Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs

Frieden und Haschisch für alle Welt

Von 19. April 2013 um 08:55 Uhr

Snoop Dogg kifft eindeutig zu viel. Jetzt nennt er sich Snoop Lion und glaubt, in seinem Körper lebe Bob Marley. Folglich heißt sein neues Album “Reincarnated”.

© Sony Music

© Sony Music

Wer 80 Joints am Tag verkraftet, der hat auch keine Probleme, an Seelenwanderung zu glauben. Den meisten Dauerkiffern würde es wohl allerdings genügen, diese Erkenntnis den anwesenden Ko-Cannabikanten zu verkünden, während gerade Joint Nummer 81 gebaut wird.

Aber Calvin Cordozar Broadus Jr. ist kein gewöhnlicher Dauerkiffer, sondern einer der bekanntesten Rapper der Welt. Als solcher nutzte er eine eigens einberufene Pressekonferenz in New York, um der Welt mitzuteilen, dass sein Bühnenname von nun an nicht mehr Snoop Dogg, sondern Snoop Lion sei, er nicht mehr Hip-Hop, sondern Reggae spiele, und außerdem sein drittes Auge gefunden und geöffnet habe. Und, ach ja, übrigens sei der alte Snoop nicht nur tot, sondern in dessen Körper lebe nun auch noch der reinkarnierte Bob Marley.

Bekanntlich hatte Marley seinen letzten Körper bereits am 11. Mai 1981 verlassen. Was er in den vergangenen 32 Jahren so getrieben hat, wollte sein neuer Gastgeber bei der Pressekonferenz nicht mitteilen. Aber es hat sich in dieser Zeit anscheinend so viel angestaut, dass innerhalb von nur drei Wochen die immerhin 16 Lieder des Albums mit dem naheliegenden Titel Reincarnated geschrieben, komponiert und eingespielt werden konnten. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ja jeden Tag auch noch diese vielen Joints gebaut und geraucht werden mussten.

Nun ist dies weder der erste Namenswechsel in der Karriere von Snoop noch sein erster Imagewandel. Begonnen hatte er seine Karriere als Gangsta-Rapper Snoop Doggy Dogg unter den Fittichen des G-Funk-Impresarios Dr. Dre. 1998 fiel der mittlere Teil des Namens, und später wurde aus dem juvenilen Gang-Mitglied ein Zuhälter, “America’s Most Lovable Pimp“, wie der Rolling Stone schrieb. Später kamen noch die Rollen dreifacher Familienvater, Gelegenheitsschauspieler und erfolgreicher Unternehmer dazu.

Die letzte Verwandlung ist die bislang radikalste, eine “Wiedergeburt”, sagt der mittlerweile 41-jährige Snoop. In einem Tempel in Jamaika habe er eine Epiphanie erlebt, die praktischerweise gleich dokumentiert wurde in einem Film, der ebenfalls Reincarnated heißt und beim Filmfestival Toronto im September Premiere feierte. Außerdem ist er auf Jamaika auch noch Bunny Wailer begegnet, hat den Rastafari-Glauben angenommen, sich auf den Namen Snoop Lion taufen lassen, begonnen den Namen von Jah zu preisen und entdeckt, dass Gewalt doof und Frieden prima ist. Natürlich wurde auch noch der eine oder andere zusätzliche Joint geraucht.

Das währenddessen entstandene Album deckt souverän alle Facetten des Offbeats ab. Pottgeschwängerter Roots Reggae und elektronischer Dancehall werden unter der Regie von Thomas “Diplo” Pentz mit modernen elektronischen Beats für die urbanen Tanzböden tauglich gemacht. Der Starproduzent dirigiert für Snoop ein ausgesuchtes Ensemble aus versierten jamaikanischen Session-Musikern und Prominenz aus Hip-Hop und R’n'B wie Drake, Chris Brown, T.I., Busta Rhymes oder Akon. Sogar der ehemalige Disney-Teeniestar Miley Cyrus hat sich zu den Aufnahmen nach Jamaika verirrt, um mitzusingen bei einem Stück, das man sich gut als Beschallung für die nächste Bacardi-Werbung vorstellen kann.

In diesem Aufmarsch an Gaststars ist Snoops außergewöhnliche Stimme die einzige Konstante. Die passt mit ihrem schleifenden Duktus und den coolen Zeitlupen-Raps natürlich perfekt zum verzögerten Offbeat des Reggae. Dass Snoop nun den Weltfrieden mit ebenso viel Verve propagiert wie den Konsum von Haschisch ist zwar schön, aber schlussendlich ebenso egal wie die Tatsache, dass er früher eben Prostitution und den Konsum von Haschisch propagierte.

Snoop hatte es schon als Snoop Dogg geschafft, eine Comic-Persönlichkeit seiner selbst zu erschaffen, der man nichts übel nehmen kann. Zum Glück, denn so wirkt die hemmungslose Selbstdarstellung von Snoop Lion nur deshalb nicht peinsam, weil sie zu einer – wenn auch ungewollten – Parodie auf den heiligen Ernst spiritueller Erfahrungen gerät. Und natürlich kann man zu den Tracks von Reincarneted auch ganz prima einen durchziehen.

“Reincarnated” von Snoop Lion ist erschienen bei RCA/Sony Music.

Kategorien: Hip-Hop, Reggae
Leser-Kommentare
  1. 1.

    hm, eins von beiden ist dann aber show.
    wer soviel kifft, ist im allg. nicht mehr besonders denk- und leistungsfähig.

  2. 2.

    Die Zeit hat der gute Mann allerdings auch, weil er eigens Leute dafür einstellt, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als ihm die Joints zu drehen.

    Außerdem sollte man sich davor hüten den guten Mann allzu ernst zu nehmen, immerhin tut er das wohl selbst schon lange nicht mehr.

    Die einzige Frage, die sich allerdings stellt, ist folgende: Wieso kommt sein Album nicht schon morgen in den Handel? Der 20. April wäre doch perfekt, um das neueste Album von Bob Marley nach so langer Zeit in den Handel zu werfen.

    • 19. April 2013 um 10:14 Uhr
    • Jaklim
  3. 3.

    Yo, äh…. ich glaub’, jetzt hab’ ich alles gesehen bzw. gehört…

  4. 4.

    Album ist ein brandheisser Kandidat für die Prof. Dr. Gerhardt Köpke-Medaille.

    This shit is dope!

    • 19. April 2013 um 10:31 Uhr
    • Marion Gomez
  5. 5.

    “Und natürlich kann man zu den Tracks von Reincarneted auch ganz prima einen durchziehen.”

    Peace, Bruder! :P

    • 19. April 2013 um 10:41 Uhr
    • deDude
  6. 6.

    Man kann über ihn sagen was man will, aber ich liebe seine Musik, egal was er macht. Es liegt ihm einfach im Blut.

  7. 7.

    Was genau soll mir dieser Artikel sagen? Das ist weder eine richtige Kritik des Albums noch des Films. Natürlich greifen Sie das Kiffen auf und daneben noch das Kiffen, aber auch das Kiffen…. Ansonsten ist es doch etwas positives, dass jemand der früher Lieder mit zum Teil aggressiven Texten sich nun entscheidet positive Lieder zu verfassen. Das heißt natürlich nicht, dass man das Gesehene oder Gehörte dem Musiker bedingungslos abkaufen muss. Aber dafür bedarf es mehr als nur dämliche Klischees aufzugreifen.
    … Leider kein gelungener Artikel.

    • 19. April 2013 um 11:06 Uhr
    • H.P.B.
  8. 8.

    Schade, dass Sie in Ihrem Artikel nicht erwähnen, dass nicht alle Titel von Snoop Dog (oder wie auch immer) komponiert wurden…
    No Guns Allowed = Beirut: Nantes
    Ein bischen mehr Recherche hätte ich mir hier schon gewünscht.

    Viele Grüße

    • 19. April 2013 um 11:06 Uhr
    • derMart
  9. Kommentar zum Thema

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