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Ein Hausaufgabenheft für Donald Trump

 
Ein Hausaufgabenheft für Donald Trump
© Screenshot: New York Times

Make America great again: Mit diesem Slogan will Donald Trump alle Konflikte Amerikas lösen – das zumindest hat der US-Präsident seinen Wählern versprochen. Doch welche nationalen und internationalen Konflikte treiben die Amerikaner wirklich um? Welche Sorgen und Nöte quälen sie? Was ist in ihren Augen die größte Herausforderung, vor der ihr Land derzeit steht?

Genau diese Frage stellt das Umfrageinstitut Gallup den Amerikanern seit der Präsidentschaft Franklin D. Roosevelts. Seit Mitte der 1930er Jahre gibt es also eine Art Hausaufgabenheft für die Verantwortlichen in Washington, im Weißen Haus, im Kongress und vor allem für den Mann, der im Oval Office am Schreibtisch sitzt. Die New York Times hat die Ergebnisse der Gallup-Frage per Grafiken und Zeitleiste visualisiert. Der Blick zurück erzählt eine Menge über die Verfasstheit der Amerikaner und die Geschichte des Landes.

Vergleicht man etwa die Lage der Nation im Februar 2017, also kurz nach der Amtsübernahme von Trump, mit der im Februar 2009, als der Demokrat Barack Obama seine erste Amtszeit als Präsident angetreten hat, fällt auf: Die persönliche wirtschaftliche Lage der Amerikaner hat sich offensichtlich gebessert. Die Themen Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Armut, Ungleichheit und Lohngerechtigkeit stehen nicht mehr im Fokus – ganz im Gegensatz zur Zeit vor acht Jahren, als die Bürger Angst um ihre Jobs, um ihr Einkommen und um die ökonomische Zukunft des Landes hatten. Kein Wunder, denn die USA waren damals direkt von der Banken- in eine Wirtschaftskrise gerutscht.

© Screenshot: New York Times

Ansonsten gleicht das Tableau Anfang dieses Jahres dem vom Januar 2001: Die innenpolitischen Themen überwiegen.

© Screenshot: New York Times

Vor 16 Jahren waren es der moralische Verfall der Gesellschaft, Kriminalität und Bildung, die die Bevölkerung umtrieben. Aktuell sind es Fragen der Einwanderung, die Unzufriedenheit mit der Regierung und die Spaltung der Gesellschaft – Themen, die Donald Trump zugleich besetzt als auch schürt.

Vor allem ein innergesellschaftliches Thema ist wieder so stark in den Mittelpunkt gerückt wie seit den 1960er Jahren nicht mehr: Bürgerrechte und das Verhältnis der schwarzen und weißen Bevölkerung.

© Screenshot: New York Times

Zwar verlangt die Frage der Rassentrennung längst nicht so drängend nach einer Lösung wie etwa im März 1965 oder auch im Januar 1969 – zu Zeiten der Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon. Doch dass dieses Thema überhaupt wieder als Problem angesehen wird, sollte ein Alarmzeichen für die Trump-Administration sein.


Einige Autoren dieses Blogs

12 Kommentare

  1.   Gutmensch1995

    Da scheint sich ein Muster abzuzeichnen:

    Die Demokraten, die Partei der immer vorgeworfen wird wirtschaftlichen Unsinn zu verzapfen, scheinen das Land zum wiederholten Mal in guter Verfassung an einen republikanischen Nachfolger zu übergeben!

    Wenn man sich den wirtschaftsplan der Republikaner anguckt scheinen diese aber erneut die Fehler zu machen, die 2001 von einem Haushaltsüberschuss zu einem Defizit geführt hat.

  2.   Salamandrina

    Ich empfinde seit Jahren, egal um wen es sich handelt, ob ich ihn mag oder nicht, die Hausaufgaben Metapher in den Medien als extrem despektierlich.

    Als wenn es hier darum geht die Bedingungen eines Lehrers zu erfüllen, auf dessen Seite sich der jenige Stellt der die Hausaufgaben einforderte.

    Politik ist, gewissenhaft betrieben ein hartes Geschäft. Politiker mit Schulkindern gleich zu setzen ist aber so was von daneben.

  3.   eineralleine

    Vergleicht man die Grafiken der verschiedenen Jahre, erkennt man, wie sinnfrei die Einteilung in „Economy“, „domestic“ und „international“ ist.
    Aber die Farben sind schön.

  4.   Reza Rosenbaum

    @Salamandria #2 Gut gebruellt, Loewe. Die Debattenkultur verroht zunehmend. Auf allen Seiten. Das Aufgeben von Hausaufgaben an einen Politiker zeugt von einem hohen Mass an Arroganz auf Seiten des verfassenden Journalisten und der solche Artikel veroefentlichenden Zeitung. Diese Art von paternalistischer Ueberheblichkeit seitens der Presse ist leider sehr verbreitet, gerade in Deutschland. Ein Grund, warum der Presse mehr und mehr die Glaubwuerdigkeit verloren geht. Zum Schaden aller. Und nicht zuletzt zum Schaden der Demokratie. Die entsprechenden Journalisten sehen das natuerlich anders. Die glauben ernsthaft, dass sie mehr verstanden haben als andere, und dass die Welt besser waere, wenn man dieses heilbringende Wissen nur den Leuten (z.B. DJT oder „dem Waehler“) verklickern koennte. Dass die meisten Menschen heute lieber selbst entscheiden, was ihre Meinung ist, und auf diese Art des Paternalismus‘ eher allergisch reagieren, ist anscheinend noch nicht durchgesickert. Die Presse entmachtet sich gerade selbst. Mit jedem Artikel, der auf dieser Welle schwimmt, ein bisschen mehr.

  5.   Graf Bobby

    Wir leben nicht in einer Umfragendemokratie.

    Wer Umfragen bestellt und bezahlt, der bekommt auch die Ergebnisse wie bestellt.

    Was haben wir nicht alles schon an Umfragen über Trump gelesen.
    Inzwischen werden, um gefällige Resultate zu erzielen, die Ergebnisse schon derart komplex aufgeschlüsselt, dass man vorher einen Analysekurs buchen muss um überhaupt noch folgen zu können.

    Das färbt allerdings die Realität nur rosa ein, ändert sie aber nicht.

    Einen recht aufschlussreichen Artikel über Meinungsforscher und Trump habe ich hier gefunden:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/wie-beliebt-ist-trump-wirklich-14900577.html

  6.   Knaake

    So wie ich Trump einschätze, hat er die in 5 Sekunden erledigt: In wirklich großen Buchstaben f**k you drauf schreiben; fertig.

  7.   Knaake

    @Graf Bobby: Wirklich interessant; erinnert mich etwas an die Bild Zeitung die niemand liest… Danke!

  8.   Fliehwatüt

    Ich finde, das die Aktuelle Grafik von Gallup schon die aktuelle Problemlage in den USA beschreibt. Und die hat DT auch teilweise aufgegriffen. Die USA haben große Probleme im eigenen Land und der „American way of Life “ funktioniert schon lange nicht mehr. Nur weil der „Falsche (DT)“ oft das Richtige sagt, wird es nicht deswegen falsch. Und ob es jetzt Hausaufgaben (Metapher) oder sonstwas heißt ist doch nicht wichtig. Und gleich wieder zu unterstellen, das die Medien die Politik beeinflussen wollen. Ja, natürlich wollen sie auch das, und Umfragen spielen bei den Politikern und auch bei DT eine große Rolle. Das ist halt so!

  9.   wulewuu

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Donald Trump um diese Kästchengrafik schert. Er zieht „sein Ding“ durch, eine knallharte Politik zur Verfestigung der ungehemmten Geldvermehrung für die Klasse der Superreichen, der amerikanischen Großkonzerne, Großbanken und zur Verfestigung des Militär- und Geheimdienstapparats. Dagegen wird das „einfache Volk“ mit viel Geschick dahingegen manipuliert, dass es meint, die Politik des Präsidenten sei zu seinem Wohl. Nichts Neues auf dem Kapitol ausgenommen eines neuen, vulgären Äußeren.

  10.   orkilla

    Sieht so aus, als treibe man vor jeder Wahl eine andere Sau durchs Dorf.

    Für mich ist – Dissatisfaction with government – die Konstante.
    Die Demokraten wollten dem Wähler weismachen, sie könnten Probleme lösen.
    Die Republikaner sind da schon immer anderer Meinung. Zu recht.