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Alles Blindfische? Von wegen!

 

Fische haben trübe Aussichten – unter Wasser schaut es sich schlecht. Welch Offenbarung also, als einige von ihnen vor rund 400 Millionen Jahren lernten, an der Oberfläche zu sehen! Weil ihre Augen mit der Zeit größer wurden und von den Kopfseiten nach oben wanderten, sei ihnen der evolutionäre Sprung aus dem Wasser ans Land gelungen. Davon zumindest sind Evolutionsbiologen aus Chicago überzeugt (PNAS: MacIver at al., 2017).

In einem Comicvideo erzählen sie die Geschichte ihrer Buena-Vista-Theorie. Und die eines gierigen Fisches, den es an Land trieb, um fürstlich Speisen zu können.Um ihre Theorie zu stützen, haben Lars Schmitz und seine Kollegen Fossilien analysiert. Sie vermaßen die Augenhöhlen von versteinerten Fischen, frühen Landwirbeltieren und Übergangsformen. Das Ergebnis: "Beim Übergang vom Wasser an Land hat sich die Größe der Augen fast verdreifacht", sagt Schmitz, der an den Claremont Colleges in Los Angeles arbeitet.

Mit ihnen habe sich bis zu 70-mal weiter schauen lassen als bisher. Tausendfüßler und andere saftige Happen seien ins Blickfeld geraten – was einen Landgang attraktiv gemacht habe. "Als die Fische ihre Beute sehen konnten, lohnte es sich, Beine zu entwickeln", sagt Schmitz. Seine Theorie ist eine von vielen. Weitere Belege dafür gibt es nicht.

Weitere Netzfundstücke von ZEIT ONLINE gibt's im Teilchen-Blog.


4 Kommentare

  1.   mmm2017

    Ich habe selten einen Beitrag mit dermaßen vielen Fehlern gelesen. Im Video und im Text wird so getan als wäre Evolution zielgerichtet und/oder bewusst gesteuert. LOL

    Dass Claudia Ruby (eine Biologin!) das folgende nicht scharf kritisiert, finde ich komplett unverständlich: „Als die Fische ihre Beute sehen konnten, lohnte es sich, Beine zu entwickeln.“
    Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Praktisch nichts in diesem Video ist korrekt. Es ist echt peinlich.

    Mir ist auch bisher nicht aufgefallen, dass Reptilien oder Amphibien sonderlich intelligent wären, obwohl sie an Land leben.

    Und wenn es für diese „Theorie“ (wenn überhaupt dann wohl eher ‚Hypothese‘) keine weiteren Belege gibt als diesen Schwachsinn, dann frage ich mich wie Frau Ruby auf die Idee kam diesen Mist auch noch weiter zu verbreiten.

    Mann, Mann, Mann, das Niveau hier!

  2.   riurja

    Offenbar fand sie es reizend und wollte es (mit)teilen. Man ist hier weder zum Nachvollziehen angehalten noch dazu, es gut zu finden. Das ist ein Blog, falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten. Ein Biologe ist übrigens jemand, der als Biologe arbeitet oder dies bis zum Ruhestand tat, eigentlich nicht so schwer. Steht so vermutlich auch im Duden.

    Wirklich inspirieren tut es mich auch nicht, ich bin Fisch und kurzsichtig dazu, aber das wusste ich schon und Tausendfüßer (ein Duden-Biologe würde das ohne ‚l‘ schreiben) und ähnlich „saftige“ Happen verschmerze ich leicht, und gern. Als viel eingehender und zumindest intuitiv wärmer empfand ich immer die – wenn man so will – Pendants nach Muster der sog. Wasseraffen-Hypothese:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wasseraffen-Theorie

    Zwar ist das exakt so belastbar wie Frau Rubys Favorit, aber es bleibt doch recht unstrittig, dass einige der gerade „aquatisch“ anmutenden Traces uns nicht zuletzt von anderen Primaten differenzieren und davon einige offensichtlich – und mind. – so sehr zu unserem (evol.) Vorteil. Dazu würde ich übrigens insb. Charakteristika zählen, die in obig verlinktem Artikel (glaube ich) nicht zur Sprache kommen, wohl auch weil streitbarer. Und das sind sozial-/kognitive Aspekte, betrifft hier nur eben mehr Meeressäuger als Fische. Jedenfalls ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass wir sowohl in puncto Sozialverhalten wie auch betr. der Ausprägung von Neugier, Spieltrieb und Kreativität in mancher Hinsicht mehr mit Delfinen teilen und anderen Walen, als selbst mit Schimpansen. Im Grunde verblüffend genug.

    Hier geht es aber um ein ganz anderes Zeitfenster und die Vorfahren heutiger Meeressäuger haben bekanntlich selbst bereits eine terrestrische Vergangenheit, weshalb sie einen entspr. „Boost“ wohl wieder mitgenommen hätten. Und heute vielleicht deshalb mit den etwas einfältigen* Haien noch jeden Schabernack treiben können.

    (*) as if.

  3.   stiip

    @mmm2017: Die „teleologische“ Formulierung ist unter Biolog(inn)en vermutlich eher eine Kurzschreibweise für den bekannten evolutionären Mechanismus, kein Plädoyer für ID.

    @riura: Interessant, aber allzu verblüffend finde ich das nicht. Ich vermute eher Konvergenz als gemeinsame genetische Merkmale, die zur Ausprägung von Kreativität, Neugier und „spielerischem“ Verhalten führten.

  4.   mmm2017

    @riurja:
    Mir ist sehr wohl aufgefallen, dass es sich hier um ein Blog handelt. Mir ist auch klar, was ein Biologe ist. Ihren herablassenden Tonfall können Sie sich sonstwohin stecken.

    Ich finde es im Übrigen ganz und gar nicht reizend, wenn die Evolutionstheorie falsch dargestellt wird und das ist hier der Fall. Es gibt genug Menschen, die das falsch verstehen. Da sollte eine Biologin, die es wahrlich besser wissen müsste (Sowas lernt man ja wohl im Biologie-Studium, nicht?), nicht auch noch zu beitragen. Wäre sie Physikerin oder was weiß ich, könnte ich es ja noch verstehen, aber so?

    Nur weil das hier ein Blog ist, heißt das nicht, dass man irgendwelchen Unsinn posten sollte, und wenn er noch so „reizend“ ist. Insbesondere dann, wenn dadurch schon vorhandene falsche Vorstellungen in der Bevölkerung bestärkt werden. Das finde ich verantwortungslos.

    Ich streite nicht ab, dass Säugetiere intelligenter sind als Fische. Das war aber auch nicht die Aussage. Die Behauptung war, dass Tiere an Land besser sehen können und dadurch eine größere Intelligenz entwickeln. Wenn das stimmen würde, sollten aber Amphibien, die ursprünglichen Landwirbeltiere, auch eine höhere Intelligenz als Fische an den Tag legen. Oder auch Reptilien. Und das sehe ich nicht. Sie?

    Sie erwähnen Meeressäuger, also Wale und Delfine. Diese sind intelligenter als die meisten Landsäugetiere. Und das, obwohl sie unter Wasser leben und wohl dementsprechend schlechte Augen haben. Sehen Sie den Widerspruch zur Hypothese des Artikels?

    @stiip:
    Ich finde es gar keine gute Idee „teleologische“ Kurzschreibweisen, die wenn überhaupt nur Biologen verständlich sind, in populärwisschenschaftlichen Texten zu verwenden. Das ist sehr irreführend. Falls es denn überhaupt unter Biologen so gemacht wird, was ich bezweifle. Allerdings kenne ich keine Biologen, also wer weiß.

    Wie dem auch sei, in diesem Fall ist es definitiv falsch. Denn was soll denn hier der „bekannte“ evolutionäre Mechanismus sein? Fische entwickeln keine Beine, nur damit sie hundert oder tausend Generationen später an Land jagen können. Das ergibt keinen Sinn. So lang der Fisch im Wasser lebt, sind Beine (und Augen, die für ein Leben an Land angepasst sind) hinderlich und würden sich nie durchsetzen. Denn der Fisch muss ja unter Wasser überleben. Die ganze Argumentation ist also komplett verkehrtherum.

    Ist zwar auf Englisch aber hier ist eine vernünftige Darstellung der Evolution der Landwirbeltiere:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Evolution_of_tetrapods