Musik zwischen Disko und Diskurs

Zwei wie Raufaser

Von 4. Februar 2008 um 10:03 Uhr
Nada Surf aus New York spielen schnörkellosen Indierock. Ihr Album „Lucky“ ist mal melancholisch, mal fröhlich, immer amerikanisch. Neu klingt das nicht, aber gut.

Nada Surf Lucky

Sechzehn Jahre ist es her, da erschien das erste Album der amerikanischen Indierocker Sugar, Copper Blue. Monolithen gleich ruhten Stücke wie Changes und If I Can’t Change Your Mind in sanften Hügeln aus Melodie. Ihre leicht angerauten Oberflächen schimmerten geheimnisvoll. Bob Mould, der ehemalige Gitarrist und Sänger der Punk-Band Hüsker Dü strich die verzerrte elektrische Gitarre, die Klänge verdichteten sich zu einer undurchsichtigen Nebelwand. Hier und da zerschnitt seine Stimme die Schwaden mit einer charmanten Strophe, einem beglückenden Refrain. Stetes Bumtschak-Bumbumtschak trieb die Stücke im Viervierteltakt voran. Copper Blue war stilbildend, eine ganze Generation vor allem amerikanischer Musikern wollte härter klingen als R.E.M. und freundlicher als Nirvana, eben wie das Trio Sugar.

Nun hat sich Bob Mould der New Yorker Band Nada Surf angeschlossen. So jedenfalls klingt ihr neues Album Lucky, es ist ihr fünftes. Gut und gerne könnte es Mitte der Neunziger entstanden sein. Der Blick ins CD-Büchlein verrät, dass drei Musiker am Werk sind, Bob Mould ist nicht dabei.

Die Ähnlichkeiten sind frappant. Wie Sugar errichten Nada Surf Klangwände aus angehauenen Saiten und tapezieren Raufaser drauf. Oft klingen sie melancholisch, dann wieder fröhlich, immer amerikanisch aber nie schwer. Heute macht kaum noch jemand solche Musik, so schnörkellosen, ja, eigentlich traditionellen Indierock. Ohne elektronische Angeberei, mit einer überschaubaren Anzahl von Akkorden.

Den einzigen wirklichen Unterschied macht die Stimme. Bob Mould klang immer ein bisschen angestrengt in den oberen Lagen. Nada Surfs Sänger Matthew Caws turnt noch eine Oktave höher, seine Stimme ist knarzig, fast nasal. Richtig gut singen sie beide nicht.

Lucky klingt kompakt. Hier und da ist ein ruhiges Lied eingestreut, auch mal ein Dreivierteltakt. Jedes Stück ist irgendwie schön, nur From Now On schwächelt. Beim fünften, sechsten Hören schwingen sich kleine Lieblingsmelodien empor, erst Weightless, dann See This Bones und Whose Authority. Später Beautiful Beat und I Like What You Say, bald fast alle. Wenn die Melodien erst im Kopf umherschwirren, wird Lucky seinem Titel gerecht, dann macht seine Leichtigkeit auch ein bisschen glücklich.

Ein Überflieger wie Always Love von ihrem letzten Album The Weight Is A Gift fehlt, Lucky tut das gut. Im Klang der brillanten Melodie von Always Love verblasste damals der Rest der Platte.

Und Bob Mould? Ein Minialbum und ein langweiliges zweites Album nach Copper Blue hat er Sugar aufgelöst und Solopfade beschritten. Dieser Tage veröffentlicht auch er eine neue Platte, District Line. Seine Stimme ist sanfter geworden, seine Gitarren auch. Nett ist das, klingt ein bisschen wie diese amerikanische Rockband Nada Surf.

„Lucky“ von Nada Surf ist als CD und LP bei City Slang erschienen.

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Kategorien: Rock
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hm. Muss ich jetzt Bob Mould hören gehen? Ich dachte schon, in dem kurzen Beitrag kommt gar nix mehr zu Lucky …

    Und ich finde, From Now On ist eines der schönsten Stücke, während ich das allzu süßliche Always Love nicht mag.
    Aber variatio delectat, gell?

    Antworten

    • 4. Februar 2008 um 11:41 Uhr
    • Tina
  2. 2.

    [...] Die Zeit – Tonträger wrote an interesting post today on Zwei wie RaufaserHere’s a quick excerpt Nada Surf aus New York spielen schnörkellosen Indierock. Ihr Album „Lucky“ ist mal melancholisch, mal fröhlich, immer amerikanisch. Neu klingt das nicht, aber gut. Sechzehn Jahre ist es her, da erschien das erste Album der amerikanischen Indierocker Sugar, Copper Blue. Monolithen gleich ruhten Stücke wie Changes und If I Can’t Change Your Mind in sanften Hügeln aus Melodie. Ihre leicht angerauten Oberflächen schimmerten geheimnisvoll. Bob Mould, der ehemalige Gitarrist und Sänger der Pun [...]

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  3. 3.

    Oh, vielen Dank für den Tipp! Das gefällt mir.

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    • 6. Februar 2008 um 15:48 Uhr
    • lucy
  4. 4.

    …leider nicht erwähnt wurden die wunderbaren songs ‘the fox’ und ‘the film did not go ’round’. nur allzu ehrliche textzeilen gibts in ‘the fox’ zu hören

    ‘We’re in a different war
    With ourselves, and with some of you
    So many things that don’t hold true

    Its how you feel for me now, not how you felt
    Its how you deal with envy, not how you dealt

    But you’ll sail alone
    If you don’t hold the rope
    You’ll go alone’

    Trauriger hingegen ‘the film did not go ’round’…

    ‘You showed me just how easy love could be
    You showed me just how silly love could be
    But everything, you showed me gracefully

    You’ll be waiting by my bed I know
    And your last little words will be i love you so’

    melancholisch? schwermut? meiner meinung nach nicht durch lieder, die ein wenig sanftere töne anschlagen und von geigengefiedel untermalt werden. mich beschwingen einige lieder, zaubern ein lächeln in mein gesicht und geben mir ein gutes gefühl. rundum wird das album dem namen ‘lucky’ mehr als gerecht!

    und… bäh! lasst doch das wort “schnörkellos” weg. dieses wort taucht in etwas zu vielen cd-kritiken auf.

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    • 8. Februar 2008 um 09:30 Uhr
    • oberton
  5. Kommentar zum Thema

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