Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs

Neil Young, die alte Ente

Von 29. Oktober 2010 um 09:48 Uhr

Seit 50 Jahren reproduziert Neil Young sein eigenes Werk und hört sich dennoch immer neu an. Jetzt erscheint das einsame, starke Album “Le Noise”.

© Warner Music

Den ersten Akkord – mehr braucht es nicht, um Neil Young zu erkennen. Auch sein neues Album Le Noise steigt ein, wie man es seit bald 50 Jahren vom Kanadier gewohnt ist: ein sechssaitiges Grollen, die düster verzerrte Drohung, dass kommt, was man erwarten dürfe.

Aber darf man das überhaupt im Popgeschäft – etwas erwarten? Ist Vorhersehbarkeit nicht der Feind jeder musikalischen Entwicklung?

Nicht bei Young. Noch im Renteneintrittsalter reproduziert der ewige Rocker sein eigenes Werk wieder und wieder, ohne je saturiert zu wirken. Der Kanadier spielt die gleichen Riffs wie immer, sphärische Metaphern des Unbehausten zwischen Improvisation und Symphonie, die mit seinem Falsett tonale Streitgespräche führen. Doch es fühlt sich an, als würde man in dieser warmen Stube des rauen Protestsongs stets neues Mobiliar entdecken.

Ohne jede Begleitung reist er auch diesmal durch staubige Zeitzonen und erklärt sie in simplen Worten. Dabei klingt er noch immer wie eine Ente im Gitarrengewitter, aber er klingt wenigstens nach irgendwas von Bedeutung. Nach Suchen und Sehnen, Weite, Tiefe, dem Sichverlieren im eigenen Klang, wie es ihm zuletzt 1995 beim Soundtrack zu Jarmuschs Dead Man gelang: aufs Wesentliche reduziert, so intensiv wie beiläufig. Le Noise ist ein einsames, starkes Album, nur Neil Young und seine Gitarre. Vom ersten Akkord an.

“Le Noise” von Neil Young ist erschienen bei Reprise Records/Warner.

Aus der ZEIT Nr. 44/2010

Kategorien: Rock
Leser-Kommentare
  1. 1.

    schön umschrieben.
    aber von der “ente im gitarrengewitter”
    war es ja bei dem herrn young altersunabhängig schon
    immer nicht weit-entschuldigung, bei der überschrift liegt es zu nah- zur lahmen ente.

    • 29. Oktober 2010 um 10:59 Uhr
    • barfly
  2. 2.

    Er hat es nie darauf angelegt, Erwartungen zu befriedigen. So polarisiert er gut und gerne und überrascht desöfteren. Diesem Album täte eine grössere Zurückhaltung des D.L. gut. Den leichten Groll Dylans auf ihn kann ich schon ein wenig nachvollziehen.
    Bevor es zu spät ist, sollte Neil nicht nur den ollen Fuzz nochmal ausbuddeln, sondern sich auch auf seine guten Kumpel von Crazy Horse besinnen. Mit denen zusammen hat er immer noch am besten getickt.
    Ansonst: feiner Text zu gutem Album. Gefälligkeit ist was anderes. Lieber so als sich zu sehr gen Nashville verneigen.

  3. 3.

    schnatter, schnatter, wer neil young mit einer ente vergleicht, kennt sich weder im tierreich noch mit musik aus, schnatter, schnatter

    • 29. Oktober 2010 um 14:04 Uhr
    • KATRIN ZEMAITAT
  4. 4.

    “I´m a poor lonesome cowboy”….

    Neil Young ist nicht “poor”, im Moment kein cowboy, und beileibe erst recht keine Ente…. schnatter schnatter

    ist doch auch schön, einem Noch-Nicht-Rentner auf diese Art und Weise bei der Arbeit zuhören zu können, könnte sich manche ältere Herren der Rock-Musik (bitte nicht Pop!!) eine Scheibe abschneiden!!

    • 30. Oktober 2010 um 10:07 Uhr
    • Rainer Hake
  5. 5.

    wenn man neil young nicht mag,
    was gibt es da noch zu kommentieren.

    • 1. November 2010 um 16:35 Uhr
    • armin göhl
  6. Kommentar zum Thema

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