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Hooks aus dem breiten Kreuz

Von 29. August 2012 um 09:36 Uhr

In ihrem Übungskeller wird Schweiß zu Virtuosität: Baroness aus Georgia spielen allerfeinsten Metal mit Progrock-Erinnerung. Ihr neues Album “Yellow & Green” ist beeindruckend.

© Relapse

Baroness aus Savannah, Georgia, gehören zur jüngeren Generation von Metal-Bands, die sich die Verspieltheit vom Progrock der Siebziger ausleihen und sie verbinden mit kompositorischer Offenheit, Komplexität und wütendem, die geschwollenen Halsadern zeigendem Sludge. Und der wiederum stellt ja nun auch schon eine Hybridbildung aus Doom Metal, Stoner Rock und Hardcore dar. Eklektizismus im Quadrat also.

Neben Mastodon, die damit zur Zeit wohl am meisten Erfolg haben, könnte man Bands wie Kylesa, U.S. Christmas, End of Level Boss, Valkyrie nennen, die alt und neu in einen Topf werfen und einzelne Subgenres in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen zu ihrem eigenen Personalstil verschmelzen. Baroness gelang das schon mit ihren ersten beiden Produktionen, dem Red Album und der Blue Record, auf sehr suggestive Weise.

Es ergab immer wieder einen schönen Kontrast, wenn nach einer rüde gebolzten, akustisch tiefergelegten Grölbreitseite der komprimierte Sound zerfiel, sich diversifizierte in kontemplativer Geräuschmalerei, Hippie-Schwell-Effekten, torkelndem Hard Rock mit psychedelisch-temperierten Leadgitarrenschnörkeln.

John Baizley, der musikalische Kopf, der auch die kongenialen Jugendstilcover gestaltet, hat sich und seiner Band von Anfang an einiges zugetraut und mit Verve und Vehemenz die erprobten Strukturmuster des Metal über den Haufen geworfen.

Nach Red und Blue folgen nun also Yellow & Green, und man darf sich durchaus ein bisschen überfordert fühlen von dieser doppelten Portion Verstiegenheit, Mutwillen und Egozentrik, aber eben auch musikalischem Ingenium.

Das Stumpf-Lärmige des Sludge ist einer stärkeren Anbindung an die Siebziger gewichen, also an jene Zeit, als sich die härteren Spielarten des Rock’n'Roll noch nicht begrifflich ausdifferenziert hatten, und alles, vom Psychedelic, Folk, Blues und Southern Rock, wenn er nur mit dem nötigen Schalldruck und entsprechend dicker Hose vorgetragen wurde, unter dem konzilianten Rubrum “Heavy Rock”, eben noch nicht Heavy Metal, Platz fand. Baroness liegen damit durchaus im gegenwärtigen Genretrend: Die Retromanie ist längst auch hier angekommen, wie die Erfolge von Graveyard, Rival Sons und Freedom Hawk unter Beweis stellen.

Beeindruckend ist das kompositorische Kalkül der Band. Nur selten verliert sich ihr Spiel in Eigenbrötlerei oder Jam-Selbstvergessenheit, die den Stoner Rock oftmals für den Musiker attraktiver machen als für den Hörer. Diese Beliebigkeit fehlt hier ganz: Nicht nur weil die Band immer wieder auf den Punkt kommt und sich Hooks aus dem breiten Kreuz leiert, die man gern ein zweites Mal hört, sondern auch weil die vielen instrumentalen Ab- und Ausschweifungen stets eine gewisse Eingängigkeit auszeichnet. Das klingt improvisiert, ist es aber nicht. Und das riecht bei aller Virtuosität nicht nach Bohnerwachs und Konservatorium, sondern nach Übungskeller und dem Schweiß, den die Musik gekostet hat.

“Yellow & Green” von Baroness ist erschienen bei Relapse.

Nachtrag: Baroness sind vor wenigen Tagen während ihrer England-Tour mit dem Bus verunglückt. Trotz zahlreicher Knochenbrüche zeigen sie sich auf ihrer Website allerdings schon wieder guter Dinge.

Kategorien: Metal, Rock
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Yellow & Green ist ja etwas enttäuschend, im Gegensatz zum genialen Blue Record. Aber zum Einstieg wahrscheinlich besser geeignet, da etwas poppiger und man sich als Hörer nicht sofort an die Wand geklascht fühlt.

    • 29. August 2012 um 13:13 Uhr
    • Fugbaum
  2. 2.

    Herzlichen Dank für diesen Artikel! Habe mir das Album gleich bestellt. Danke!

    • 29. August 2012 um 13:14 Uhr
    • DerRueth
  3. 3.

    Da zöge ich Saxon oder Judas Priest jederzeit vor.

    Was soll hier kongenial sein?

    Langweilig.

    • 29. August 2012 um 13:31 Uhr
    • Zack34
  4. 4.

    Ja, Danke die Herren.
    Endlich mal gute Musik hier am Start.
    Nice! Mehr davon.

    • 29. August 2012 um 13:50 Uhr
    • Fränk
  5. 5.

    einfach klasse die Jungs!
    Korpiklaani und Finntroll sind noch besser! Sorry, aber die beste Metal Musik kommt nun mal aus Finnland.
    Ich bin Jahrgang 58 und von Klassik zu Metal gekommen.
    Grandios!
    Danke Baroness und Gute Besserung!

  6. 6.

    Wenn man an andere ProgMetalHeroes denkt, etwas tralala!

    Jüngeren Datums hier zwei Hörtipps ->
    https://www.youtube.com/watch?v=R77d7B9HBiA
    https://www.youtube.com/watch?v=7F89Q3VLzvI

  7. 7.

    der hype um diese band nervt
    das album wird völlig überwertet
    “Metal-Bands, die sich die Verspieltheit vom Progrock der Siebziger ausleihen”
    wo ist im album der Metal? da schiebt nix sry, bei metal will ich den kopf schütteln
    verspieltheit? das album gähnt vor langeweile, da passiert in einer minute court of the crimson king mehr als hier auf nem doppelalbum
    was daran prog sein soll erschließt sich auch nach dem 5. hören nicht
    ne gewisse retro-psychedelic, ok das lasse ich noch gerade so druchgehen

    • 29. August 2012 um 15:51 Uhr
    • progsnob
  8. 8.

    Hoppla,

    falsches Video verlinkt ->
    https://www.youtube.com/watch?v=6hVrnGBbRd8

    Dann gibt’s noch was zum Chillen obendrauf -> https://www.youtube.com/watch?v=zfp41fqXcE0

  9. Kommentar zum Thema

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