zu interessieren. Sie würden wohl auch ein paar Leuten glauben, die Erde wäre eine Scheibe, auch alle anderen Wissenschaftler das gegenteil sagen.

  4.   Katzenpaul

    Was heißt hier „Geld aus der Tasche ziehen zu lassen“?

    Ein Fahrrad ist billiger als ein Auto. Vom Verzicht auf ständige Flugreisen ist auch noch keiner arm geworden. Energieeffiziente Geräte und ein ordentlich wärmegedämmtes Haus schonen langfristig den Geldbeutel.

    Ich weiß ja nicht, was Sie sich für Mist verkaufen lassen. Aber den ökologischen Fußabdruck zu verringern, bedeutet fast auch immer Geld zu sparen. Nur der Komfort leidet meist ein wenig. Das ist doch für die meisten der eigentliche Knackpunkt.

  5.   H. C. Reiter

    Sie sind ein großes Teil des Problems, cabardis.
    Es sind nicht bloß „irgendwelche Propheten“, die den anthropogenen Klimawandel bestätigen, sondern kontinuierlich bei bisherigen Umfragen zwischen 97% und 99% aller Klimaforscher. Das sind außergewöhnlich hohe Zustimmungswerte.

    Informieren Sie sich doch bitte richtig. Zum Beispiel hier:
    http://www.skepticalscience.com/

  6.   fotograph

    nein, ich bin nicht schuld am „Klimawandel“.

  7.   benz200d

    Den Klimawandel hauptsächlich auf nur einem Faktor wie CO2 zu reduzieren ist einfach nur peinliches Micky -Mouse -Niveau.
    Um die Schwachsinnsebene einfach mal zu verlassen stelle ich die Frage:
    Wieviele klimabeeinflussende Faktoren gibt es nach gängiger Meinung und wie beinflussen sie sich gegenseitig?

  8.   Wiilibald

    https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#/media/File:Komponenten_des_Strahlungsantriebs.svg

    Hier die wichtigen Faktoren, nach denen gefragt wurde. Inklusive angegebene Unsicherheitsbereiche, die werden durch die Forschung immer kleiner.
    Die Sonne hat man zB inzwischen sicher als marginalen Faktor einsortiert was die derzeitige Entwicklung angeht.

  9.   Wiilibald

    Eine ziemlich allgemeinverständliche Erklärung zu fast allem:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung

  10.   Wiilibald

    Um Benz200d direkt zu antworten:
    Alle anderen Faktoren wie Vulkane, Sonne, kosmische Strahlung, göttlicher Eingriff oä sind nicht relevant im Vergleich mit CO2, CH4, N2O und FCKW.
    Das ist inzwischen so klar, dass selbst Micky Maus Leser daran nicht vorbeischauen können. Die sind eigentlich gar nicht dumm, die Micky Maus Leser, nur relativ jung. Trotzdem können sie schon 1 und 2 zusammenzählen.