Kinder des globalen Dorfs

Hippies und Hipster rücken näher zusammen – und so klingt es dann: Das multikulturelle Quartett Cristobal And The Sea veröffentlicht Folkpopsongs, so schön wie Weihnachtsgeschenke.

© City Slang/Universal
© City Slang/Universal

Was zuerst auffällt: Die Hipsterbärte. Dann, dass die Mitglieder aus aller Herren Länder stammen. Schließlich: Die musikalische Anmutung wirkt fast so schluffig wie das Auftreten. Aber nein, sorry, Cristobal and the Sea sind nicht der neueste Schrei aus Berlin. Weiter„Kinder des globalen Dorfs“

 

Zurück zum Innenohr

Ein schwedisches Ehepaar auf der Suche nach der Urkraft der Musik: „Rhythm“ von Wildbirds & Peacedrums hat alle Widerhaken, die dem heutigen Allerweltspop fehlen.

© Klara Kaellstromen/Tobias Faeldt
© Klara Kaellstromen/Tobias Faeldt

Übers paläoanthropologische Gebaren ist wenig mehr bekannt, als dass wir gegessen, geschlafen, gevögelt, gesammelt, gejagt und irgendwann Werkzeug benutzt haben. Selbst, ob die ersten Hominiden musizieren konnten, bleibt bloße Spekulation. Doch wenn sie es taten, so viel erscheint sicher, dann mit Stimme und Stöckern, Steinen, allem was rummst.

Wildbirds & Peacedrums sind so gesehen Atavismen der weiten Welt des Klangs. Weiter„Zurück zum Innenohr“

 

Draußen, wo die Möwen singen

Stevie Jones und sein Kammerorchester Sound of Yell entlocken dem Folkpop die Natur. Das Album „Brocken Spectre“ ist wie gemacht für Optimierungsmüde mit Sehnsucht nach Ursprünglichkeit.

© Broken Spectre
© Chemikal Underground

Dass die Natur nicht nur über einen äußerst eigentümlichen Sound verfügt, sondern auch ziemlich komplex vertont werden kann, hat schon so mancher klassische Komponist bewiesen. Bedřich Smetanas berühmte Moldau zum Beispiel verwandelte dessen böhmische Heimat 1882 in eine mal plätschernde, mal reißende Sinfonie. Weiter„Draußen, wo die Möwen singen“

 

Der einsamste Bastard

Vor 13 Jahren hat Damien Rice der Welt das Herz gebrochen, vor acht zum letzten Mal die Scherben verpackt. Der irische Singer-Songwriter hat immer noch Liebeskummer. Es reicht langsam.

© Atlantic
© Atlantic

Bitter ist er geworden. Ein einsamer Mann, der nach all den Jahren immer noch seiner großen Liebe hinterhertrauert und nicht verstehen will, dass es ihr ohne ihn längst viel besser geht. Weiter„Der einsamste Bastard“

 

Songs gegen die Schwerkraft

Mit Weyes Blood möchte man sich dorthin verirren, wo kein Handy mehr Empfang hat. Auf „The Innocents“ besingt die Amerikanerin das typische Coming-of-Age-Programm. Diese Stimme!

© Shawn Brackbill
© Shawn Brackbill

Natalie Mering singt wie ein Krokodil mit ausgehängtem Kiefer, das sagt sie zumindest selbst. Auf The Innocents, ihrem zweiten Album unter dem Künstlernamen Weyes Blood, beeinflusst die Stimme der Musikerin aus Pennsylvania das Geschehen so vollständig, wie selten ein einziges Instrument eine Platte bestimmt. Weiter„Songs gegen die Schwerkraft“

 

Selten klang Zwiespalt schöner

Wer Haley Bonar nicht verfällt, muss kaltherzig sein. Die wundervolle Folkmusik der Amerikanerin schreit aus den Tiefen des Pop, ohne laut zu werden.

© Memphis Industries
© Memphis Industries

Aus den stillen Ecken des Pop kommen zuweilen erstaunlich laute Töne. Sie klingen zunächst gar nicht so, platzen aber schier vor Kraft. Erinnert sei da an Talk Talk, deren Sänger Mark Hollis zu Beginn der Achtziger aus voller Kehle zu schreien schien, dabei das Gegenteil von Geschrei erzeugte und dennoch bis auf den Grund der Seelen vordrang. Weiter„Selten klang Zwiespalt schöner“

 

Starke Familienband

Beispielhaft: Junior und Senior machen Musik. Der Wilco-Sänger Jeff Tweedy und sein Sohn, der Schlagzeuger Spencer Tweedy, veröffentlichen ihr erstes gemeinsames Folk-Album.

© Piper Ferguson
© Piper Ferguson

Man wird ja nicht jünger. Ein Schicksal, das selbst Helden ereilt. Auch Jeff Tweedy ist mittlerweile alt genug, mit dem eigenen Nachwuchs zusammen Musik zu machen. Weiter„Starke Familienband“

 

Der Kopf wird ganz Ohr

Cold Specks ist die gute Hexe des Untergrunds. Mit dem düsteren Soulfolk ihres zweiten Albums verzaubert sie alle, die sich ihr bereitwillig ergeben.

© Steve Gullick
© Steve Gullick

Es gibt Menschen, zu denen man so etwas wie ein vorauseilendes Stockholm-Syndrom entwickelt. Die gerne von einem besessen sein und ein besonders gründliches Auge auf einen werfen sollen, egal, wie ungesund das enden mag, solange man sich nur kurz mal selbst nicht um sich sorgen muss. Weiter„Der Kopf wird ganz Ohr“

 

Lieder als Freund und Helfer

Vor zwei Jahren starb der wundervolle Hamburger Songwriter Nils Koppruch. Jetzt haben seine Kollegen 28 Stücke neu eingespielt. Das Tribute-Album zeigt vor allem, wie gut das Original war.

© Kerstin Schomburg
© Kerstin Schomburg

Als Nils Koppruch starb, hat er uns zurückgelassen. Allein gelassen. Er hat uns sitzen lassen in dem ganzen menschlichen Elend, das er in seinen Songs so lakonisch auszubreiten verstand. Weiter„Lieder als Freund und Helfer“