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Mondbogen

Die seltensten Regenbogen der Welt erscheinen nachts

 

Unter den Regenbogen ist der Mondbogen das Phantom. Kaum jemand bekommt ihn je zu Gesicht, denn er scheint nur an wenigen Orten. Wenn man ihn dann schließlich doch gefunden hat und ein Erinnerungsfoto knipsen will, erlebt man eine Überraschung. Statt des Mondbogens findet man auf dem Schnappschuss nur einen gewöhnlichen Regenbogen. Der Mondbogen lässt sich nicht fotografieren. Jedenfalls nicht so, wie wir ihn sehen.

Mondbogen sind nämlich anders als die farbenprächtigen Regenbogen: Sie sind weiß. Das liegt aber nicht an einem optischen Himmelsphänomen, sondern an der menschlichen Anatomie. Da Mondbogen nur in äußerst dunklen Gegenden sichtbar sind, erblickt das Auge die seltenen Spektakel nur per Nachtsicht. Das heißt, dass statt der farblich versierten Zäpfchen die monochromatischen Stäbchen auf der Netzhaut aktiv sind. Die Farbwahrnehmung ist dadurch so stark reduziert, dass der Mondbogen weiß erscheint. Tatsächlich jedoch ist er bunt, wie die Fotos aus dem Beitrag der BBC beweisen.

Doch wie entsteht ein Mondbogen? Eigentlich genauso wie ein gewöhnlicher Regenbogen. Feine Wassertröpfchen brechen das weiße Licht mit seinen vielen Wellenlängen auf. Es entsteht das bekannte Farbspektrum. Nur gibt es nachts statt des vollen Sonnenlichts lediglich den viel schwächeren Mondschein, eine Reflexion der Sonnenstrahlung an der hellen Mondoberfläche. Mondbogen leuchten dadurch bedeutend weniger stark.

Deswegen sind die meisten Mondbogen bei Vollmond zu sehen, wenn die Reflexion des Sonnenlichts am größten ist. Trotzdem wird man nicht laufend auf Mondbogen treffen, wenn es bei Vollmond einmal regnet. Lichtverschmutzung und unbeständige Wetterbedingungen gefährden das Spektakel. So sind die Mondbogen nur an entlegenen Plätzen zu finden, an denen die richtigen Bedingungen aufeinandertreffen: sehr viel Wasser, eine konstante Gischt, wenig Wind, der richtige Einstrahlwinkel für das Mondlicht und sehr, sehr wenig Lichtverschmutzung.

Die Victoriafälle in Simbabwe, die Skógafossfälle in Island oder die Cumberlandfälle im US-Staat Kentucky sind solche Orte. Hier wirbeln die Wassermassen genügend Gischt auf, die dank der hohen Felswände rund um den Wasserfall geschützt ist und stabil bleibt. Nur dort lassen sich die seltenen Mondbogen bei klarem Himmel und einem tief stehenden Vollmond mit größerer Wahrscheinlichkeit beobachten. Zumindest manchmal.

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6 Kommentare

  1.   stolzaufnix

    Also ich habe dieses Phänomen tatsächlich gesehen und auch fotografiert!
    Das Bild ist zwar mit PHS aufgepeppt, aber kein Regenbogen hinzugefügt.

  2.   dth

    @stolzaufnix Naja die Aussage „lässt sich nicht fotografieren“ ist natürlich physikalisch falsch, wie im Artikel auch klar wird. Der Mensch sieht in dem Bereich nur monochromatisch, heutige Kameras können aber noch Farbbilder aufnehmen. Man muss halt einen passenden Filter danach drüberlegen, um das wieder auszugleichen.

  3.   Axcoatl

    Na ja, und rein praktisch genügt dazu nur ein dunkler Ort und ein Wasserschlauch, mit dem Mond im Rücken. Praktisch gesehen. Vor einem Wasserfall ist das natürlich spannender.

  4.   oannes

    Hab ich auf Gomera gesehen, und der war – auch um 4 h morgens – bunt!

  5.   meerwind7

    Auf den Photos sieht der mittlere, gelbe Teil besonders hell aus, ob das auch bei Aufnahmen von Sonnen-Regenbogen so aussieht, oder der Färbung des Mondes geschuldet ist, weiß ich aber nicht. Letzteres würde jedenfalls zusätzlich erklären, warum man (häufig) nur einen einfarbigen Bogen sieht, dann wäre es allerdings der mittlere Teil und der Mondbogen wäre schmaler.