Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs

Groove mit Düsenantrieb

Von 14. August 2013 um 17:06 Uhr

Knisternde Energie zwischen Synthie und Sampler: Das Duo Rocketnumbernine bringt Jazzolektrik zum Abheben. Auf den Punkt improvisiert und vibrierend vor Spielfreude.

© Rough Trade

© Rough Trade

Rakete Nummer neun verlässt den Planeten Erde mit einem Groove. Der Flug ruckelt vor lauter Klanglöchern und Lärmturbulenzen. Aus den Antriebsdüsen dröhnen Jazz und Elektronik, im höllisch heißen Strahl verschmelzen sie zu neuer Energie.

So verzückend und genial ist das mit der Jazzolektrik bislang nicht vielen gelungen, Steve Reid und Kieran Hebden allenfalls. Das ist schon eine ganze Weile her. Hier nun sind die Brüder Tom und Ben Page als Rocketnumbernine am Werk, MeYouWeYou heißt ihr Raumschiff. Klöppelt der eine verzwickte Rhythmen, webt der andere dicke Fäden vibrierender Synthetik ein. Das Eine ist dabei nie die Verzierung des Anderen, hier geht es nur gemeinsam voran.

Wundern darf man sich über diese Spielfreude natürlich nicht, sie steckt ja schon im Namen der Band: Rocket ist schließlich nicht nur die Rakete, sondern auch der Rucola. Stinkt das Schlagzeug nach Kerosin und rumpelt und dröhnt es an allen Ecken und Enden, so spenden die Synthesizer würzige Schärfe; Technik und Synthetik sind vom Organischen durchdrungen. Was das Album schließlich so fesselnd und meisterhaft macht – und das war auch das Geheimnis des kongenialen Duos Reid/Hebden – ist die Spannung, die nicht nur zwischen Synthesizer/Sampler und Schlagzeug/Percussion knistert, sondern gleichfalls zwischen dem repetitiv durchgedrehten Deadly Buzz, der hibbeligen Rhythmik in Rotunda und dem sphärischen Rummsen von Slide wirkt.

Es heißt, weite Teile ihres Spiels seien improvisiert. Dennoch klingen die Stücke haargenau auf den Punkt, völlig auskomponiert. Gleichzeitig sind sie offenbar tatsächlich live eingespielt, so intensiv und direkt wirken sie. Und es ist dabei viel weniger die Elektronik, die zum Tanzen einlädt, als der Jazz. Während das Schlagzeug präzise und ungeduldig drängelt, verwischen die Synthesizer meist vor allem den Rückraum, mal blechern, mal wummernd, nur selten geben sie die Struktur.

Schon vor fünf Jahren haben Rocketnumbernine ihr erstes Album You Reflect Me aufgenommen, im Vergleich zu dem infernalisch präzisen Zusammenspiel auf MeYouWeYou klingt das arg rumpelig und zufällig. Nicht weiter bemerkenswert. Doch ganz und gar überraschend ist die neue Qualität nicht: Erst vor einigen Wochen war auf Kieran Hebdens Label Text Records eine Vinylmaxi mit den famosen Stücken Roseland und Metropolis erschienen, beide gemeinsam mit Hebdens Alter Ego Four Tet aufgenommen. Auf MeYouWeYou sind sie aber leider nicht zu hören.

Mit Matthew and Toby landet die Rakete nach kaum einer Stunde. Das Album schleppt sich letztlich so abgeschmackt durch obskure Funkjazz-Zitate, da ist Rocketnumbernine doch wohl tatsächlich kurz vorm Ende der Treibstoff ausgegangen.

“MeYouWeYou” von Rocketnumbernine ist erschienen bei Smalltown
Supersound/Rough Trade.

Kategorien: Elektronika, Jazz
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die Drogen um Rakete9 was abzugewinnen, möchte ich nicht nehmen…

    • 14. August 2013 um 23:57 Uhr
    • Vudu
  2. 2.

    Hoch-hoch gejubelt …vielleicht funktionierts …
    Und wieder wird was ,auf komm Teufel heraus , künstlich hochgepusht . (…Von der Redaktion gekürzt. Bitte unterlassen Sie derlei unverschämte Unterstellungen und halten Sie sich an die Netiquette, wenn Sie hier kommentieren möchten…) Weder Rakete ..noch genial ..noch Spielfreude ..noch ….famos ….(etwas gar viel superlative im Werbebändchen…)

    Schlicht ne weitere schlaffe verkrampfte Studentenband … Da gibts weit besseres als solche Gehirnkrämpfe und dies ist leider nicht Gemackssache .
    Ich stelle mir gerade ein paar verkrampfte esotherische Tänzer-innen vor, die zu solch stimmungslosem Rumgepruztel knöchern herumzucken.

    • 15. August 2013 um 01:57 Uhr
    • Sandra
  3. 3.

    Wasn das für ein Müll?

    • 15. August 2013 um 11:26 Uhr
    • Horst
  4. 4.

    @Horst: Meinen Sie damit Ihren Beitrag? Wir freuen uns hier sehr über konstruktive Kommentare und ernst gemeinte Argumente. Beste Grüße aus der Redaktion

    • 15. August 2013 um 11:30 Uhr
    • Rabea Weihser
  5. 5.

    @ 1 + 2. kommentar:

    typische reaktionen von liebhabern ausgetretener bravo-hits-musik-pfade oder anderer hitparaden-massen-pop-abfälle (unfälle?). wenn sich der neue höreindruck vom alten unterscheidet, nicht mehr in das erlernte hör-schema der einfach gestrickten melodien und rhythmen passt, dann ist es “doof” und kategorisch abzulehnen. basta, keine widerrede. da werden gaaanz viele zu experten – auf JEDEM gebiet: kunst, film, musik …

    manchen bereitet neues “gehirnkrämpfe” (schade, dass das so ist. vielleicht durch häufigeren gebrauch jenes organs zu vermeiden), andere setzen vorhergehenden drogenkonsum voraus, um sich überhaupt auf etwas “unerhörtes” einzulassen … der tenor solcher kommentare ist über jahrzehnte und jahrhunderte der gleiche: menschen, die ihre scheuklappen lieben und sich nackt, verunsichert und fremd fühlen, sollten sie diese mal ablegen. eure eltern, großeltern haben genau so auf das reagiert, was euch heute gefällt.
    sei es metal, elektronische musik, jazz etc. … immer schön draufprügeln und abwertend bezeichnen (siehe “negermusik”).

    für das ganze gibt es übrigens ein passendes, rustikales sprichwort, das die generationen VOR euch ebenso denen aufs brot schmierten, die unaufgeschlossen und konservativ neuem gegenüber waren, sich später aber meistens dann doch selbst für den bäuerlichen life-style entschieden:

    “was der bauer nicht kennt, frisst er nicht”.

    • 15. August 2013 um 11:50 Uhr
    • AFX
  6. 6.

    Well – we’re coming to your wonderful country in October
    so you can come and hear what RocketNumberNine is about…;)
    Sorry to post in English.

    • 15. August 2013 um 21:18 Uhr
    • RN9
  7. 7.

    Gäbe es Gesang dazu, wäre die Musik origineller. So, bestenfalls als Hintergrundmusik für improvisierte Läufe zu mit anderen Instrumenten zu gebrauchen. Yeah.

    • 16. August 2013 um 09:10 Uhr
    • ogolnn
  8. 8.

    Oh Mann, die Kommentare hier waren aber auch schonmal schlauer.

    • 16. August 2013 um 22:56 Uhr
    • Kalle Anka
  9. Kommentar zum Thema

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