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Lüftet ein Foto das Geheimnis der verschollenen Flugzeugpilotin Amelia Earhart?

 

Es wäre eine Sensation: Die Flugpionierin Amelia Earhart wollte als erste Frau die Welt umrunden. Doch ihr Flugzeug verschwand am 2. Juli 1937 vom Radar, und das weltweite Rätselraten um ihr Schicksal begann. Nun wurde ein Archivbild entdeckt, das belegen könnte, dass die Amerikanerin den Crash im Pazifik überlebt hat.

Das verpixelte Foto könnte Earhart und ihren Navigator Fred Noonan an einem Dock zeigen – möglicherweise auf den Marshallinseln. Im Hintergrund ist ein japanisches Schiff zu sehen, das Earharts Flugzeug geladen haben soll. Gefunden wurde das Archivmaterial von den Machern einer Dokumentarsendung, die der US-Sender History am 9. Juli unter dem Titel "Amelia Earhart: The Lost Evidence" ausstrahlt.

Das Geheimnis der verschollenen Flugzeugpilotin Amelia Earhart

© NY Daily News Archive via Getty Images

Sie sind überzeugt, die Pilotin sei auf ihrem letzten Flug nicht ums Leben gekommen. Vielmehr seien sie und ihr Navigator von japanischen Streitkräften nach dem Absturz gefangen genommen worden. Starb die Luftfahrt-Ikone in japanischer Gefangenschaft? CNN zufolge ist diese Theorie nicht neu. Sie bestätigt Augenzeugenberichte, wonach Noonan auf den Marshallinseln gesehen worden ist. Dazu passen auch Spekulationen um Metallstücke, die 2014 gefunden worden sind und die von Earharts Flugzeug stammen könnten.

"Das verändert die Geschichte", sagte Shawn Henry dem People-Magazin. Für die Dokumentation untersuchte der frühere leitende FBI-Mitarbeiter zusammen mit einem Rechercheteam verschiedene Beweisstücke, darunter auch das Archivbild.

© Les Kinney/National Archives – Grafik © people.com

Andere Experten wiederum glauben, dass das Foto nur eine weitere von vielen Theorien um Earharts Verschwinden ist. Dorothy Cochrane, Kuratorin im Smithsonian National Air and Space Museum, sagte CNN: "Ich verurteile die Menschen nicht dafür, dass sie wissen möchten, was passiert ist. Ihre Geschichte ist eines der größten Mysterien des 20. Jahrhunderts, weil sie so bekannt war." Gleicher Meinung ist Ric Gillespie. "Es gibt ein so großes Interesse an Amelia Earhart, dass die Leute sogar über ein so lächerliches Foto sprechen", sagte der Autor von Finding Amelia dem Guardian.

Die Entdeckung eines Bloggers aus Japan bringt die Glaubwürdigkeit des Fotos in Verruf. Demnach soll das Bild bereits 1935 veröffentlicht worden sein – zwei Jahre vor Earharts Verschwinden, wie National Geographic berichtet. Blogger Kota Yamano hatte das Foto nach eigenen Angaben in einem japanischen Reisebericht über die Marshallinseln gefunden.

Unabhängig davon, ob das Foto wirklich Amelia Earhart zeigt oder nicht und wann es letztlich aufgenommen wurde, spekuliert wird nun aufs Neue. In den USA ist die Pilotin ein Mythos, ihre Geschichte füllt Bücher und ist Futter für so manche Verschwörungstheorie.

Für Earhart galt Fliegen als Waffe gegen die Diskriminierung von Frauen. 1925 gründete sie mit den Ninety-Nines eine Vereinigung von Pilotinnen, die heute zu den größten der Welt zählt. Spätestens aber 1928, nachdem sie in 20 Stunden in einem Flugzeug den Atlantik überquerte – damals noch als Passagierin –, wurde sie als Heldin gefeiert. Sie wurde zur "Frau des Jahres" gewählt und galt seither vielen Amerikanerinnen als Idol.

Nur vier Jahre später gelang ihr der große Coup: Als erste Frau flog sie allein über den Atlantischen Ozean. Doch damit nicht genug. Earhart setzte sich zum Ziel, die Erde zu umrunden – mit tragischen Folgen. Am 2. Juli 1937 verscholl die Pilotin im Pazifik. Ihr Verschwinden löste die bis dahin größte Suchaktion in der US-Luftfahrt aus, erfolglos. 1939 wurde Amelia Earhart für tot erklärt. Obwohl etliche Suchaktionen folgten, konnte ihr Flugzeug bis heute nicht gefunden werden. Und das Rätselraten geht weiter.


18 Kommentare

  1.   NotHereNorThere

    Für alle, die sich für Amelia Earhart interssieren, hier der Link zu einer kürzlich ausgestrahlten, empfehlenswerten Radiosendung des BBC World Service: http://www.bbc.co.uk/programmes/p051gc16

  2.   mugu1

    Haaransatz und Gesicht des Mannes, so weit auf dem Foto von den Marshall-Inseln erkennbar, stimmen exakt mit dem des Navigators Noonan auf dem anderen Foto überein.

    Die am Boden sitzende und dem Fotografen den Rücken zukehrende Frau passt zumindest von der Figur her zu Earhart, auch die rechte Haarpartie erscheint recht stimmig.

    Hinzu kommt noch, dass das Flugzeug rechts im Hintergrund in der Tat wie eine Maschine des Typs aussieht, mit der Earhart unterwegs gewesen ist.

    Ich wundere mich ein wenig, dass Cochrane und vor allem Gillespie die Echtheit pauschal so sehr kategorisch ausschließen. Gerade an Gillespies harschen Worten („lächerliches Foto“) merkt man, dass dies geradezu ein Sakrileg zu seinem Historienbild wäre. Vermutlich würde er sogar so reagieren, gäbe es eindeutigere Indizien oder gar Beweise.

    Ich finde die Indizien in diesem Foto, gerade im Zusammenhang mit einer früheren Meldung einer Sichtung Noonans auf den MI, nicht alleine spannend, sondern geradezu bemerkenswert erschreckend authentisch. Erschreckend deshalb, weil dies sicherlich auch neue Zweifel an der offiziellen Version über Earharts Mission aufkommen lassen würde (Spionageauftrag gegen Japan), was bisher immer als Verschwörungstheorie abgetan wurde.

    Vielleicht aber liegt genau darin ja die totale Ablehnung dieses Fotos als wichtiges Indiz durch Cochrane und Gillespie???

    mugu1

  3.   r.schewietzek

    Interessanter Artikel, aber bis zur Neubewertung des Verschwindens sollte die Sache erst noch weiter untersucht werden. Verschwörungstheorien in solchen Bereichen blühen gerne.

  4.   Axcoatl

    @mugu1
    Also das Flugzeug sieht für mich nicht wirklich ähnlich aus – wenn man das Heck betrachtet, also das doppelte Seitenruder. Das Flugzeug auf dem Foto scheint mir ein größeres, einzelnes Seitenruder zu haben. Siehe dazu den kurzen Film zur Sendung.

    Frau und Mann sind aber doch recht ähnlich, da stimme ich Ihnen zu. Allerdings würde ich das ungern anhand dieser einen Aufnahme entscheiden wollen.

    Wäre interessant zu erfahren, wann genau es entstanden ist.

    Wie auch immer. Interessante Geschichte.

  5.   manveras

    Man sollte den Begriff Verschwörungstheorie endlich aus jedweder Diskussion verbannen. Die Polizei ermittelt schließlich auch in alle Richtungen, ohne dass man ihr ständig vorwirft Verschwörungstheorien verbreiten und stützen zu wollen.

  6.   Zeitsierter27

    Es ist eigentlich bekannt, dass sie und ihr Copilot von Außerirdischen in den Delta-Quadranten entführt wurden…

  7.   Cromagnon

    Auf der einen Seite ist der Glaube an ein Überleben verständlich, denn eine Ikone DARF doch nicht so einfach bei einem Unfall sterben und spurlos verschwinden …
    Auf der anderen Seite: Falls der Hintergrund mit der Gefangennahme durch japanisches Militär stimmen sollte – gibt es denn keine Militärtagebücher? Denn das Auffinden eines US-Flugzeugs und die Gefangennahme zweier US-Bürger wird doch sicherlich nicht nur mündlich ( oder überhaupt nicht ) gemeldet worden sein. Passen der Absturzort und sie -zeit denn zu irgendwelchen in japanischen Logbüchern festgehaltenen militärischen Aktionen, deren Zeuge die zwei geworden sein könnten?

  8.   Luis Tränker

    Wenn Sie von den Japanern „geschnappt“ wurde, dann stellt sich mir die Frage, warum das nach 80 Jahren immern noch verschwiegen werden sollte?

  9.   Ravello

    Merkwürdig, was so ein Autor/Autorin schreibt. „Doch ihr Flugzeug verschwand am 2. Juli 1937 vom Radar“. Ich nehme mal an, daß es damals noch gar kein Radar gab, von dem man verschwinden konnte. Und erst noch in diesen entfernten Gegenden. Wer sowas schreibt, hat möglicherweise nichts auf seinem Schirm. Liest man ja neuerdings auch. Solche dummen Texte möchte ich in der ZEIT eigentlich nicht lesen.

  10.   vor allen Dingen

    „Vom Radar verschwunden?“
    1937 steckte Radar noch in den Kinderschuhen. Schon mit jener Aussage wird die Geschichte unglaubwürdig.