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Wie das US-Kriegsministerium 1943 vor Populismus warnte – und damit auch 2017 noch aktuell ist

 

Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es – doch das amerikanische Kriegsministerium ging 1943 lieber auf Nummer sicher: Um den US-Bürgern die Gefahren durch Populismus und massentauglichen Rassismus aufzuzeigen, produzierte das Ministerium vor mehr als 70 Jahren einen Kurzfilm, der 1947 aufgrund seines Erfolgs ein zweites Mal veröffentlicht wurde. In dem 17-Minuten-Streifen Don't be a sucker (etwa: Sei kein Dummkopf) geht es, in frischer Erinnerung an das Nazi-Regime und den Zweiten Weltkrieg, um die Verführungskünste von Demagogen – und wie man sich gegen eine herbeigeredete Spaltung der Gesellschaft wehren sollte.

Kernsatz des Videos: "'Die 'anderen' gibt es nicht, es gibt nur Amerikaner." Eine Botschaft mit zeitloser Wahrheit – die gerade in den heute (wieder) tief gespaltenen USA an Bedeutung zu gewinnen scheint. Immer häufiger tauchen in sozialen Netzwerken Zitate oder Videoschnipsel aus dem Film auf, die seine Aktualität betonen. Ein Nutzer bei YouTube etwa schreibt: "Das Video könnte von vergangener Woche stammen."

Deswegen: Zurücklehnen, Video ansehen, und sich fragen, was man aus 1943 für 2017 lernen kann.


16 Kommentare

  1.   andellsos

    1943 war aber so einiges anders. Und Rassismus wurde ganz sicher nicht bekämpft, das brauchte erst noch 20 Jahre ehe das mit Rosa Parks etc. überhaupt begann.

    Schön wird das bei Tauben im Gras aus der Nachkriegsliteratur erklärt. Die Amerikaner fühlen sich als heroische Kämpfer gegen das Böse und erniedrigen ihre eigenen schwarzen Soldaten.

    Der Feind war auch eher der Linkskommunist, was auch an der McCarthy Ära und seiner Hexenjagd auf alles kommunistische Anfang der 1950er deutlich wird.

    Der Feind ist nicht eine Ideologie, ob rechts ob links, ob Mann ob Frau, ob Schwarz ob Weiß, ob kommunist oder kapitalist, der Feind ist wenn die Bindeglieder zwischen den Menschen zerschnitten werden. Heute muss der Weiße Mann der Böse sein, die Frau und der Mann stehen im Krieg des Patriachats. Jemand der seine Kultur gern hat und höher schätzt als andere ist ein Nazi.
    Was uns auseinanderbring

    Daher auch meine Einschätzung, dass die Rechten oder Rechtsnationalisten nicht Rechter oder Nationalistischer geworden sind, sondern dass die Linke künstliche neue Paradigmen entwickelt hat (Patriachat, Kulturrelativismus, Grenzen = Schlecht, Vielfalt = Einigkeit) die sie sprunghaft weiter nach links gebracht hat. Dann stehen die „Rechten“ ja natürlich weiter weg, aber ohne sich selbst bewegt zu haben. Und weil diese jetzt einfach nicht mitziehen wollen, kommt es zum Abbruch der Kommunikation und der Spaltung der Gesellschaft.

    https://de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-%C3%84ra

  2.   jaundnein

    Schön, dass dieser Film ausgegraben wurde, macht etwas nachdenklich. Dass er 1947 noch einmal veröffentlicht wurde, wird seine Gründe haben. Welche Erfolge (von 1943) wollte man wiederholen?

    Und was könnte er heute bewirken, wenn nicht die Beurteilung als „fake news“?

    Solidarität über den eigenen Vorteil zu stellen, fällt oft schwer. Vielleicht gibt es das im Kleinen, aber im Großen sehen wir heute immer mehr Beispiele, in denen Solidarität nicht mehr viel gilt.

    In der Mitte wird die Botschaft etwas lang, jedenfalls für uns in D., die wir die Geschichte besser kennen.

  3.   Peppo15

    Süß….gerade die, die Jahrhunderte lang Schwarze als Sklaven hielten und auch währens des Krieges (und noch weitere 20 Jahre Rassentrennung und Diskriminierung betrieben (übrigens gesellschaftlich anerkannt) und weitere 40 Jahre später einen schwarzen US-Präsidenten noch als Sensation sehen …. Was sagt das wohl aus?

  4.   Marybeth

    Der Film soll ein hier die Guten dort die Bösen Schema das Wort reden, die Wirklichkeit sah anders aus. Die Nazi Deutschland endlich befreiten, waren
    dort Stalin, der ein nicht viel weniger grausames Machtregime im eigenen Lande führte und dort
    unsere amerikanischen Freunde, die ihre eigenen Rasse-Minderheiten bis in die Martin Luther King Jahre und später demütigten und drangsalierten. Ein junger John F. Kennedy kraxelte in den Runinen des Berghofes herum und fand keine vernichtenden Worte.

  5.   Mike -Stgt-

    Theorie und Praxis

    In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich, in der Praxis sind Praxis und Theorie abweichend. Aber vielleicht braucht es genau diesen „gap“ um die Abweichung zur erstrebenswerten Vision bewusst zu machen, braucht es immer wieder den Hinweis ‚egal in welchem Land — fünf Finger hat jede Hand‘ um die grundlegenden Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
    Am liebsten liest und hört man, was man schon weiss. Daher ist für mich der wesentliche Satz in dem „Aufklärungsfilm“, dass angebliche Unterschiede durch die Herkunft sich wissenschaftlich nicht bestätigen lassen. D. h., gegenteilige Behauptungen sind eine Rolle rückwärts vor die Aufklärung.

  6.   amandaR

    „Deswegen: Zurücklehnen, Video ansehen, und sich fragen, was man aus 1943 für 2017 lernen kann.“

    Danke für das Video, fand ich sehr gut! Wenn ich die Inhalte auf 2017 anwende, muss ich sagen, dass es einen Unterschied macht, ob es sich um ein echtes Einwanderungsland mit klaren Regeln handelt (USA), einen Staat mit homogener Bevölkerung, in dem Teile dieser Bevölkerung gegeneinander und gegen andere aufgehetzt werden (Nazi-Deutschland) oder unsere heutige Bundesrepublik Deutschland. Diese hat weder ein Einwanderungsgesetz mit klaren Vorgaben, wer einwandern darf, noch die entsprechende Infrastruktur, um Integration zu gewährleisten, noch sind die staatlichen Organe (Behörden, Justiz, Polizei, usw.) dem unkontrollierten Ansturm von Flüchtlingen/Migranten gewachsen. Diese Fakten sind offensichtlich und machen vielen Menschen Sorge, ebenso wie die Frage, wie das erzwungene Zusammenleben mit so vielen Menschen aus völlig kulturfremden, archaischen Gesellschaften funktionieren soll. Diese Ängste und Sorgen werden aber von einer linken Deutungshoheit, welche das Diktat der „Willkommenskultur“ ausgerufen hat, ständig diffamiert, belächelt und als schlecht aka „populistisch“ hingestellt. Was also passiert? Entsprechende Gefühle und Gedanken gären vor sich hin und werden nicht mehr öffentlich geäußert. Verschwunden sind sie dadurch aber nicht, sie suchen ein Ventil und genau hier liegt das Einfallstor für einen Rechtsruck in der Gesellschaft, der mit Sicherheit kommen wird. Insofern möchte ich den Autor fragen: Was lernen Sie als Journalist aus diesem Video für unsere Gegenwart?

  7.   EricRalph

    Fragen Sie doch einmal Barack Obama, ob er nicht während seiner Amtszeit Zugang zu den für die Allgemeinheit immer noch gesperrten US-Archiven über die Rolle der Amerikaner im Laufe und nach dem ersten Weltkrieg hatte.
    Die Gründe für die Parteiergreifung in Form von riesigen Waffenlieferungen an die Entente? Wer machte das Geschäft, bzw. den riesigen Deal? Die Gründe für den auf Betrug basierenden Kriegseintritt (wie übrigens die meisten Kriegseintritte in der jüngeren Geschichte der USA auf Lüge, Täuschung und Betrug beruhten)? Wessen militärische Einmischung hat bewirkt dass es nicht zu einem Patt, sondern zu einem Zusammenbruch der Ressourcen einer Seite kam. Wessen Verhalten während der Verhandlungen bzw. Diktate im Rahmen des Versailler Vertrages hat am Ende bewirkt, dass dieser unsägliche und auf die Resultate des WK1 fixierte A. Hitler und seine Partei an die Macht kamen?
    Wo steht der Militär-Industrielle-Wallstreet-Komplex unter D. Trump heute? Noch mehr Überrüstung, noch mehr und grössere Kriegsschiffe, bald noch mehr Einmischungen und das Völkerrecht brechende Interventionen? Und nein, ich bin wirklich kein Freund von W. Putin!

  8.   finck

    An ErikRaiph gerichtet.
    Meisterlich. Ihr Kommentar sollte zum Nachdenken und Recherchieren anregen.

  9.   Am_Rande

    All kinds of people.
    People from different countries with different religions.
    Different coloured skins.
    Free people.

    Schöne, richtige Worte der Staatspropaganda.

    Eines Staates der Zehntausende seiner Bürger in Lager sperrte.
    Weil sie Japaner waren.

    Do as I say and not as I do …

    Naja, der Verantwortliche war ja „Demokrat“.
    Da toleriert die ‚Zeit‘ sowas.

    ‚We must judge each man as an individual!‘
    Goldene Worte vom großen Felix Bressart –
    immerhin!

  10.   Freiheit oder Neoliberalismus

    Naja, „die anderen“ gibt es schon. Es ist die Handvoll Leute, die von diesem System profitieren und sich auf Kosten der Mehrheit bereichern.