Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs
Kategorie:

Pop

Heilung für gestresste Großstadtseelen

Von 1. September 2014 um 08:00 Uhr

Zoot Woman waren die Vorreiter des Electroclash. In ihrem vierten Album Star Climbing clasht gar nichts mehr. So what!?

© Jon Furley

© Jon Furley

Wer das Wort “Zusammenprall” im Label trägt, sollte es eigentlich tüchtig krachen lassen. Zumindest war das vor gut zehn Jahren der Fall, als monoton mäandernder Synth Pop auf harten Rock stieß und sich fortan Electroclash nannte.

Nicht ganz unerheblich für diese Entwicklung war seinerzeit eine Band namens Zoot Woman. Ihr Debütalbum Living In A Magazine hat das Genre 2001 je nach Lesart entweder befeuert, womöglich gar begründet. Schließlich rasselten da plötzlich Gitarren und Gesänge unter die Synthesizer, wie es sie zuletzt im frühen Rave der späten Achtziger gegeben hatte.

Hurra – im jungen Jahrzehnt war bereits ein frischer Stil geboren! Und eine Hypothek. Denn seither musste sich das britische Quartett um sein Mastermind Stuart Price stets am bewegenden Anfang messen lassen. Das ging ein zweites Album lang ganz gut, das dritte dann schon nicht mehr so richtig. Jetzt erscheint mit Star Climbing Nummer vier und hier clasht dann eigentlich gar nichts mehr.

Stattdessen ergehen sich die elf Stücke in einer elektronischen Geschmeidigkeit, in die herzlich wenig hineinstößt, schon gar keine Gitarren. Star Climbing ist in seiner monoton mäandernden Synthipopigkeit so rockig wie ein Abend mit Jean Michel Jarre. Das kann man bedauern, man kann es aber auch hinnehmen und einem warmen Sommerregen gleich an sich vorüberrauschen lassen.

Bis das Album mit der passend betitelten Rock’n’Roll Symphony zur Plattenmitte hin tatsächlich etwas Fahrt aufnimmt, sind bereits vier Tracks durchs Innenohr geweht, als wäre es ein einziger. In The Stars Are Bright Richtung Finale wird es zwar kurz mal beinahe zackig. Danach aber erinnert nur der dauernde Dopplereffekt daran, dass Zoot Woman mal wilder mit den Elementen gespielt haben.

Und so gerät das D im Kürzel EDM eher zur Electronic Dream als Dance Music. Kein Schwung, keine Inspiration, kein Aufwühlen, geschweige denn Umwälzen, aber – so what?! Mit Prices wachsweicher Schmusestimme über, unter, in allem, verfolgt das vierte Album in 13 Jahren eben keine Strategie gezielter Disharmonie; Zoot Woman liefern einfach den lässigen Soundtrack zur gepflegten Langeweile eines Spätsommersamstagnachmittags.

Da verkantet nichts, da fusioniert wenig, da wird einfach nur gediegen zur Entspannung animiert. Mit Jasmin O’Mearas nie versiegenden Orgelfetzen. Mit Adam Blakes Schlagzeug, das scheinbar inexistent doch immer wieder für unterschwellige Beschleunigung sorgt. Mit Prices Gesang, der von nichts Tiefgründigeren singt als irgendwas mit “Closer”, das im Reim auf “Longer” in drei, vier, fünffacher Wiederholung verhallt, bis man beim Zuhören auf herbstwiesenhafte Weise sediert ist.

Das lässt sich weit einfacher lieben als mögen – elegant bleibt Star Climbing dennoch, wohltuend und heilsam für gestresste Großstadtseelen. Und mal ehrlich: Electroclash ist ohnehin längst Geschichte. Bis das neue, große Mashup-Ding kommt. Vielleicht Doom-Metal-Easy-Listening. Das machen dann aber andere.

“Star Climbing” von Zoot Woman ist erschienen bei Embassy One.

Kategorien: Elektronika, Pop

Nur wegen der Party?

Von 8. August 2014 um 11:18 Uhr

Die musikalischen Geschwister Julia und Angus Stone wollten nach erfolgreichen Alben getrennte Wege gehen. Dann rief Rick Rubin an und überredete sie zu einer neuen gemeinsamen Platte. Das hört man leider.

© Jennifer Steinglen

© Jennifer Steinglen

Mal ein Gedankenspiel: Sie haben sich vor Kurzem von ihrem Partner getrennt. Beide sind Sie nun Single, und zwar nicht unglücklich – da ruft der reiche Onkel aus Amerika an und verkündet, er habe endlich den perfekten Ort für die Hochzeitsparty gefunden. Weiter…

Kategorien: Pop

Hits vom Grill

Von 6. August 2014 um 12:44 Uhr

Jeder Sommer braucht seinen Beachparty-Kracher. Zu Tofuwurst, Hüftsteak, Frozen Yogurt und Erdbeerbowle passt Porter Robinsons Album Worlds perfekt. Nicht fein, aber ziemlich lecker.

© Universal Music

© Universal Music

Der Sommer ist die Jahreszeit leichter Genüsse. Man lümmelt am Strand herum und lässt sich entspannt rösten. Serviert werden warme Limo und Softeis, abends dann schlichte Grillage zum Bier und je nach Appetit auch mal Süßigkeiten wie Slush Puppie, Erdbeerbowle, Mundzementierer also. Weiter…

Kategorien: Elektronika, Pop

Lieder aus Feindschaft

Von 4. August 2014 um 08:00 Uhr

Spoon sind das unversöhnliche Rock’n’Roll-Gewissen der USA. Auch ihr neues Album verbietet sich jede Altersmilde und zeigt die Band doch als große Soul-Gönner.

© Tom Hines

© Tom Hines

Der texanische Rockmusiker Britt Daniel hat viele Stärken. Vergeben und Vergessen gehören nicht dazu. Als seine Band Spoon Ende der neunziger Jahre mit dem einzigen Major-Label-Album ihrer Karriere floppte und von ihrem Förderer Ron Laffitte fallengelassen wurde, schrieb Daniel gleich zwei eindeutig adressierte Songs über den Talentscout Weiter…

Kategorien: Pop, Rock

Die Legende vom Straßengeschichtensammler

Von 30. Juli 2014 um 08:00 Uhr

Es gibt ja wirklich viele Singer-Songwriter. Aber Jeff Beadle macht seine Sache außerordentlich gut. Sein Album The Huntings End geht auf Zeitreise durch die Folkgeschichte.

© Mike Palmer

© Mike Palmer

Um im Strom der folkinspirierten Songwriter nicht an der ersten Flussbiegung schon auf dem Trockenen zu landen, sollte sich jeder Liedermacher ein Alleinstellungsmerkmal zulegen. Weiter…

Kategorien: Pop

Sehr hübsch nachgespielt

Von 28. Juli 2014 um 12:30 Uhr

Wie man als norddeutsche Trashrockband zu Erfolg kommt? Neues Image suchen und die Musik der Nachfrage anpassen. Rhonda machen jetzt netten Retrosoul in perfekter Kopistenmanier.

© PIAS

© PIAS

Es war einmal eine Band, die hatte keinen großen Erfolg, aber auch keinen allzu kleinen. Sie kopierte mit großer Liebe zum Detail und Leidenschaft für die richtige Stimmung angloamerikanische Vorbilder. Weiter…

Kategorien: Pop, Soul

Summer of ’96

Von 21. Juli 2014 um 10:37 Uhr

Gleich doppelt retro und so kurzweilig wie Tumblr: Die jungen kanadischen Fuzzpopper Alvvays verblenden das Schönste der Siebziger und Neunziger auf ihrem Debütalbum.

 © Gavin Keen

© Gavin Keen

Man muss sich das in etwa vorstellen wie einen Fernseher mit kaputter Bildröhre, über den sämtliche Sonnenwiesen-Foto-Tumblr laufen. Große Kunst wäre das nicht unbedingt, aber ein unwiderstehlich schönes Rauschen, das seine Fans nicht lange suchen müsste. Weiter…

Kategorien: Pop

Kreuzberger Nächte sind weich

Von 18. Juli 2014 um 08:00 Uhr

Coldplay-Wehmut für Stadionhasser: Fin Greenall alias Fink ist nach Berlin gezogen. Anstatt sich der rauen Stadt anzupassen, werden seine Folksongs immer plüschiger.

© Tommy N Lance

© Tommy N Lance

Fin Greenall lebt jetzt in Berlin. In Kreuzberg offensichtlich. Weiter…

Kategorien: Folk, Pop

Liebe ist nur ein Luxusproblem

Von 16. Juli 2014 um 12:41 Uhr

Das Duo Slow Club verneigt sich vor Marvin Gaye und Aretha Franklin. Sein neues Album “Complete Surrender” bringt den Soul auf den Punkt und macht ihn zu einem kathartischen Erlebnis.

© Caroline/Universal

© Caroline/Universal

Daniel Radcliffe wird auf ewig Harry Potter bleiben. Ein Zustand, der den Schauspieler bekanntlich nicht allzu glücklich macht. Ob er auch auf ewig Fan von Slow Club bleibt, wird man noch sehen müssen. Weiter…

Kategorien: Pop, Soul

Der beste Langweiler der Welt

Von 14. Juli 2014 um 17:04 Uhr

Von Sébastien Tellier lässt man sich allzu gern sedieren. Die watteweichen Popsongs auf seinem neuen Album “L’Aventura” entführen den Hörer in den brasilianischen Dschungel.

© Rough Trade

© Record Makers

Wer sich einlullen lässt, wird für gewöhnlich mit Langeweile sediert, der Schwere des schlichten Gedankens. Diesem gleichförmigen Trott des Banalen zu entkommen, gelingt daher nur mit größter Mühe. Sofern man das denn überhaupt will. Weiter…

Kategorien: Folk, Pop