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Fakefollower lieben Hans-Christian Ströbele

 
Social Bots lieben Hans-Christian Ströbele
Screenshot aus der Analyse von Johannes Hausen, erschienen auf VICE Motherboard

Sie manipulieren, spamen, attackieren: Fakeprofile und Social Bots verzerren die Realität und das Meinungsbild in sozialen Netzwerken. Dabei geht es teilweise um fragwürdige Geschäftsmodelle, aber auch um politische Agitation. Beobachten ließ sich das zuletzt vor allem im US-Wahlkampf. aber auch in Deutschland spielt das Thema eine Rolle. Eine Datenanalyse von Johannes Hausen auf VICE Motherboard Deutschland zeigt, dass sich Social Bots im großem Stil unter die Twitter-Follower von deutschen Politikern gemischt haben.

Besonders beliebt sind demnach die Grünen Hans-Christian Ströbele und Katrin Göring-Eckardt. Der Analyse zufolge handelt es sich bei 60 Prozent der 15.000 neuesten Follower von Ströbele um potenzielle Fakeprofile oder Bots. Ähnlich gestalten sich die Zahlen bei Göring-Eckardt. Auf dem dritten Platz folgt CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit 56 Prozent. Politiker von CSU und der AfD sind dagegen deutlich weniger betroffen: AfD-Chefin Frauke Petry etwa liegt mit knapp 16 Prozent auf Platz 16.

Allerdings muss die Methodik der Erhebung zumindest kritisch hinterfragt werden. Für die Analyse wurden die jeweils 15.000 neuesten Follower der Politiker extrahiert. Als mutmaßliche Bots oder Fakeprofile gelten in der Analyse alle Twitter-Konten, die 30 oder mehr anderen Twitter-Nutzern folgen, selbst aber keine oder kaum Follower haben. Ein solches Followers-to-Friends-Verhältnis ist in Studien als belastbares Indiz für Social Bots und Fakeprofile identifiziert worden. Auf der anderen Seiten existieren allerdings auch Studien, die belegen, dass gerade auf Twitter viele Nutzer bloße Listener sind – also in erster Linie bei vielen Konten mitlesen und selbst aufgrund fehlender Interaktion kaum Follower haben.

Makellos ist das Vorgehen also nicht, die Tendenz aber dürfte stimmen. Doch wozu das Ganze? Über den Zweck der vielen Fakefollower kann nur gemutmaßt werden. "Sie sehen sehr stark nach einer Bot-Armee aus, die sich jetzt erstmal nur mit den großen Accounts wichtiger Politiker und Parteien vernetzt, damit sie später, sobald sie Reputation aufgebaut haben, mit inhaltlichen Postings und dem Beeinflussen von Trends [auf Twitter] loslegen können", zitiert Motherboard den Hamburger Blogger und Politikberater Martin Fuchs.

Weitere Fundstücke aus dem Netz gibt es im Teilchen-Blog.

14 Kommentare

  1.   AGB akzeptiert

    Die AfD-Bots werden ihn wohl nicht lieben.
    Ich übrigens auch nicht, aber wenigstens ist er auf der richtigen Seite.

  2.   Zitruspflanze

    Naja nach den genannten Regeln wäre mein Twitter-Profil auch ein Social Bot

  3.   Schnurre64

    Auch in den Foren scheint es sich bei manchen wechselseitig hochschaukelnden Kommentaren um „Social-Bot-Duelle“ zu handeln. Ist mal so eine Vermutung.

  4.   Burts

    Schon allein dieser unsinnigen Einteilung wegen, was ein Bot ist taugt das doch kaum was.
    Es steht ja auch im Artikel, dass es sehr viele Listener gibt. Das sind Journalisten.

    Ich hatte es schon anderswo geschrieben, Twitter ist eine O-Ton Schleuder für Politiker und Journalisten (auch von Blogs usw.). Politiker lieben es wenn sie ihre Statments herausposaunen können ohne auf Journalisten warten zu müssen, die ihnen gnädigerweise ein Mikro unter die Nase halten.
    Journalisten lieben Twitter weil sie so den tollen O-Ton von allem Möglichen ohne sich bewegen zu müssen direkt auf dem Smartphone haben. Journalisten veröffentlichen aber kaum auf Twitter, sie wollen ja in der Zeitung, dem Blog usw. gelesen werden und suchen/pflegen nur dort Follower.
    Ich finde so eine Studie völlig wertlos wenn schon die Grundannahme (wer sind Bot) so zweifelhaft ist.
    Und Follower bedeutet ja nicht Fans.

  5.   dth

    Die Tendenz dürfte aber stimmen? Warum dürfte sie das? Ein wissenschaftlich denkender Mensche bekommt doch das kalte Grausen bei solchen Aussagen.
    Nur weil irgendeine Studie, vermutlich mit ähnlich fragwürdigen Methoden, irgendwo mal diesen Zusammenhang gezeigt hat, kann man das nicht als Grundlage für eine neue Studie nehmen. Zumal man davon ausgehen kann, dass sich diese Bots erheblich weiterentwickeln.
    Diese Studie hat also exakt keinerlei Aussage. Es ist genau so plausibel, dass die AfD-Follower auf Twitter einfach aktiver sind, als die anderer Parteien, schließlich ist das ja auch eine neue und gerade recht aktive Bewegung.

    Man sollte nicht solche Artikel schreiben, und sich später daran stören, dass irgend welche Populisten wie Trump faktenfreie Aussagen zu ihrer Wahlkampfstrategie machen.

  6.   Mr. awesome

    „Fakefollower lieben Hans-Christian Ströbele“

    Verstehe ich nicht ganz. Hat der Herr Stöbele also nun für einen Teil seine Follower bezahlt? So wie man das von c-Promis kennt. Oder ist sowas ausgeschlossen?

  7.   AllesKeinProblem

    Hier haben sich im Forum ja schon ein paar Leute beschwert darüber, dass der Artikel ach so faktenlos argumentieren würde und keinerlei sinnvolle Informationen enthält.

    Als „wissenschaftlich denkender Mensch“, wie einer meinte, könnte man darauf kommen, dass man den Blog-Beitrag als das einordnet, was es ist: nämlich als Blog-Beitrag dessen Sinn darin besteht, auf ein interessantes Fundstück im Internet hinzuweisen.

    Wenn man denn tatsächlich Interesse an dem Thema hat und nicht einfach nur Bock darauf, den Autor des Blogs ein bisschen runter zu putzen, könnte man sich ja dieses Fundstück mal im Detail anschauen und nachsehen, ob dort vielleicht die Fragen beantwortet werden, die man in den Raum stellt.

    Es ist ein Elend der heutigen Zeit, dass gerade im Netz immer wieder Leute rumgeistern, die einen Anspruch auf maximale Faulheit und Ignoranz wie eine heilige Reliquie vor sich her tragen und jeden verdammen, der diesem Anspruch nicht folgen mag und alles auf einem Silbertablett serviert, vorzugsweise auf den Knien.

    Die Analyse von VICE wirkt ziemlich stichhaltig und legt nahe, dass die dargestellten Zahlen tatsächlich noch viel zu freundlich sind und es noch viel übler aussieht. Man muss sich ja nur mal anschauen, mit was für einem Tempo selbst bei der Zeit inhaltsleere Kommentare mehr Empfehlungen sammeln, als überhaupt andere Kommentare da sind.

    Das Problem mit Bots wird m.E. nicht ansatzweise ernst genug genommen. Gerade in Zeiten, da Populisten die Stimmung im Netz als Argumentation dafür hernehmen, dass sie angeblich das Volk hinter sich hätten, müsste man da viel mehr investieren um solche Programme zu identifizieren und vorzugsweise die Urheber bloßzustellen.

    Solche Analysen sind ein erster Ansatz. Aber da muss noch viel mehr passieren und ich würde mir noch mehr Aufklärung über das Wirken solcher Bots wünschen. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen sich von der Meinung im Netz manipulieren lassen, weil sie gar keinen Plan davon haben, was dort für Möglichkeiten genutzt werden.

  8.   Mainte

    Das scheint mir wenig schlüssig – Twitter hat sich in Deutschland nie richtig durchgesetzt – da gibt es viele Leute, die nur Folgen aber fast nie selbst posten und dann auch keine Follower haben

  9.   Eco1

    Ich verstehe die Definition von bots nicht. Normale Menschen haben nicht so viele Bekannte und Verwandte, so dass weniger als 30 aktive Kontakte gu möglich sind.
    Wenn man aber halbwegs politisch interessiert ist, dann bezieht man sehr schnell sehr viele Nachrichten aus diesem Bereich und folgt (insbesondere vor Wahlen), auch diesem oder jenem Politiker.
    Natürlich kann ich auch Menschen für Meinungsmache bezahlen und hier denke ich, dass getroffene Hunde bellen. Alle diese Farbrevolutionen sind auch das Ergebnis von bots. Wird man nicht zugeben, aber wie hysterisch man jetzt über die (angeblichen) bots von AfD und Trump spricht legt diesen Schluss auf alle Fälle nahe.

  10.   robert wegner

    > damit sie später, sobald sie Reputation aufgebaut haben, mit inhaltlichen Postings und dem Beeinflussen von Trends [auf Twitter] loslegen können“

    Daraus folgt, das es wahrscheinlich Bots gesteuert vom politischen Gegner sein könnten. Denn wenn ich politische Botschaften zu verbreiten haben, möchte ich ja eine Zielguppe, die nicht eh schon meiner Meinung ist.