Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs

Neues von Kölns bestem Tanzlehrer

Von 29. Oktober 2012 um 10:16 Uhr

Michael Mayer hat mit seinem Label Kompakt den elektronischen Sound der Domstadt geprägt. Endlich bringt er sein zweites eigenes Album heraus.

© Carlitos Trujillo

Der Mann gehört zum Inventar. Sein schwelgender und hitziger Sound machte Michael Mayer in den späten neunziger Jahren zu einem der besten deutschen DJs. Er ist stilprägend, nicht nur als Mit-Erfinder des zwischen House, Pop und bretthartem Techno schwingenden “Sound of Cologne”, in dessen Mittelpunkt das Label Kompakt steht. Eigene Platten veröffentlich er dennoch ziemlich selten: Nach Touch aus dem Jahr 2004 erscheint nun sein zweites Album. Mantasy ist ein großer Wurf, eine der schönsten und unterhaltsamsten Dance-Platten des Jahres.

Mit Sully öffnet sich die Musik wie ein Vorhang zu einer anderen Welt. Synthie-Nebel steigen aus dem Boden – es klingt, als hätte sich der Blade Runner in Neverland verlaufen. Ein romantisches Panorama breitet sich aus, Michael Mayer liebt Soundtracks. Auf Mantasy wird dies deutlicher als je zuvor, wie etwa in dem schwermütig dahin groovenden Lamusetwa mit seinem cineastischen Streicher-Sample.

Als DJ weiß Mayer, dass der Druck nun steigen muss. Mit Wrong Lap gelingt der erste Hit der Platte: Minimaler Funk pumpt voran und lässt auch auf dem folgenden Titelstück nicht nach. Hier kommt endlich Mayers zweite Liebe Italo Disco mit ihren glitzernden Space-Klängen und lasziven Moroder-Basslinien zum Zuge.

Roses mit seinem verwunschenen Gesangssample gehört ebenfalls zu den vielen großen Momenten auf diesem Album. Geheimnisvoll und seltsam morbide klingt es, wenn Mayer eine schattige Klarinette über die schleppenden, am Dubstep geschulten Beats, kreisen lässt. Das Baumhaus bietet Schutz: Mayer malt einen lichtdurchfluteten Ambient-Track in die Landschaft samt Vogelgezwitscher, Harfe und betörendem Glockenspiel. Wieder ist die Filmmusik ganz nah – Mayer treibt als postmoderner Huckleberry Finn den digitalen Strom hinunter.

Und ganz plötzlich dreht sich das Album. Hatte Mayer es bisher vor allem auf atmosphärische Miniaturen angelegt, regiert nun der Dancefloor-Rhythmus. Rudi Was A Punk leiht sich bei den alten Disco-Punk Helden Konk das Saxofon, Voigt Kampff Test und das herrlich stumpfe Neue Furche sind mit ihrem deftigen Techno-Wumms schlichtweg Kompakt pur. Schön, dass er das nicht verlernt hat.

Ganz am Ende, wenn eigentlich der Abspann laufen sollte, holt Mayer nochmal weit aus: Good Times wird gesungen von Jeppe Kjellberg vom dänischen Dance-Trio WhoMadeWho. Es ist der verspätete Sommerhit dieses Jahres: “No smartphones / no push tones / let’s just have a good time“, singt Kjellberg sehnsüchtig, und Michael Mayers luftiger House-Pop lässt uns von einer besseren Welt träumen. Die Single gibt es auch in der kürzeren Smartphone-Version.

“Mantasy” von Michael Mayer ist erschienen bei Kompakt.

Kategorien: Elektronika, Techno
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ja die Sachen von Michael Mayer sind fett. Schade dass Kompakt ansonsten zu viel Pop macht…

    • 29. Oktober 2012 um 15:07 Uhr
    • Yup
  2. 2.

    Einfach nur langweilig diese Musik, aber auch stumpfsinnig. Fast wie unser gesamtes Fernsehprogramm, zum Beispiel “WettenDAss?”, so ein Unsinn! Ich wäre nur allzugern mal Rezensent Eurer Musikvorschläge. Ich würds besser machen, das habe ich im privaten Bereich schon bewiesen. Bei Fernsehsendungen bin ich aber am besten!Warum besprecht Ihr nicht mal Björk oder Rayne Watlung aus Norwegen?

    • 4. November 2012 um 10:18 Uhr
    • Stefan Niggemeier
  3. 3.

    Ich kann mich dem allgemeinen Jubeln der Kritiker nicht so ganz anschließen. Ich frage mich, ob das Album auch diese Kritiken erhalten hätte, wenn es von einem Newcomer veröffentlich worden wäre. Ich bin immer sehr interessiert an dem, was bei Kompakt so passiert. Deshalb bin ich aber nicht unkritisch.

    Mantasy ist eigentlich sehr einfach. Die Sounds sind nicht groovy. Die Melodien wenig überraschend. Es werden sich ständig wiederholende Samples eingesetzt. Sowas ist lange vorbei. Wirklich gute Laune verbreitet es auch nicht, die Stimmung bleibt recht gedämpft.

    Aber das Album hat andere Stärken. Mayer hat als erfahrener DJ einfach ein unschlagbares Gefühl fürs Timing. Wenn ich mir das Album anhöre, dann tauche ich oft ab, wie ein Wal, versinke in Gedanken, und wenn ich wieder auftauche ist das wieder eine coole Passage.

    Es ist kein schlechtes Album, aber auch kein richtig Gutes. Ich werde es wohl oft spielen, wenn ich Gäste zum Essen hab. Dafür eignet es sich auch super.

    Ich frage mich, wie depressiv Musikkritiker so sind, wenn sie “Good Times” als verspäteten Sommerhit einstufen? Ich mochte das Stück erst, nachdem ich den süßen Videoclip gesehen hab: http://www.youtube.com/watch?v=QDYL1TrBJmM

    Mayer hat das Album allein produziert. Wenn ich mir die genialen Stücke ansehe, die er in Co-Laboration mit anderen produziert hat, dann denke ich, dass er da einfach die viel besseren Einfälle hat. Zum Vergleich hab ich mit das “Supermayer” Ablum noch mal angehört. Das ist im Gegensatz zu Mantasy viel besser. Oder Forever Sweet.
    Mit großer Wonne denke ich an die Remixe von WhoMadeWho, Gui Borato oder Baxendale. Lieber Michael, ich würde mich über ein Album mit anderen Künstlern freuen. Irgendwie bist du da viel besser.

    • 13. November 2012 um 18:42 Uhr
    • snoek
  4. Kommentar zum Thema

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