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Hackfleisch mit Geknödel

 

Alle fünfzehn Jahre meldet sich Meat Loaf mit einer neuen Folge von „Bat Out Of Hell“ zurück. Musikalisch ändert sich wenig, auch Teil drei läuft auf Doppelschmachtstufe

Bat Out Of Hell III

Ach, Herr Loaf,

dreißig Jahre ist es her, da kamen Sie, notdürftig als Fledermaus verkleidet, aus der Hölle angekreucht. Im Jahr 1993 kehrten sie mit Bat Out Of Hell II – Back Into Hell dorthin zurück. Sie erwischten mich damals, ich kaufte mir zwei ihrer Platten. Vielleicht passte ihr Geschmachte zu meiner spätpubertären Befindlichkeit, ich kann es mir auch nicht mehr erklären. Kurz darauf verscheuerte ich sie im Second- Hand-Laden, wahrscheinlich stehen sie da heute noch. Wissen Sie noch, I’d Do Anything For Love? Brrrr …

Und jetzt kehren Sie zurück, in Gestalt eines Monsters. Wir haben das Jahr 2006, Herr Loaf, mit Verlaub. Bei Ihnen ist alles beim Alten: leidende Gesänge, streicherumschmeichelte Gitarren, Rockoper, Bombast, Bombast, Bombast. Dazu haben Sie sich ein paar vermeintlich moderne Elemente andrehen lassen, hier ein elektronisches Schlagzeug, dort versuchen Sie gar zu rappen. Das Singen ist schon nicht Ihr größtes Talent, aber das?

Nach anderthalb Stücken hatte ich schon keine Lust mehr, Ihnen zuzuhören. Da lagen noch zwölfeinhalb vor mir. Ihre Produzenten blähen jede noch so klägliche Idee mit viel Brimborium auf sieben Minuten aus, jedes noch so lahme Element wird bis zum Überdruss wiederholt, am Ende singen Sie für drei Minuten immer wieder den Refrain. Eine einzige Hackfleischoper.

Und dann, das dritte Stück, Herr Loaf. Meat! Ich bin wirklich zusammengezuckt. Warum denn das alte Geknödel von Celine Dion nochmal aufwärmen? Its All Coming Back To Me, im Duett mit einer gewissen Marion Raven, Doppelschmachtstufe, Titanic-Flöten im Hintergrund. Ich nehme Ihnen Ihr Leiden wirklich ab, mir geht es ja nicht anders.

Ich mochte Ihre Musik? Unvorstellbar! Ich schäme mich für mein zehn Jahre jüngeres Ich. Und für Sie gleich mit. Ich gebe zu, manchmal muss ich mitsummen. Und bremse mich dann, weil ich das Gefühl habe, einem billigen Trick aufgesessen zu sein. Ihre Autoren Jim Steinman und Desmond Child wissen wirklich, wie man catchy melodies schreibt.

Die beiden klauen sich unverfroren durch die Musikgeschichte, haben Sie das nicht gemerkt? Der Drohung Bad For Good verleihen Sie als schlechte Queen-Kopie Nachdruck. In The Land Of The Pig, The Butcher Is King, da klingt schon der Titel, als wären Sie gerne Iron Maiden. Die können das aber viel besser, wirklich. Und auch Bon Jovi werden sie mit Alive nicht übertreffen können. Bei den übrigen Stücken kopieren Sie sich immerhin selbst.

Und, Herr Loaf, die Texte. „Deine Liebe ist blind wie eine Fledermaus“, hat ihnen da jemand unter die Noten geschrieben, „du bist alles, was ich brauche“. Gitarrensolo! Warum tragen Sie immer so dick auf? Hören Sie sich doch bitte mal kurz selbst zu: „I want you to cry over me, die over me, baby.“ Da haben Ihnen Ihre Schreiber aber ein ganz schönes Ei ins Nest gelegt. Der künstlerische Tiefpunkt ist If It Ain’t Broke, Break It. Muss die CD unbedingt 70 Minuten lang sein?

Am Ende, Herr Loaf, Sie Schelm, überraschen Sie mich dann doch noch. Cry To Heaven ist für 49 Sekunden ein wirklich schönes Stück. Umso schmerzlicher, dass Sie die übrigen anderthalb Minuten nutzen, es mit Flöten und Chören gegen die Wand zu fahren. Vielleicht sollten Sie darauf aufbauen. Wie wäre es zum Beispiel, Bat Out Of Hell 4 von Will Oldham oder Jason Molina produzieren zu lassen? Oder von Rick Rubin? Das würde Ihr Ansehen mehren. Und sicherlich würde denen auch ein besserer Titel einfallen.

„Bat Out Of Hell III – The Monster Is Loose“ von Meat Loaf ist als CD erschienen bei Universal

Hören Sie hier „Cry To Heaven“

Das gesamte Album kann man hier vorhören

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