Musik zwischen Disko und Diskurs

Kompaktes Handwerk

Von 25. November 2009 um 14:36 Uhr

Drei Rockstars tun sich zusammen und bilden eine Superband. Was Them Crooked Vultures allerdings jetzt veröffentlicht haben, ist leider nicht mehr als die Summe der einzelnen Teile.

John Paul Jones (Led Zeppelin), Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und Dave Grohl (Nirvana) gründen eine Band (© Dustin Rabin)

John Paul Jones (Led Zeppelin), Josh Homme (Queens Of The Stone Age) und Dave Grohl (Nirvana) gründen eine Band (© Dustin Rabin)

Zu den seltsamsten Blüten des Rock gehört die Supergroup. Seltsam, weil solche Zusammenrottungen von Musikern, die bereits in anderen Zusammenhängen sehr erfolgreich waren, in künstlerischer Hinsicht selten super sind: Sie klingen oft so überspannt, wie sich vermutlich ein von Philip Roth, John Updike und Thomas Pynchon gemeinsam verfasster Roman lesen würde.

Man kann Kreativität eben nicht einfach addieren wie eine Rechnung. Dass Them Crooked Vultures es trotzdem versuchen, ist angeblich einer Party zu verdanken, auf der die hochdekorierten Rockveteranen Josh Homme (Kyuss, Queens Of The Stone Age), Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) und John Paul Jones (Led Zeppelin) gemeinsam kifften.

Erster Höreindruck des schlicht Them Crooked Vultures betitelten Debüts – wuchtig. Das meiste klingt wie Rohmaterial für ein weiteres Album von den Queens Of The Stone Age. Mit seinem gewohnt gelangweilten Gesang und den dickflüssigen Gitarrenläufen hat Josh Homme dem Projekt deutlich seinen kreativen Stempel aufgedrückt.

Zweiter Höreindruck: Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Wirklich spannend wird die recht konventionelle Musik sogar, wenn man die Gitarrenriffs im Vordergrund für einen Moment Gitarrenriffs sein lässt – und einen Blick auf das schlagende Herz des Ganzen erhascht, die Rhythmusgruppe aus Dave Grohl und John Paul Jones. Als Sänger und Gitarrist der Foo Fighters längst Garant für Durchschnittliches, gehört Grohl als Schlagzeuger noch immer zu den härtesten, schnellsten und kompaktesten Handwerkern seiner Zunft. Dem setzt Jones seine akademisch geschulte Arbeit am Bass entgegen, seine subtil virtuosen Arabesken, mit denen er selbst den bleischwersten Blues in den Zustand der Schwerelosigkeit versetzen kann.

Hier stimmt, wie man so sagt, die Chemie: Punkrock reagiert explosiv mit Progrock zu aggressiver Dynamik, bei der es immer um den Sound, nie um den Song geht. So sehr diese Musikermusik technisch zu beeindrucken vermag, so wenig kann sie wirklich berühren. Es fehlt der magische Mehrwert, den jede echte Supergruppe abwerfen muss, wenn sie mehr sein will als eine bloße Partylaune. Zu hören ist ein Trio, das leider nur exakt der Summe seiner Teile entspricht, und das ist am Ende zu wenig – auch wenn es sehr große Teile sind.

“Them Crooked Vultures” ist erschienen bei RCA/Sony.

Dieser Text ist abgedruckt im Musikspezial der ZEIT Nr. 49/2009.

Kategorien: Rock
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Danke, besser hätte ich mein mulmiges Gefühl nach mehrmaligen Hören der Platte nicht ausdrücken können. Der Sound ist hip, keine Frage, aber so richtig berühren die Songs einen nicht. Schade, denn gerade das aktuelle Best of der Foo Fighters zeigt doch, was für tolle Melodien Grohl schreiben kann. Andererseits kann ich verstehen, dass er als Künstler weitergehen möchte.

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    • 26. November 2009 um 10:15 Uhr
    • debbus
  2. 2.

    Der Autor hat leider keine Ahnung von guter, innovativer und qualitativ hochwertiger Musik. Sonst wäre er nicht mit dieser völlig bescheuerten und uninteressanten Kiffergeschichte um die Ecke gekommen. Das er sowohl die Queens of the Stone Age (“Mit seinem gewohnt gelangweilten Gesang und den dickflüssigen Gitarrenläufen[...]“) als auch die Foo Fighters ["Als Sänger und Gitarrist der Foo Fighters längst Garant für Durchschnittliches[...]“) ohnehin nicht besonder mag, ist ja auch mehr als offensichtlich. Schade das solche Leute Artikel veröffentlichen, in denen Kunst bewertet wird. Ich sollte besser auch nicht dazu angeheuert werden einen Bericht über Arno Frank zu schreiben, der wäre nämlich ähnlich objektiv.

    A. M.

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    • 26. November 2009 um 15:13 Uhr
    • A. Mü.
  3. 3.

    Ein großartiger Artikel, der die einzelnen Musiker wie auch das neue Album exzellent beschreibt. Ich kann mich da debbus voll und ganz anschließen. Die Songs sind technische, perfekt arrangierte Meisterwerke – keine Frage, aber es fehlt eben die Seele.

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    • 27. November 2009 um 10:15 Uhr
    • MH
  4. 4.

    Tja, als objektive Analyse kann man diesen Artikel tatsächlich nicht bezeichnen, da stimme ich A.Mü. zu.
    Ich bin wahrlich kein großer QOTSA- oder Josh Homme-Fan – “gelangweilt” von seiner Musik ist der Mann aber sicher nie. Das gleiche gilt für Dave Grohl, den man nicht mögen muss, der aber ebenfalls wie kaum ein anderer Leidenschaft für ehrliche Musik besitzt.
    Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass JPJ (vor dem nicht ohne Grund so ziemlich jeder musikalisch größten Respekt hegt) sich aus einer Laune beim Kiffen zu so einem Projekt hinreißen ließe und das ganze dann auch noch auf CD veröffentlicht…

    Man muss diese Musik nicht mögen, persönlich finde ich das Album auch eher schwer zugänglich; neutral und möglichst vorurteilsfrei sollte man als Musikkritiker allerdings schon an das Ganze herantreten!

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    • 27. November 2009 um 23:38 Uhr
    • Olaf H.
  5. 5.

    Schöner Artikel, gut auf den Punkt gebracht. Man könnte das ganze auch noch kürzer fassen. Klingt wie Queens Of The Stone Age, nur eben nicht so gut…

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    • 29. November 2009 um 21:33 Uhr
    • Preston Pulp
  6. 6.

    Trotz dass ich dem Artikel in seinen Grundargumenten beipflichte, finde ich es doch sehr unangebracht und unfair derart Meinungszentriert über ein so ‘wichtiges’ Ereignis in der westlichen Musikhemisphäre zu schreiben, anstatt in erster Linie Fakten und Information sprechen zu lassen. Musik ist subjektives Gefühl- Klar! Aber am besten kann ich mir noch selbst eine bilden – eine sogenannte Meinung.

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    • 30. November 2009 um 11:20 Uhr
    • Grinni
  7. 7.

    Der Artikel schwurbelt ohnehin nur auf einem mittleren Aggregationsniveau dahin. Neben anderem: was soll hier überhaupt der Begriff Seele?! Was für eine generell hibernative Fehldiagnose in musikalischen Angelegenhiten (except natürlich Soul)! Angemerkt werden soll freilich noch der vergessene Bezug zu den Masters of Reality. Deren Großkopf Chris Goss hat u.a. Kyuss produziert – und hier sehe/höre ich schon eher die Blutsverwandschaft der drei Recken. Auf Cream – anteilig Bruce und Trower – sei ebenfalls verwiesen. Und diese alberne Kiffergeschichte: da stimme ich dem Vorredner zu. Mir conveniert das Album.

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  8. Kommentar zum Thema

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