‹ Alle Einträge

Rumpeln im Jungszimmer

 

Es geht durch die wilden Nächte Londons. Viel Alkohol, ein bisschen Koks – möge das Wochenende ewig dauern. Großbritanniens neuer Jugendheld Jamie T erobert die Mädchenherzen und träumt von der Liebe

Jamie T Panic Prevention

Seit einigen Monaten taucht sein Name immer wieder auf, in den Blogs und neuerdings auf den großen Feuilleton-Seiten. Der 20-jährige Jamie T ist der neue Held der britischen Jugendlichen. Die Texte sind nicht seine Stärke. Es ist die Art und Weise, wie er sie auf seinem Debütalbum Panic Prevention vorträgt, die im Gedächtnis bleibt: unmittelbar, ohne Selbstschutz.

Durch die Nacht Londons geht es. Einen Drink und noch einen, später eine Linie Koks, das Wochenende hört nie auf. Mädchen werden erobert, Alkohol senkt die Hemmschwelle, man träumt ein bisschen von der Liebe. Das ist eben Jungszeug, zumindest, wenn man wie Jamie T mit Anfang 20 in Großbritannien lebt.

Sein Akzent erinnert an Mike Skinner und Joe Strummer von The Clash. Ebenso wie Strummer hat Jamie Treays – so heißt der junge Mann mit vollständigem Namen – viel Zeit in Südlondon verbracht. Er hat Mixtapes aufgenommen und im „12 Bar Club“ in Soho den Bass angeschlagen, allein und mit Freunden. Panic Prevention Disco nannte sich die Veranstaltungsreihe, denn Jamie, so heißt es im Waschzettel der Plattenfirma, litt eine Zeit lang an „schweren Panikattacken“.

Vom politischen Bewusstsein The Clashs trennt ihn weit mehr als das Alter. Seine Lieder handeln vom Privaten. Viele spielte er in seinem Wohnzimmer ein. Rumpelnde Rhythmen, wuchtige Basslinien und grob zusammengefügte Klangschnipsel bestimmen die Heimbastler-Ästhetik. Genau das macht den Charme der Lieder aus. Kein Glattbügler der großen Plattenfirma durfte vor Veröffentlichung noch einmal Hand anlegen.

In die deutschen Hitparaden wird Jamie T es wohl kaum schaffen. In England hingegen ist ihm bereits mit seiner Debütsingle Salvador im vergangenen Jahr Platz 22 geglückt. If You Got The Money schaffte es sogar auf Platz 13. In seiner Musik vereint er viele Stile, zeitgenössische Tanzflächen-Spielarten gehören ebenso dazu wie Ska, Punk, Rock und Reggae. Der Minimalismus der Produktion weist die Richtung. Wirklich neu ist das alles nicht, aber in Zeiten zu vieler Einheitsproduktionen erfrischend.

„Beruhige dich, Liebste!“, heißt es in einem Stück. Und weiter: „Wir kommen nächste Woche wieder, da bin ich mir sicher, und sitzen dann in der Bar, die du kennst. Also Bye, Bye, Bye, wir versuchen, niemals zu sterben. Wir sind so jung, wir verstehen nicht, dass wir nicht fliegen können.“ Ach, süßer Vogel Jugend!

„Panic Prevention“ von Jamie T ist erschienen bei EMI/Labels

Sehen Sie hier „Salvador“ und „If You Got The Money“

Jamie T ist Anfang März auf Tour durch Deutschland

Weitere Beiträge aus der Kategorie POP
Monta: „The Brilliant Masses“ (Labelmate/Klein 2007)
The Good, The Bad & The Ugly: „The Good, The Bad & The Ugly“ (EMI 2007)
Brazilian Girls: „Talk To La Bomb“ (Verve 2007)
Milenasong: „Seven Sisters“ (Monika 2007)
The Cure: „Festival 2005“ (Geffen/Universal 2006)

Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter www.zeit.de/musik