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Drei Takte und ein Uaaaaaaaaah

 

Die Monsters feiern Geburtstag. Unsere Autorin gratuliert zu 20 Jahren verstimmter Gitarren im Untergrund: ein paar Worte statt Torte.

Es dauerte drei Takte und ein „Uaaaaaaaaah!“ – schon hatten mich die Monsters auf ihrer Seite. Am nächsten Tag holte ich sie aus dem Plattenladen ab, ihre Single In hell zog in mein Zimmer ein. Eine alte Horrorfilm-Weisheit sagt: Wer die Monster einmal im Haus hat, wird sie nicht mehr los! Zwölf Jahre ist das her, da gab es die Band schon acht Jahre. Das macht insgesamt zwanzig. Zum Bühnenjubiläum gibt es jetzt ein Live-Album The Worst of Garage Punk Vol. 1: The Monsters from Bern, Switzerland 1986-06. Aufnahmen aus dem Übungsraum und verrotteten Clubs.

In ihren College-Blazern mit Krawatte sehen die vier Herren aus wie eine amerikanische Garagenpunkband der sechziger Jahre. Doch sie kommen aus der Schweiz. Das hört man bloß während der Ansagen zwischen den Stücken. Keiner singt so schön schlecht wie Beat-Man, der eigentlich Beat Zeller heißt. Sein „Uaaaaaah!“ macht dem Bandnamen alle Ehre. Die Monsters haben ein eigenes Label namens Voodoo Rhythm Records, eine Fundgrube für alle Liebhaber von Garagentrash und schrägem Rock’n’Roll. Die kleine Plattenfirma wirbt mit dem Satz „Records to ruin any party“.

Ihr Krach ist beeinflusst von den legendären Sonics, den Milkshakes, Hasil Adkins und Psychobilly. Trash-Kultur im besten Sinne, mit der Kraft zweier Schlagzeuger, die sich auf der Bühne gegenübersitzen an einem Doppel-Schlagzeug, das sie „clonedrum“ nennen. Jeder beackert so anderthalb Schlagzeuge, denn die Bassdrum müssen sie sich teilen. Es ist eine Freude, ihnen beim Schwitzen zuzusehen. Der Gitarrist singt, nicht immer den richtigen Text. Sie inszenieren sich als Teenager-Mutanten, auch wenn sie mittlerweile um die 40 sind und das eine oder andere Kind haben.

Auf der Album-Hülle steht: „Witness one of the trashyest, loudest, fucked-up bands you’ll ever see! Hear no-fi recordings of speed clonedrum, beserk bass, primitive fuzzed-out guitar riffs and distorted vocals!” So beschreiben sie ihre Musik, die nicht jeder mögen wird und deren scheppernder Endloskrach manche Konzertbesucher in die Flucht schlägt. Freunde solcher Töne werden das Doppel-Album mögen.

Allen anderen sei empfohlen, sich zunächst an einem ihrer – nun, ja – normalen Alben zu versuchen. Wer die Monsters zum ersten Mal ins Haus einladen möchte, wird mit Youth Against Nature besser klarkommen.

Ihr Krach ist charmant produziert. Die Monsters haben sich ein Stück Teenager-Wahnsinn bewahrt, der seinen Stoff nicht nur aus albernen Horrorfilmen bezieht oder nur von Miniröcken zu Stöckelschuhen schwärmt. Beat-Man, der auch allein als Reverend Beat-Man auftritt, predigt im Magazin Wahrschauer: „Die Politik hat maßgeblich dazu beigetragen, mich zum Monster werden zu lassen, zuerst die Rechten, jetzt sogar die Linken. Der verdammte Kapitalismus macht alle Menschen zu Arschlöchern, engstirnig, unflexibel, verkorkst und unsozial.“

In diesem Sinne: Lang lebe der Reverend samt seiner Kollegen!

„The Worst of Garage Punk Vol. 1“ von The Monsters ist erschienen bei Voodoorhythm

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