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Angriff beim Dessert

 

Als ungewöhnlich könnte man die bisherige Präsidentschaft von Donald Trump wohl bezeichnen. Daher wundert es kaum noch, dass er den Start für seine bislang wichtigste außenpolitische Entscheidung offenbar aus dem Bauch heraus traf – einem satten Bauch: "Wir saßen am Tisch, hatten gerade das Abendessen beendet und waren nun beim Dessert. Und wir hatten das wunderschönste Stück Schokoladenkuchen, das Sie je gesehen haben", schwärmt Trump im TV-Sender Fox Business. Mit "wir" meint er sich und den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, der in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida zu Gast war.

In diese entspannte Atmosphäre geriet die Nachricht seiner Generäle, dass die US-Kriegsschiffe im Mittelmeer auf Position und die Marschflugkörper für einen Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee abschussbereit seien. "Was macht man da? Wir haben entschieden, den Angriff zu starten, also wurden die Raketen abgeschossen", sagt Donald Trump. Das teilte er auch seinem Gast mit: "Und ich sagte: Herr Präsident, lassen Sie mich Ihnen etwas erklären – das war beim Dessert – wir haben gerade 59 Raketen abgefeuert."

Er schweift kurz ab, schwadroniert darüber, wie unglaublich toll die USA und ihr Waffenarsenal doch seien. ("All of them hit by the way, so incredible, it's brilliant, it's genius.") Dann kommt er – offenbar noch völlig berauscht von der militärischen Stärke der USA – zurück zum Thema. "Also ich sage, wir haben gerade 59 Raketen in Richtung Irak abgefeuert." Die Moderatorin unterbricht ihn und sagt: "In Richtung Syrien." Der Präsident wirkt kurz irritiert, bevor er sich korrigiert: "Ja, in Richtung Syrien und ich sage, ich wollte, dass Sie das wissen."

Xi habe zehn Sekunden innegehalten und den Übersetzer gebeten, das Gesagte noch einmal zu wiederholen. "Ich dachte, das wäre ein schlechtes Zeichen", so Trump. Doch dann habe Xi gesagt, dass es als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasanschlag auf den Ort Chan Scheichun in Ordnung sei. "Es war okay für ihn. Er war einverstanden."


Einige Autoren dieses Blogs

30 Kommentare

  1.   merman2

    Mit seinem Angriffsbefehl beim Schokoladebkuchen hat Trump sich Zustimmung und Anerkennung bei PolitikerInnen und Medien der westlichen Wertegemeinschaft erworben. Bis dahin hat die Befürchtung, dass er auf Frieden und Verständigung umschwenken könnte, eiskalte Ablehnung und ununterbrochene Kritik aus diesen Kreisen bewirkt. Aber nun ist alles gut. Er bombt und schießt. Zuverlässig. Wie sein(e) Vorgänger.
    Alles wird gut.

  2.   PortofSecrets

    Tod und kulinarischen Genuss wusste schon Hannibal Lecter meisterhaft zu vereinen. Der Trump bekommt langsam Stil.

  3.   Oilenspiegel

    Nein, das ist nicht nur der dumme, gemeine Trump, der sich aufbläst, das ist nahezu die Hälfte Mordamerikas, die das so will. Er spricht ihnen aus dem Herzen und er erregt sich dabei sichtlich.

  4.   Abgeklärter Traumtänzer

    „Also ich sage, wir haben gerade 59 Raketen in Richtung Irak abgefeuert.“ Die Moderatorin unterbricht ihn und sagt: „In Richtung Syrien.“ Der Präsident wirkt kurz irritiert, bevor er sich korrigiert: „Ja, in Richtung Syrien (…)”

    Einfach mal so Menschen töten.
    Irak, Syren, sch***egal.
    Beim Schokoladenkuchen essen.

    Mein Herz weint in Wut, Trauer und Verzweiflung.

  5.   Moritz.Grattke

    Einfach nur krank ist dieser Mann. Offensichtlich wird die Welt zurzeit tatsächlich von sehr vielen Verrückten geleitet. Arme Menschheit.

  6.   Cougar65

    …Konfuzius soll einmal sinngemäß gesagt haben, das Verachtung nur auf denjenigen zurückfällt, von dem sie ausgeht. Nicht auch nur annähernd mit ethischen oder moralischen Ansätzen zu vereinbaren ist dieses „guck mal, ich hab den Größten und kann, während ich fürstlich speise, eben diesen irgendwo reinstecken.“ Da prahlt einer mit seiner Unzulänglichkeit in Empathie und macht sich damit so richtig klein. Einfach nur ekelhaft und abstoßend, dieser „Präsident“. Traurig, dass sowas auch noch Sympathisanten hat. Da kann sich die These nur folgerichtig anschließen: die teilen wohl sein bedauernswertes Schicksal. Viel schlimmer ist da nur noch die Anzahl von Betroffenen.

  7.   reinerk

    Wenn man diesen Artikel aud sein merit liest, kann man sich nicht dem Eindruck entziehen: finden diesen Präsidenten keinen Präsidenten denn er versteckt sich nicht diplomatisch wie unsere Politiker!
    Die Frage wann und wie die Entscheidung getroffen wurde kommt nicht zur Sprache, sondern hier wird nur der Knopfdruck besprochen. Und dann ‚versteckt‘ sich dieser Präsident nicht in political correctness.
    Glückwunsch! PC is dead with this Präsident!

  8.   AGB akzeptiert

    unfassbar, ich hoffen beim nächsten mal bombardiert er das Weisse Haus. Scheinbar scheint es ja egal zu sein, was getroffen wird.

  9.   Physikerin100

    @SonoIo, krass, danke!

  10.   eichelhäher

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Preisgabe derartiger Details – mit Xi beim Schokoladendessert und wie dieser reagiert hat – bei Begegnungen mit ranghöchsten Vertretern anderer Länder mit Wohlwollen gesehen wird. Außenpolitik verträgt nunmal keine Unberechenbarkeit und Überraschungsmomente.
    Zudem glaube ich, dass es auf dieser Welt keinen angesehenen Staatslenker gibt, der sich damit brüsten würde, eine derart heikle Entscheidung bei einem wohlschmeckenden Dessert getroffen zu haben.