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Ehrt den samtenen Untergrund

 
The Concretes aus Stockholm spielen frisch mit den Klängen und Stimmungen der sechziger Jahre.
The Concretes Hey Trouble

The Concretes beschwören die Geister der Vergangenheit. A Whales Heart von ihrem neuen Album Hey Trouble ist ein meisterhaftes Stück Velvet-Underground-Verehrung. Der prägnante Basslauf scheint Ode to Street Hassle von Spacemen 3 entlehnt. Diese wiederum hatten ihn – der Titel verrät es – den Streichern auf Street Hassle des ehemaligen Velvet-Underground-Sängers Lou Reed nachempfunden. Die Trommeln klingen, als hätte seine Kollegin Mo Tucker sie direkt an Georgia Hubley, die Schlagwerkerin von Yo La Tengo weitergereicht. Der sehnsüchtige Gesang und die dichten Wolken aus Gitarren- und Orgel-Sounds erinnern an eine weitere Band der späten achtziger Jahre, deren Referenz Velvet Underground waren: Galaxie 500. Warum also hört sich die Musik von The Concretes nicht an wie ein weiterer Aufguss eines allzu vertrauten Idioms? Warum verbindet sich das wohlige Gefühl der Vertrautheit mit der überraschenden Freude, etwas Neuem zu lauschen? Wie gelingt das diesen jungen Schweden nun schon zum dritten Mal auf Albumlänge?

Wer weiß, ob die siebenköpfige Band aus Stockholm die Wiedergänger der späten Sechziger, Bands wie Yo La Tengo, Galaxie 500 oder Spaceman 3, überhaupt kennen. Sie nähern sich der Tradition mit einer Frische und Unbekümmertheit, die es unerheblich macht, ob sie sich der Referenzen bewusst sind. Die Zitate werden nicht bedeutungsschwanger ausgestellt – seht her, was wir alles kennen –, sondern in immer neue Zusammenhänge gestellt. Und The Concretes sind weit davon entfernt, Drogenmusik zu machen. Sie benutzen den reichhaltigen Schatz an Klängen und Melodien auch nicht wie Galaxie 500, um eine Kathedrale der Melancholie zu bauen. Und schon gar nicht als Sprungbrett für solistische Krachexkursionen wie Yo La Tengo.

Überhaupt ist das Ausufernde ihre Sache nicht. Ihre Stücke sind perfekt geformte Kleinode. Sie sind selten länger als vier Minuten, jede Note sitzt. Da klingen sogar die barocken Arrangements der Beach Boys, die schimmernden Gitarrenströme der Byrds und die Euphorie der Girl Groups der sechziger Jahre noch mit. Die Melodien sind atemberaubend und eingängig. Die schnellen Nummern atmen immer einen Hauch von Melancholie. Und auch in den traurigen Liedern scheinen dieser besondere Humor und diese freundliche Empathie durch, die so typisch sind für The Concretes. Nicht umsonst heißt die neue Platte Hey Trouble. Mit dieser Musik kann man sich beherzt jedem Ärger stellen.

„Hey Trouble“ von The Concretes ist erschienen bei Finger Lickin‘ Records/Alive

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3 Kommentare

  1.   struhr

    Aufgeblasener Artikel um eine Band, die sich mit dem Wort „Pussypop“ klassifizieren lässt. Die vielen Referenzen retten es nicht.

    „Überhaupt ist das Ausufernde ihre Sache nicht. Ihre Stücke sind perfekt geformte Kleinode. Sie sind selten länger als vier Minuten, jede Note sitzt.“

    Phrasen, und überhaupt: Seit wann ist „nicht länger als 4 Minuten“ eine Besonderheit?

  2.   Bargheer

    Selbst auf den Musikseiten wird die gebetsmühlenartige Schwedenloberei in der Zeit fortgesetzt. Schwedische Musik hat sich schon seit langem durch technisch hochwertige Aufbereitung diverser, von der relevanten Englischen Presse abgesegneter Stile ausgezeichnet, aber ebenso duch den konsequenten Mangel an wirklicher Neuschöpfung. The Concretes sind da keine Ausnahme.

  3.   dieter wiene

    „pussypop“? – komischer begriff? klingt irgendwie frauenfeindlich. was wäre denn das bevorzugte gegenstück? „cockrock“. wenn dem so sein sollte, ziehe ich jederzeit „pussypop“ vor.

    „nicht länger als 4 minuten“ ist natürlich nur in dem von mir beschriebenem referenzrahmen eine besonderheit. im „pussypop“ mag das die norm sein.