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Hier wird die Rhetorik von Norbert Hofer seziert

 

Politiker der FPÖ beschweren sich oft und gerne über die schlechte Behandlung durch Journalisten. Man werde schlecht dargestellt und geschnitten. Und auch in Interviews werde man stets unterbrochen – viel häufiger als andere. Diese Vorwürfe befeuern die Skepsis vieler Wähler gegenüber Medien und lassen die Rechten enger zusammenrücken. Einer der gewieftesten Rhetoriker der Freiheitlichen ist der Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, einst selbst Seminartrainer für "Crash-Rhetorik" und NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), ein Kommunikationsmodell, mit dessen Hilfe der Gesprächspartner manipuliert werden soll.

Vergangene Woche war Hofer zu Gast in der ORF-Sendung Report. Wieder bemühte er sein ganzes Repertoire, um die Interviewerin, die Journalistin Susanne Schnabl, wie eine garstige und unvorbereitete Fragestellerin aussehen zu lassen. Hans Kirchmeyr, der für das Medienwatchblog Kobuk schreibt, hat sich das Interview angesehen und kommentiert besonders auffällige Passagen.

"Darf ich antworten?", fragt Norbert Hofer an einer Stelle und suggeriert, er sei rüde unterbrochen worden. In Wahrheit war es anders: Er selbst hatte zuvor mit einer Gegenfrage geantwortet, auf die die Moderatorin reagieren musste.

An einer anderen Stelle unterstellt Norbert Hofer der Moderatorin, sie würde Briefwahl und Wahlkarten verwechseln. Das falsche Argument wird wiederholt, immer und immer wieder. Die ursprüngliche Frage hat der Zuseher bis dahin längst vergessen.

"Man könnte sagen, Norbert Hofer weicht einer unangenehmen Frage nicht aus, er zerstört sie", sagt Hans Kirchmeyer.

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Einige Autoren dieses Blogs

15 Kommentare

  1.   TGfkaTRichter

    Etwas ähnliches konnte man hier bei gestern bei Maischberger sehen, als eine Frau Petry jeder Frage, die sich auf rechtsradikale in ihrer Partei bezog, komplett ausgewichen ist.

  2.   delphi oder so

    Könnte das nicht jemand mit viel Zeit auch mal mit Petry, Gaulang, Höcke und Konsorten machen, wenn die in den Talkshows mal wieder gefühlt die Hälfte der Zeit reden und trotzdem jammern, dass sie nicht zu Worte kommen

  3.   Peter Weins

    Inhaltslehre Rhetorik, das Markenzeichen der zeitgenössischen Variante des Nationalsozialismus. Dazu gehört ein reales Problem, z.B. den menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen, zu einer existenzbedrohenden Krise aufzublasen und sich für die in Angst vereinten als einzig wahre Heilsbringer anzubiedern.

  4.   Radschlag

    Manche sind ja auf einem Auge blind
    oder bekommen durch ihr individuell eingestelltes Internet
    nur „Infos“ und „Nachrichten“, von denen ihr persönliches vorsortierendes Internet weiß, dass sie dem Empfänger der Botschaft gefallen.
    Sonst würden sie merken, dass rhetorische Tricks allgemein auf allen Seiten verbreitet sind.
    Gerade Politiker und Leute in der „freien Wirtschaft“, die nicht so tolle Programme, Ideen und Sprechtalent haben, besuchen gern mal Rhetorik-Seminare.
    Manchmal ist es lustig, wenn Leute sehr, sehr ähnlich betonen oder „seltene“ Wörter wählen und ich ins Fantasieren komme, ob die beim gleichen Rhetorik-Kurs-Leiter waren.
    Wie gelegentlich behauptet von mir: Form kommt vor Inhalt
    (speziell, wenn keiner da ist).

    Mit Wörtern kann man den Gegner ja auch „töten“:
    wenn man nicht mit ihm diskutieren mag,
    erklärt man ihn z. B. für krank,
    dichtet ihm eine „Phobie“ an.

  5.   dackel im sturm

    Präsidentenstadl , „WischmasterAl“ gegen „RealBitchNorb“ – es ist nicht alles gold, was klebt .. truth shall set you free !!

  6.   Sinowi Borisytsch

    Billiges FPÖ-Bashing.

  7.   Ritterrippo

    Man kann sich das ganze Interview natürlich auch ansehen. Dann stellt man im 1. Falle fest, dass Norbert Hofer eine sog. rethorische Frage gestellt hatte, um dann zu antworten. Die Interviewerin hat Herrn Hofer also unterbrochen, ohne dass ein Grund bestanden hat. Im 2. Fall hat sie ihn wiederum nicht ausreden lassen. Hofer wollte erklären, dass nach dem alten Wahlgesetz jeder Wahlberechtigte nach entsprechendem Antrag seine Wahlkarte in ganz Österreich hätte einwerfen können. Sie wäre dann in einem anderen Bezirk gezählt worden. Bei der Briefwahl wird der Stimmzettel in das zutreffende Wahllokal adressiert. Das könnte Herr Hofer dann später, nach einer 3. unsachlichen Unterbrechung erklären. Danke für diesen investigativen Journalismus.

  8.   lyriost

    Ich könnte dazu etwas sagen, aber ihr hört mir ja doch nicht zu. In ähnlichen Fällen hab ich was gesagt, aber …

  9.   Benutzernamexxx

    Super Video. Genauso müssten sich die übrigen Parteien die AFD vornehmen.

  10.   4 8 15 16 23 42

    ++ Einer der gewieftesten Rhetoriker der Freiheitlichen ist der Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, … ++

    Setzen Sie doch bitte den Begriff Freiheitlichen in Anführungszeichen!
    Hofer bzw. seine FPÖ ist strammreaktionär mit klaren Anklängen zum Rechtsradikalismus, die sich z.B. in der Weigerung zeigen, den Austrofaschismus (also die Ösi-Diktatur bevor Hitler sein Geburtsland 1938 heim ins Reich holte) als verbrecherisches Unrechtsregime anzuerkennen.
    Ein freiheitliches Weltbild ist das genaue Gegenteil davon!