Renitenz und gute Laune

Die Beatsteaks nehmen mal wieder Kurs auf die Charts. Warum halten das eigentlich immer noch alle für Punkrock? Hier kommen lediglich die drei großen M der Erfolgsplanung zum Zug.

© Birte Filmer
© Birte Filmer

Punk und Punkrock zu verwechseln gehört eindeutig in die Top Ten der großen Missverständnisse zeitgenössischer Musik. Während Punk Teil einer vergleichbar unterkomplexen Attitüde ist (weshalb viele sagen: deren generelle Abwesenheit), zeigt sich Punkrock als Ausbeutung eines seiner Einzelaspekte Weiter„Renitenz und gute Laune“

 

Da werden die Bohnen im Blechnapf verrückt

Die australische Band Graveyard Train entstaubt den Wilden Westen. Ihr Album „Hollow“ reitet auf Country und Alternative Rock durch die Prärie.

© Off the record
© Off the record

Gibt es in Australien eigentlich Cowboys? Und falls doch – heißen die dann etwa Sheepboys und sind ganz anders drauf als ihre rindertreibenden Kollegen aus dem Wilden Westen? Weiter„Da werden die Bohnen im Blechnapf verrückt“

 

Ein Wolpertinger gibt Laut

Krautrock, Stoner und Techno aus einem Guss: Die Tiny Fingers aus Israel passen auf jeden anständigen Rave genauso wie aufs Wacken-Festival.

© Anova Music
© Anova Music

Teppiche sind total aus der Mode. Fußböden flächendeckend mit Textilien zu belegen stammt schließlich noch aus einer Epoche, als Stuck schwer rückständig war und baulicher Kubismus das Maß aller Dinge. Weiter„Ein Wolpertinger gibt Laut“

 

Streit um die Luftgitarrenhoheit

Das Gitarrensolo kommt zurück. Tim Showalter zeigt mit seiner Band Strand of Oaks, wie Lagerfeuermusik mal so richtig das Spanferkel rauslassen kann.

© Dusdin Condren
© Dusdin Condren

Das Gitarrensolo hat’s nicht leicht. Im Präkambrium des Rock als quirliges Accessoire strukturierender Riffs erfunden, verkam es irgendwo zwischen Kraut, Glam und Heavy Metal zum selbstreferenziellen Masturbationsritus. Weiter„Streit um die Luftgitarrenhoheit“

 

Der Himmel über Brooklyn

New York kann auch ruhig und besinnlich sein: In gemäßigtem Tempo breiten The Antlers ihre epischen Songs aus. Ihr Album „Familiars“ hält eine verblüffende Erkenntnis bereit.

© Cooperative
© Cooperative

Ist ja zu verstehen: Man kann ja nicht immerzu übers Sterben singen. Dieses Gejammer die ganze Zeit. Das drückt auf Dauer ja ziemlich auf die Stimmung. Macht man sich auch keine Freunde mit. Deswegen singen The Antlers zur Abwechslung über etwas völlig anderes. Zum Beispiel übers Totsein. Weiter„Der Himmel über Brooklyn“

 

Guter Rock, wie er immer war

Bob Mould, früher bei Hüsker Dü, ist ein lebendes Fossil. Mit dem Album „Beauty & Ruin“ gibt er dem Rock seine vier Buchstaben zurück, ohne sich darauf auszuruhen.

© Off the record
© Merge Records

Musikstile, das ist ein Merkmal unser zeichensatten Zeit, kommen kaum ohne Präfixe aus. Selbst Subgenres wie Punk kriegen ihr subsubgenriges Post- oder Skate- bis Fun- und Folk- verpasst. Weiter„Guter Rock, wie er immer war“

 

Das Schlechte an der schlechten Laune

Zehn Indierock-Songs zum Flüchten: Gut drauf waren Clap Your Hands Say Yeah noch nie. Aber seit das Kollektiv personell zerfallen ist, bleibt bloß ein gut arrangierter, mieser Nachgeschmack.

© Matt Barrick
© Matt Barrick

Mit Understatement hat es Alec Ounsworth nie so richtig gehalten. Bereits vor neun Jahren legte der Sänger, Songwriter, Kopf und Bauch von Clap Your Hands Say Yeah seine Stimme so melodramatisch übers bandbetitelte Debütalbum Weiter„Das Schlechte an der schlechten Laune“

 

Hardcore für Feinmotoriker

Diese Band ist so kaputt, dass sie Fucked Up heißen muss. Kaum jemand spielt Hardcore-Punk so progressiv wie sie. Dafür zahlen die Kanadier einen hohen Preis.

© Brendan George Ko
© Brendan George Ko

Fucked Up sind eine kaputte Band. Ihr Frontmann Damian Abraham hasst das Leben auf Tour, vermutlich weil er den Leuten Abend für Abend eine grandiose Show als blutiger, schwabbelnder Schweißball liefert. Weiter„Hardcore für Feinmotoriker“

 

Englische Dickbrettbohrer

Was kommt nach The Verve, Arcade Fire und Maxïmo Park? Hier sind Revere, die mit ihrem freundlichen Pathosrock noch eine Schippe Britishness drauflegen.

© V2
© V2

Dicke Bretter, so viel lässt sich auch als architektonischer Laie feststellen, halten meist besser als dünne. Wer am Material spart, könnte sein blaues Wunder erleben, wenn der erste Herbststurm an den Wänden zerrt und von oben das Dach bewässert. Weiter„Englische Dickbrettbohrer“