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Angst ist ein Politikum

 

Ein junger Mann tritt eine Frau in einem Berliner U-Bahnhof die Treppe herunter. Wer solche brutalen Bilder sieht, dem kann es schon mulmig werden. Aber würden wir so weit gehen, zu sagen, dass Deutschland nicht sicher ist? Wie die Berichterstattung über Gewalt und die Aussagen von Politikern unser Sicherheitsgefühl beeinflussen, beschreibt ein Video des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots funk.

Politiker sagen immer wieder, dass wir in Deutschland ein Problem haben. Er sagt das. Er auch. Und er sowieso. Okay, es ist Wahlkampf. Aber trotzdem macht das etwas mit den Menschen. Das ist zumindest die These von funk-Reporterin Eva Schulz. Sie hat Menschen auf der Straße befragt und erfahren, dass die Menschen eigentlich ganz anders denken. Sorgen Kameras wirklich dafür, dass wir uns sicherer fühlen? Oder bewirken sie das Gegenteil? Die Bilder, die sie produzieren, gehen uns nicht mehr aus dem Kopf und führen erst dazu, dass wir uns fürchten. Und die Politiker, die uns mehr Sicherheit versprechen, müssen uns erst einmal Angst machen, damit ihre Ankündigungen bei uns wirken.

So ist das Video auch ein Plädoyer gegen den Ausbau der Videoüberwachung. Und dafür, genau hinzuschauen, mit welchen Themen Politiker auf Stimmenfang gehen.

Weitere Netzfundstücke gibt's im Teilchen-Blog.

7 Kommentare

  1.   Betta-Splendens

    Also gilt die Devise „aus den Augen aus dem Sinn“? Wenn es keine Kameras gibt die die Taten filmen, nicht über die Taten berichtet wird und die Politiker nicht darüber reden – dann fühlen wir uns sicher und alle sind glücklich?

    Sinnvoller wäre es wohl die Anzahl und Schwere der Taten zu ermitteln. Und dann aus der Analyse abzuleiten welche Maßnahmen sinnvoll sind. An welchen Orten gibt es viele Taten und an welchen wenige und weshalb der Unterschied. Wer begeht die Taten und warum usw.

    Und wenn dann Videoüberwachung als sinnvolle Maßnahme erscheint dann wird sie eben eingesetzt. Selbst wenn sie nur die Aufklärung der Taten erleichtert ist damit ja schon etwas erreicht.

  2.   Talano68

    Es gibt nichts das eine Verrückten davon abhält jemanden die Treppe runter zu treten?
    1.Also die beiden gewltätigen Videos habe ich in diesem Beitrag zum ersten mal gesehen. Ich schaue mir so etwas nämlich nicht an, nun wurde ich ohne Warnung darauf gestossen. So viel zum Thema Manipulation durch Angst.
    2. Wurden beide Täter aufgrund der Videos überführt. Das ist schon mal besser, als sie kämen ungestraft davon.
    3. Bei denen dürfte die Hemmung so etwas nochmal zu machen, deutlicht gestiegen sein. Und auch ein paar andere Idioten, denek den vllt. doch 2 Sekunden nach und lassen es dann.
    Sicher nicht alle, aber die hohe Wahrscheinlichkeit, für die Tat zur Verantwortung gezogen zu werden dürfte durchaus eine Rolle spielen.

  3.   psychologic

    „Ok, eigentlich fühlen wir uns in Deutschland ziemlich safe. Warum ist innere Sicherheit dann immer wieder so ein riesen Wahlkampfthema?“

    …sagt die Frau im Film, nachdem eine gestellte Befragung von Passanten gezeigt wird.

    Der Haken daran: Es stimmt nicht. Unterschiedliche Befragungen zeigen, dass sich das Gefühl der persönlichen Bedrohung auf einem Höhepunkt befindet.
    Was macht es für einen Sinn, diese Fakten auszublenden?

  4.   Tokon

    Aber die These ist doch, dass das „Gefühl der persönlichen Bedrohung“ erst durch die Angstpolitik auf Höchstwerte steigt.

  5.   Fisch67

    Angst machen seitens der Politik ist nicht nötig. Als gelegentlicher Bahnfahrer schätze ich es sehr, dass Bahnhöfe per Video überwacht werden und in der Umgebung mittlerweile auch häufiger die Polizei anzutreffen ist.

    Auch abseits der Bahnhöfe gibt es m.M.n. genug Gegenden, wo ein Ausbau derartiger Massnahmen wünschenswert wäre, wobei ich hier nur von Berlin und Köln reden kann.

  6.   Erdenmond

    Man darf Problemfelder weiter bearbeiten ohne das man davor Angst hat. Überwachung hat auch viel mit neuen Möglichkeiten zu tun, so wie es in anderen Bereichen Fortschritte gibt die man nutzt (zB Verkehrssicherheit), so kann man dies auch im öffentlichen Raum nutzen.
    Auch gilt es neue negative kriminelle Erscheinungen im Keim zu ersticken, auch wenn sie statistisch noch leicht zu verharmlosen sind. Weil es die effektivste Möglichkeit ist. Vorsorge isi nicht automatisch angstgesteuert, da reicht einem die Logik um sie zu betreiben.

  7.   Claustrum

    Hmm,

    mal ganz pragmatisch: Videoüberwachung kann keine Straftat verhindern, sonst wäre Tugce Albayrak noch am Leben!
    Gleichzeitig sind wir alle in der Lage unser Leben durchgängig als Videobeweis abzuliefern – manche tun dies, bei jedem Biss in einen Burger…
    Für mich stellt sich eher eine andere Frage – die pervers klingt – aber eben die Perversion unseres Zusammenlebens darstellt: Wer soll dies ganze Überwachung eigentlich zahlen?
    Noch dümmer frage ich mal nach, warum dass hier hauptsächlich bezugsbildende Video nur für facebook-Nutzer zugänglich ist….?