Musik zwischen Disko und Diskurs
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Punk

Brüll drei Worte zum Pogo

Von 9. Januar 2008 um 15:29 Uhr
Über die Jahre (30): Anfang der achtziger Jahre brachte die schottische Band The Exploited den Irokesenschnitt in den Punk. Ihr Album „Troops Of Tomorrow“ vertonte die Wut einer Generation

The Exploited Troops Of Tomorrow

Wenn Wattie Buchan gerade keinen seiner Texte brüllt, kümmert er sich um sein Piercing in der Unterlippe. Seine Zunge tastet und richtet, was er da tut, weiß man nicht. Immer wieder spuckt er auf den Boden, sein Irokesenschnitt leuchtet rot. Seine Band The Exploited knüppelt sich derweil durch die Stücke. Die Aufpasser vor der Bühne in Hannovers Scum-Club interessiert das alles nicht, sie starren böse in die Menge. Da nur ein paar Millimeter Platz zwischen ihnen und dem Publikum sind, wippen die Besucher zögerlich mit den Füßen, keiner wagt den Pogo. Erst als Wattie Buchan die Aufpasser an die Seite schickt, wird wild getanzt. Beim letzten Stück stürmen ein paar Leute auf die Bühne und schreien ins Mikrofon. Den Text von Sex And Violence können sie alle auswendig, er besteht nur aus drei Wörtern.

The Exploited haben sich im Jahr 1980 in Edinburgh gegründet, sie gehören zur zweiten Generation des britischen Punk. Im folgenden Jahr veröffentlichen der Sänger Wattie Buchan, der Gitarrist John Duncan, der Bassist Gary McCormack und der Schlagzeuger Andrew Campbell ihr Debütalbum Punk’s Not Dead. Es klingt hart, schnell und wütend. Anders als die Sex Pistols, The Clash und viele andere Bands der ersten Punk-Generation haben The Exploited nichts mit Mode und Kunsthochschulen zu tun – sie kommen von der rauen Straße.

Im Jahr 1982 erscheint das zweite Studio-Album, Troops Of Tomorrow. Es gilt als eine ihrer wichtigsten Veröffentlichungen. Professioneller produziert als das Debüt, ausgereifter und dennoch ungeschliffen, transportiert es die Wut junger Menschen aus der Arbeiterklasse. Es spiegelt die politische Situation im Großbritannien der Thatcher-Ära, thematisiert den Kalten Krieg und die hohe Arbeitslosigkeit. Eine Vertonung dieser Zeit, ein Wutausbruch eines Milieus, das dafür keine klügeren Worte fand oder finden wollte.

So aggressiv die Musik und der Gesang sind, so simpel sind viele der Texte, nicht nur auf diesem Album. Die gebrüllten Worte sind kaum verstehen, die Botschaften kommen meist trotzdem an. Mit seinem harten schottischen Akzent schreit Wattie Buchan gegen den Kapitalismus und die Obrigkeitshörigen, gegen die Armee und den Falkland-Krieg. Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher nennt er eine “fucking cunt”, er schimpft auf die Polizei und die USA. Im Lied Alternative befindet er, die Armee sei keine Alternative zur Arbeitslosigkeit – als ehemaliger Berufssoldat spricht er aus Erfahrung. Das Titelstück ist eine Coverversion der britischen Punk-Band The Vibrators. Andrew Campbell verlässt The Exploited vor den Aufnahmen, auch seine Nachfolger Danny Heatley und Steve Roberts trommeln nur für kurze Zeit. Auf dem folgenden Album ist von der ursprünglichen Besetzung nur noch Wattie Buchan übrig: Er wurde zum Kern der Band. Über die Jahre kommen und gehen viele Musiker, der raue Klang bleibt.

Die Nietenlederjacken und das Logo der Band – ein brüllender Totenschädel mit Irokesenschnitt – prägen die Szene. Es heißt, The Exploited brachten eine neue Frisur in den Punk. Dennoch sind sie in den meisten Abhandlungen über das Genre nur eine Randnotiz. Sie sind umstritten, zu stumpf das Auftreten, die Musik zu nah an Oi! und dem Arbeiterklassen-Mob. Vielen Punks klingen ihre Alben zu sehr nach Metal.

Wattie Buchan sagt stets, man solle für sich einstehen und für das, woran man glaubt. In seinem Fall sind das Punk, Anarchie und Chaos. Noch heute ist er ein Rüpel mit einer Vorliebe für Schimpfwörter und ohne Sinn fürs politische Korrekte. Man muss das nicht mögen. Aber Exploited sind eben Exploited: Ihre Lieder sind eingängig, stumpf – und manchmal richtig gut.

„Troops Of Tomorrow“ von The Exploited ist im Jahr 1982 erschienen und über Captain Oi! erhältlich.

Weitere Beiträge aus der Serie ÜBER DIE JAHRE
(29) Low: „Christmas“ (1999)
(28) Nena: „Nena“ (1983)
(27) Curtis Mayfield: „Back To The World“ (1973)
(26) Codeine: „The White Birch“ (1994)
(25) The Smiths: „The Queen Is Dead“ (1986)
(24) Young Marble Giants: „Colossal Youth“ (1980)

Hier finden Sie eine Liste aller in der Serie erschienenen Beiträge.

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Kategorien: Punk

Whiskey, Bier und keine Füller

Von 8. Oktober 2007 um 17:25 Uhr
Auch wenn dieses Lob gegen die zehn Gebote der Musikkritik verstößt: “Wasser kommt Wasser geht” von Captain Planet ist die beste deutsche Punkplatte seit Langem.


Vorgestern Abend in der Wunderbar, Westerstede. Mehr schlecht als recht mühen sich zwei lokale Bands auf der winzigen Bühne ab. Die eine macht Hardrock, die andere hat gar keinen Stil. Ob man die hier kenne, frage ich meinen Stehtisch-Nachbarn. Hier in der Gegend schon, sonst eher nicht. „Aber die andere Band, die noch spielt, ist ziemlich bekannt, die kommen sogar aus Hamburg oder so.“ Sogar. In der niedersächsischen Provinz steht Hamburg für Qualität.

Die andere Band heißt Captain Planet und macht Punk mit deutschen Texten. Und Bekanntheit ist relativ. Vor zwei Jahren haben sie eine Vinylsingle mit vier Liedern veröffentlicht, Unterm Pflaster der Strand. Die erste Auflage von rund 600 Stück ist mittlerweile vergriffen, es wurde eine zweite gepresst. Sie spielen in kleinen Läden, die sind meistens voll. Auch in der Wunderbar drängen sich 60, 70 Leute zwischen Bar und Bühne. Vorne wird getanzt und mitgesungen, hinten trinkt man Whiskey und Jever vom Fass. Ein einzelner Punk im Publikum entspricht dem Klischee.

Die vier Jungs auf der Bühne tun es nicht, Punk ist heute nicht mehr die Kombination aus Musik und Mode, die er in den späten Siebzigern war. Im Jahr 2007 ist man auch mit kurzen Haaren, T-Shirt, Jeans und Turnschuhen glaubwürdig. Der Schlagzeuger Sebastian Habenicht hat heute Geburtstag, die Band hat offensichtlich riesigen Spaß am Spiel und ist dem Publikum gegenüber ausgesprochen höflich. Vielleicht weil es der letzte Auftritt einer dreiwöchigen Tour durch die Republik ist, vielleicht aber auch, weil die Musiker so betrunken sind, dass sie sich überall wohlfühlen würden. Als einzige Band des Abends bringen sie wirklich Energie auf die Bühne.

Wasser kommt Wasser geht ist das erste Album von Captain Planet. Und auch, wenn dieses Lob gegen mindestens zwei der goldenen Gebote Volker Matzkes verstößt: Es ist die beste deutsche Punkplatte seit Langem. Keines der elf Stücke klingt unausgegoren oder kompromisshaft, all killer, no filler sagt man in England. Nicht dass der Deutschpunk daniederläge, viele großartige Platten entstanden in der letzten Zeit. Im Vergleich zu Wasser kommt Wasser geht haben sie aber alle ihre – kleinen – Schwächen. Captain Planets Texte sitzen besser als die von Turbostaat. Die Lieder sind noch druckvoller als Matulas fabelhaftes Debüt Kuddel, der Gesang ausgefeilter als der auf Duesenjaegers Schimmern, die Kompositionen sind feinsinniger als die von Antitainment oder Kommando Sonnenmilch. Auch die Produktion ist brillant.

Arne von Twistern schreibt und singt kluge Texte, stellenweise schreit der Gitarrist Benni Sturm im Hintergrund die zweite Stimme. Sebastian Habenicht und Marco Heckler bauen mit Schlagzeug und Bass ein stabiles Gerüst, auf dem die beiden anderen sicher turnen. Die Gitarre malt originelle Melodien, immer wieder gibt es Tempowechsel und Brüche. Arne von Twisterns Worte sitzen, das ist das Besondere. Keine Zeile wird verschleppt, nirgendwo holpert der Vers. Gereimt wird ohnehin nicht. „Heute Nacht hab’ ich die Welt verstanden“, ruft der Sänger, „und sie mich“. Seine Texte stecken voller Erinnerungen an vergangene Sommer, ans Unterwegssein, an Menschen und Orte. Er singt vom „Kopfkissen meiner Erinnerung“, das ist keine Metapher, sondern sehr greifbar.

Das Stück Ohne Worte trägt eine Beziehungskrise in den Wilden Westen: „Zwölf Uhr mittags, am Ende der Straße scheint der Mond.“ Statt der Pistole umklammert seine linke Hand eine Bierflasche. Sie schweigen sich an: „Sieben Minuten ohne Worte, tausend Kilometer von deinem Mund zu meinem Ohr.“ Einen Gewinner gibt es nicht.

Bei Hols Stöckchen bitte klingt die gesungene Melodie ein bisschen nach Nena: „Jetzt suchen sie schon mit dem Hubschrauber nach dir, jeder Lichtkegel am Himmel, der gilt dir.“ Aber das geht in Ordnung, denn wenn Nena ein Talent hat, dann sind es schließlich die Melodien.

Viele Texte entfalten etwas Poetisches, wenn man sie einfach nur mitliest …

„Zwischen Himmel und Alster
Ein schäumendes Meer
Ein Fußballplatz im Hinterhof
Das Geld in deiner Tasche
So gut behütet und dann doch gestohlen
Im falschen Moment das Richtige getan
Und umgekehrt
Ich geh nicht mehr nach draußen
Wenn es regnet.“

… heißt es in Auftauchen um Luft zu holen.

Ein Motiv zieht sich durch beinahe alle Lieder: Wasser kommt und geht, aber meistens ist es da. In Wespenstich rieselt der Regen durch das löchrige Dach, in Ohne Worte haben die Autos Tropfen auf den Scheiben. Auch in den meisten anderen Stücken regnet es. Immerhin zweimal scheint die Sonne, so ist das in Hamburg.

„Wasser kommt Wasser geht“ von Captain Planet ist als LP und CD erschienen bei Unterm Durchschnitt.

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Turbo A.C.’s: „Live To Win“ (Bitzcore 2007)
The Monsters: „The Worst of Garage Punk Vol. 1“ (Voodoorhythm 2007)
Matula: „Kuddel“ (Zeitstrafe 2007)
Gorilla Biscuits: „Start Today“ (Revelation Records 1989)
Düsenjäger: „Schimmern“ (Go-Kart Records 2006)

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Kategorien: Punk

Strip-Poker mit Tollenrock

Von 10. September 2007 um 14:36 Uhr

Die Turbo A.C.’s aus New York City gehören auf die Bühne. Die Männer im Publikum schätzen den schmierigen Punk’n’Roll der Band, die Frauen vergucken sich auch mal in den Sänger.
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Kategorien: Punk

Drei Takte und ein Uaaaaaaaaah

Von 20. Juli 2007 um 18:11 Uhr

Die Monsters feiern Geburtstag. Unsere Autorin gratuliert zu 20 Jahren verstimmter Gitarren im Untergrund: ein paar Worte statt Torte.
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Kategorien: Punk

Husum gut

Von 20. April 2007 um 00:15 Uhr

Matula aus Neumünster hassen ihre Umwelt kaum, viele Texte klingen sogar irgendwie romantisch. Sind da nicht doch Hippies am Werk?

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Kategorien: Punk

Ein Schwarm schlauer Bienen

Von 11. Dezember 2006 um 01:27 Uhr

Über die Jahre (18): Die New Yorker Band Gorilla Biscuits spielte 1989 auf ihrer Platte “Start Today” frühreife Lieder vom Ende der Jugend − zwölf Stück in 20 Minuten
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Kategorien: Punk

Bis die Nachbarn klopfen

Von 1. November 2006 um 00:39 Uhr

Der Sänger kann nicht singen, die Gitarren sind ruppig, die Lieder kurz. Es ist Punk! Duesenjaeger spielen ihn mit Humor und deutschen Texten. “Schimmern” kann man sogar mögen, wenn man schon ein bisschen älter ist

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Kategorien: Punk

Poesie durch Mühe

Von 29. September 2006 um 00:45 Uhr

Der Pianist Bill Wells tastet sich Note um Note durch kinderliedhafte Kompositionen. Das japanische Bläser-Ensemble Maher Shalal Hash Baz versucht ihn zu begleiten – was aufs Schönste misslingt


Cover Osaka Bridge

Bill Wells aus Glasgow experimentiert unerschrocken an den Rändern von Jazz und Rock. Der Pianist gehört zum Umfeld des über Schottland hinaus bekannten Pop-Projektes Belle & Sebastian und hat als 50-Jähriger musikalisch schon so einiges erlebt. Jetzt aber, am Telefon, wenn er von der Zusammenarbeit mit Maher Shalal Hash Baz erzählt, hört man ihn am anderen Ende der Leitung unvermutet lachen und sieht ihn seinen Glatzkopf schütteln, so als könnte er es noch im Rückblick nicht ganz fassen, was er da angestellt hat.

Beim Namen fängt es an. Da nennt sich ein japanisches Ensemble nach einem hebräischen Sprichwort: Maher Shalal Hash Baz – „Sei schnell, wenn du etwas erbeuten willst“. Das Ensemble spielt aber unglaublich langsam. Und es spielt unglaublich lange, seit über zwanzig Jahren schon, in wechselnden Besetzungen, bloß spielen kann es immer noch nicht.

Maher Shalal Hash Baz will auch gar nichts können. Wer das Album Osaka Bridge zum ersten Mal hört, traut seinen Ohren kaum. Am Klavier Mr. Wells mit seinen kinderliedhaften Kompositionen: Umsichtig, gleichsam satiehaft, tastet er sich Note um Note voran. Ihn begleiten auf Trompeten und Hörnern, Gitarren und Trommeln Japaner, die trotz des Schneckentempos größte Mühe haben, Schritt und Ton zu halten.

Mal klingt das nach einer eingerosteten oberitalienischen Dorfkapelle alter Partisanen, die sich nur noch zu Trauermärschen zusammenfinden, wenn sie einem der ihren die letzte Ehre erweisen müssen. Mal erinnert es an Tanzmusik aus den fünfziger Jahren – an einen Bert Kaempfert, dem ein schweres Gebrechen jede Eloquenz und rhythmische Akkuratesse genommen hat. Wenn man so will: Uneasy Listening.

Manch ein Musikfreund wird diese Platte nicht genießen können. Wenn er sich jahrelang mit einem Instrument gequält hat, um die schiefen Töne und Quietscher stündlich aufs Neue auszumerzen. Getrieben von der Suche nach spielerischer Sicherheit und Beherrschung des Materials, aus der in guten Momenten Brillanz erwächst.

Tori Kudo, dem Begründer des Projektes Maher Shalal Hash Baz, geht es genau ums Gegenteil. Der Unklarinettist interessiert sich für das Scheitern auf niedrigem Niveau. „Das mag ich an den Japanern“, sagt Bill Wells, „sie haben eine Idee und ziehen sie bis zur letzten Konsequenz durch.“

Freilich war auch Wells verblüfft, wie sich seine zweiwöchige Japantour mit Kudos Ensemble vollzog: Mal erschienen sechs Leute auf der Bühne, mal zwölf, mal sechzehn, einige von ihnen hatte er nie zuvor gesehen. Ihr Englisch war wie ihr Spiel. An eine Frau erinnert er sich, die wochenlang nur auf Kisten schlug, bis Tori Kudo sie ihm als Schlagzeugerin vorstellte.

Und doch ist diese Musik von großer Wärme und Poesie. Bill Wells weiß, warum: „Diese Musiker spielen keine Klischees, weil sie es nicht können. Schon um eine einfache Melodie zu schaffen, müssen sie alles geben – und das spürt man.“

„Osaka Bridge“ von Bill Wells & Maher Shalal Hash Baz ist erschienen bei Karaoke Kalk

Hören Sie hier „Duck“

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Rocket/Freudental: “Wir leben wie Gespenster“ (pavlek schallplatten 2006)

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Ich-bau-Schei-ße, sta-pel-wei-se

Von 5. Juli 2006 um 00:46 Uhr

Kruckelige Melodien, tanzbares Durcheinander, schiefe Gesänge: Rocket/Freudental und ihr furioses Album „Wir leben wie Gespenster“


Cover Rocket/Freudental

Rocket/Freudental aus Stuttgart mischen in rasanter Weise eingängige elektronische Samples, rockige Gitarrensoli und deutsche Texte; das Ganze schön schlecht aufgenommen. Auf ihrem Album Wir leben wie Gespenster stehen wütende Sprechgesänge von einem Sänger, der mit bemerkenswerter Souveränität überhaupt nicht singen kann, neben messerscharfer Poesie, die mal in eine Art Volkslied, mal in ein hektisches Disco-Punkstück eingebettet ist. Die Lieder erzählen mit Witz banale und bizarre Geschichten aus dem grausamen Alltag. Sie kritisieren die (Arbeits-)Welt vor einem chaotischen Mischmasch aus verschiedensten Musik-Genres und schaffen damit etwas sehr Eigenes. So kann Punk von heute klingen!

Live muss man sich das Ganze in etwa so vorstellen: Während Sänger André Möhl – wenn er nicht gerade Gitarre spielt – schwitzend über ein imaginäres Laufband trabt, hüpft und gelegentlich auch schunkelt, bedient sein Bandkollege Robert Steng die Knöpfe des Synthesizers und schlägt das improvisierte Schlagzeug, das in erster Linie aus einem Hartschalenkoffer mit festmontiertem Schellenkranz besteht. Beiläufig ertönen dann Weisheiten wie Die Zeit heilt keine Wunden, sie besteht ja nur aus Stunden oder Alle sagen, ganz am Ende kommt ein helles Licht, aber kommst du dann dort an, findest du den Schalter nicht.

In Hannovers Keller-Club Silke Arp bricht begeisterten sie kürzlich das Publikum. Es war einer dieser Abende, an denen man nach einem Konzert beseelt nach Hause gehen und ohrwurmartige Refrains wie „Ich-bau-Schei-ße, sta-pel-wei-se!“ singen kann und das gar nicht peinlich findet.

Wenn Rocket/Freudental mal in die Stadt kommen: Hingehen!

„Wir leben wie Gespenster“ von Rocket/Freudental ist als LP (erhältlich über Hausmusik) und CD erschienen bei pavlek schallplatten

Hören Sie hier „Mick Jagger“ und „Gespenster“

Sehen Sie hier das Musikvideo zu „Mick Jagger“

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