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Nuschle meinen Namen

 

The Juan MacLean arbeiten sich auf „The Future Will Come“ am Werk der Elektropopper The Human League ab. Selten klingt Geschichtsbewusstsein so gut

Cover
 
The Juan MacLean – The Station
 
Von dem Album: The Future Will Come DFA Records (2009)
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Es ist das Problem der meisten Bands: Wie entkommen wir den langen Schatten, die die von uns verehrten Musiker werfen? Um nicht immer abgetan zu werden: „Die klingen ja wie …“

The Juan MacLean machen es sich da einfach, sie klingen wie … und wollen genau das. Denn ihr neues Album The Future Will Come legt sich passgenau in den Schatten des Albums Dare von The Human League. An dem im Jahr 1981 erschienenen Werk arbeiten sich The Juan MacLean ab, an dem musikhistorischen Moment, in dem The Human League vom Kunstbeflissenen Abstand nahmen und mit großer Geste die Popmusik umarmten.

Dare gilt heute als Meilenstein der Synthesizermusik. Einen kristallklaren Klang zauberte der Produzent Martin Rushent auf Band, anders als bei den pompösen Zeitgenossen wurde hier nichts zugeschmiert. Zu hören sind Zischen, Pfeifen und Klackern, avantgardistische Geräusche, funktionalisiert für die Disco. Die unmenschliche Kälte der Sequenzer kombinierten The Human League mit den pulsierenden Gesängen von Philip Oakey, Joanne Catherall und Susanne Sulley. Dass diese ganz und gar nicht perfekt waren, machte die vorgetragenen Allerweltsromanzen nur noch berührender.

Gleich zu Beginn singt John MacLean – sein Projekt ist The Juan MacLean – mit Nancy Whang von LCD Soundsystem gemeinsam The Simple Life, einen feinen Synthie-Pop. Spätestens mit dem Einsatz seiner Stimme erinnert es unverkennbar an The Human Leagues Don’t You Want Me. Die Stimmen von Philip Oakey und John MacLean gleichen sich, genuschelt klingen selbst die Bandnamen ähnlich.

Überall streut John MacLean kleine Reminiszensen an Dare ein. Auf The Station etwa erklingt eine Figur, die genau so auf Dare zu hören ist. Das Stück ist – wie Don’t You Want Me – als Gesprächsprotokoll einer zu Ende gehenden Beziehung angelegt.

Doch er baut das Meisterwerk aus den Achtzigern nicht einfach nach. Er spürt vielmehr den Einflüssen nach, die dieses Album auf die Synthesizermusik hatte. Tonight etwa erinnert an die frühern Pet Shop Boys, Happy House trägt ein feines Gewand aus blubberndem Acid-House – viele Pioniere in House und Techno bezogen sich gerne auf The Human League. Auf No Time flirren die Orgeln mysteriös.

Wie unverzichtbar das historische Wissen um all diese Klänge ist, zeigt das einzige misslungene Stück des Albums. Die Ballade Human Disaster ist nicht nur banal, weil die Melodie nicht viel hermacht. MacLean hat missachtet, was die langsamen Stücke auf Dare so stark machte: The Human League setzten ihre düster dräuenden Balladen Darkness und I Am The Law auf ein starkes Rhythmusgerüst und bewahrten sie so vor der Weltschmerz und Weinerlichkeit.

Dass John MacLean eigentlich weiß, wie man Emotionen und Rhythmen verbindet, beweisen alle anderen Stücke auf diesem tollen Album.

„The Future Will Come“ von The Juan MacLean ist auf CD und Doppel-LP erschienen bei DFA/Cooperative/Universal

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