Musik zwischen Disko und Diskurs
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Schlager

Und dann war Moskau nicht mehr so kalt

Von 16. Dezember 2011 um 14:00 Uhr

Erinnerung an Monsieur 100.000 Volt: Vor zehn Jahren starb der große Gilbert Bécaud. Ein neuer Sampler versammelt seine schönsten Chansons.

© Reg Lancaster/Express/Getty Images

Moskau war kalt aber schön, ich glaube, ich sah nur sie,
Auf dem Roten Platz blieb sie stehen, Nathalie. [weiter...]

Kategorien: Jazz, Schlager

Drei Ladies von Manufactum

Von 23. November 2011 um 15:39 Uhr

Die swingenden Puppini Sisters aus London können sich nicht sattsehen im Rückspiegel. Sie sind der beste Beweis für Simon Reynolds’ These der grassierenden Retromanie im Pop.

© Universal Music

Die gute alte Zeit. Da waren die Züge noch pünktlich und die Renten sicher. Ja, früher war alles besser. Da hatte es noch seine Ordnung und die Jugend noch Respekt vor dem Alter. [weiter...]

Kategorien: Jazz, Pop, Schlager

Lenas Chancen beim ESC

Von 5. Mai 2011 um 17:05 Uhr

Wenn es nach den englischen Buchmachern geht, gewinnt ein knödelnder Andrea-Bocelli-Kopist aus Frankreich den Eurovision Song Contest. Lena muss trotzdem nicht traurig sein.

© Sean Gallup/Getty Images

In zehn Tagen steht fest, wer den Eurovision Songcontest in Düsseldorf gewonnen hat. Die Wettbüros machen natürlich jetzt schon ihren Reibach. Glaubt man [weiter...]

Kategorien: Musikbranche, Pop, Schlager

Immer, immer Liebe

Von 4. November 2009 um 15:28 Uhr

So schön kann das Seichte klingen: Mary Roos, die Schlagertante von Bingen, hat in den Siebzigern mit ihren Chansons die Franzosen beglückt. Sehr hörenswert!
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Kategorien: Schlager

Frau Pfeffer horchte auf

Von 22. April 2009 um 09:51 Uhr

Eine Reise in den indischen Bundesstaat Goa: Dort vermischten sich zur Kolonialzeit europäische, lateinamerikanische und indische Musiken zu einer schrägen Melange.
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Kategorien: Schlager

Ein Irrtum namens Heike

Von 2. März 2009 um 15:45 Uhr

Püppchen mit Bigband: Wie Heike Makatsch an ein paar Studionachmittagen Hildegard Knef in Harald Juhnke verwandelte
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Kategorien: Schlager

Kannste mir was pumpen?

Von 19. Dezember 2008 um 17:02 Uhr
Knappe Kassen und Lieder darüber gab’s schon immer. Aus aktuellem Anlass ist nun eine Kompilation zum Thema erschienen. Franz-Josef Strauß und Helmut Schmidt singen mit




Weihnachten ist die Zeit der Musikmischungen. Viele stecken sich spätjährlich ihre Lieblingsmusik zu, auf Kassette, CD oder USB-Stick. Und warum nicht mal ein aktuelles Thema aufgreifen? Was hatten wir denn in diesem Jahr? Fußball-EM und Olympia etwa, das klang aber beides nicht so gut. Und die Wahl Barack Obamas? Vollkommen durchgenudelt. Wie aber wäre es mit ein paar Liedern zur Finanzkrise? Das kleine Label Bear Family aus Hambergen in Schleswig-Holstein stöberte in verstaubten Archiven und veröffentlicht nun die CD zum Thema: Hilfe! Mein Geld ist weg! – Songs zur aktuellen Lage der knappen Kassen. Denn beides hat es schon immer gegeben, knappe Kassen und Lieder darüber.

Es scheppert aus dem Schellackarchiv: Die Kabarettisten Wilhelm Bendow und Paul Morgan plädieren auf Ratenzahlung: “Die sollen raten, wann wir bezahlen.” “Ob wir sparen oder nicht, ist doch egal”, singt Fritz Hönig, “denn wir werden sowieso nicht mehr reich.” Die CD knüpft am Börsenkrach des Jahres 1929 an, die meisten Stücke stammen aus den zwanziger und dreißiger Jahren. Und die jüngste Aufnahme ist auch schon zehn Jahre alt.

Die Qualität der Lieder ist den Archivaren beim Kompilieren nicht so wichtig, schließlich geht es nur ums Geld! Gunter Gabriel lässt geschmackliche Grenzen hinter sich und tönt: Boss, ich brauch mehr Geld. Nicht weniger unmusikalisch geht es zu, wenn Dolly S. & The Dollies den Rap Mir geht’s gut radebrechen. Vieles Stücke liegen nahe: Das Bruttosozialprodukt von Geier Sturzflug ist da ebenso unvermeidlich, wie der Ba-Ba-Ba-Banküberfall der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Und Helga Hahnemann trat mit Wo ist mein Jeld sicher schon in Achims Hitparade auf.

Doch kühn zu kompilieren lohnt auch. Vor allem die alten Schlager sind charmant und wortgewandt: “Früher kurrrrrbelte man seinen eignen Wagen an, und jetzt fährt man gratis vorrrne auf der Straßenbahn”, jault Willy Rosen, Nierentischhumor könnte man das nennen. Wen wundert’s, schließlich stammt die Zusammenstellung von Volker Kühn, einem Kenner und Protagonisten der Kleinkunstkultur. So sind neben den Gassenhauern eben auch die Wühlmäuse mit von der Partie und das Berliner Reichskabarett. Deren Stück Mein Geld ist weg! ist einer der unterhaltsamsten Beiträge, es schlägt die Brücke zwischen rasantem Kabarett und ansprechender Musik: “Was ist eine weinende Mutter, was ein sterbendes Reh, gegen den herzzerfetzenden Anblick eines Aktionärs, dessen Papiere neun Punkte gefallen sind.”

Für die Zusammenstellungen Politparade und Don Kohleone montierte Bear Family einst Reden von Politikern auf Easy-Listening-Musik. Franz Josef Strauß und zweimal Helmut Schmidt sind nun auch auf Hilfe! Mein Geld ist weg! zu hören. Helmut Schmidt redet vom Vertrauen in die Währung, vom Lernen und Leisten, dazu dudelt eine Kapelle. Das ist für sich betrachtet nur mäßig witzig, im Zusammenspiel mit den anderen Stücken aber entsteht ein kurioser Dialog. Die Antwort auf Schmidt gibt Heinz Erhardt: “Mensch, kannste mir was pumpen, dann lade ich dich ein.”

“Hilfe! Mein Geld ist weg! — Songs zur aktuellen Lage der knappen Kassen” ist als CD bei Bear Family Records erschienen.

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Kategorien: Schlager

Frostschock, dieses Grinsen!

Von 23. Juni 2008 um 11:16 Uhr
“Electrolore” ist das neue Wort für spontanes Gruseln. Auf seinem Album zeigt Alexander Marcus dem großen Publikum, wie grauenvoll und faszinierend die Welt des Schlagers ist.

Alexander Marcus Electrolore

Ein Grinsen geht um in Deutschland. Es prangt auf T-Shirts und flirrt durchs Internet. Dieses Grinsen gehört Alexander Marcus, dem neuen Star der Youtube-Generation. Wo immer er auftaucht – das Grinsen ist schon da. Das liegt auch an seiner Musik. Alexander Marcus macht Electrolore, eine selbst erdachte Mischung aus Folklore und elektronischer Musik. Wobei sich Folklore in seinem Referenzsystem auf Rex Gildo, Howard Carpendale und Jürgen Drews stützt. Seinen butterweichen Gesang unterlegt Marcus mit flotter House-Musik. Denn damit kennt er sich aus: In einem früheren Leben hieß er Felix Rennefeld und dümpelte als House-Produzent erfolglos vor sich hin. Dann erfand Rennefeld die Figur Alexander Marcus. Typ: schmieriger Heiratsschwindler in weißen Lederslippern.

Zu seinen Liedern drehte Alexander Marcus eine Handvoll bizarrer Musikvideos, die bald sehr viele Menschen kannten. Darin hüpft er über Blumenwiesen, tollt mit Kindern herum oder planscht in einem Baggersee. Und grinst. In einem eigenartigen Akt der Selbstaufgabe hat sich Rennefeld in Alexander Marcus verwandelt und hat nun endlich Erfolg. Das ist wenig überraschend: Gewisse Schlagerklänge geistern ja schon seit geraumer Zeit durch die deutschsprachige elektronische Musik. So weit wie Alexander Marcus hat sich jedoch noch niemand vorgewagt.

Um sein Album Electrolore ertragen zu können, braucht man starke Nerven. Das liegt nicht an dem kitschigen Kirmes-House, dem ekelhaften Gigologehabe und dem Hossassa-Vokabular, das er auf zwölf Stücken konsequent durchexerziert. All diese Elemente dienen ihm nur als Schablone, seine Kunstfigur Alexander Marcus bis ins Kleinste zu inszenieren. Was dem Hörer wirklich Geduld abverlangt, ist die gnadenlose Humorlosigkeit, mit der sich Alexander Marcus präsentiert.

Man gewinnt den Eindruck, dass es dem Produzenten Rennefeld gleich sei, wer sich Alexander Marcus aneignet. Ob Ballermann, FDP-Parteitag oder angesagter Technoclub – ihm ist alles recht. Er ist kein Satiriker, der uns die Abgründe der Schlagerwelt vor Augen führen will. Ironische Brechungen sucht man vergeblich. Electrolore ist wirklich vollkommen unkomisch. Und es knallt noch nicht einmal richtig. Das Album folgt einer flachen Hierarchie, nichts drängt in den Vordergrund, alles bleibt an der Oberfläche. Während sich die Schlagerprofis noch um heimelige Nestwärme bemühen, regiert auf Electrolore eine unheimliche Seelenlosigkeit. Nicht einmal hysterische Partystimmung will aufkommen angesichts der kalkulierten Nachlässigkeit, mit der die Stücke produziert sind. Es klingt, als habe sich Alexander Marcus so wenig Mühe gegeben wie möglich.

In seinen Liedern bewegt sich Alexander Marcus wie eine schockgefrostete Schaufensterpuppe durch eine erstarrte Welt. Die blumigen Bilder, die er mit klebriger Stimme besingt, gehören in der Volksmusik zum Standardvokabular. Es bedarf aber erst der Gegenüberstellung mit der emotionslosen Musik, um ihre ganze Leblosigkeit deutlich zu machen. Vor der zweckentfremdeten Schunkelmusik verflacht jedes Wort. Sie sind nur noch als funktionale Worthülsen vorhanden, deren Endungen sich reimen. Es ist kein dumpfer Nationalismus, der Alexander Marcus Textzeilen wie »Schwarzrotgold / Das sind unsere Farben / Der Wagen rollt« singen lässt. Trotzdem fühlt es sich nicht gut an, sie zu hören.

Dieser Kontrast macht Electrolore aber auch zu einem Faszinosum. Denn natürlich funktioniert das Konzept Alexander Marcus über das spontane Gruselgefühl, das einen befällt, wenn man Guten Morgen oder Ciao Ciao Bella hört. Ebendiese Faszination beschleicht einen, wenn man Florian Silbereisen zusieht. Irgendwann wird man von der leblosen Glückseligkeit schlichtweg überwältigt. Wie bei Schreckensbildern muss man immer wieder hinsehen, um sich zu vergewissern: Das ist echt. Ob es Alexander Marcus mit seinem geisterhaften Schlagerkarussell wirklich ernst meint, ist dabei völlig unerheblich.

Eines der einfältigsten Geschmacksurteile aller Zeiten lautet: »Das ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist«. Electrolore macht die Unterscheidung zwischen gut und schlecht überflüssig. Ein gutes Album ist es deswegen aber noch lange nicht.

„Electrolore“ von Alexander Marcus ist auf CD bei Kontor/Edel erschienen.

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Udo Lindenberg: „Damenwahl“ (Warner Music 2006)

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Kategorien: Schlager

Erektionsschwäche in der Wüste

Von 10. Mai 2006 um 00:01 Uhr

Zum 60. schenkt Udo Lindenberg sich selbst 17 Duette mit berühmten Sängerinnen. Von Marlene Dietrich bis Yvonne Catterfeld schreiten sie zur „Damenwahl“, und Panik-Udo säuselt von Liebe, Krieg und Frieden


Cover Lindenberg

Der Über-Held des hanseatisch schwiemeligen Rockschlagers wird sechzig. Im Selbstbild ist er sicher eher Rocker als Schlagerfuzzi, ne? Seine aufrechte Unbedarftheit, sein Softmachogehabe verursachten bei denjenigen, die ihn weniger mochten, jahrzehntelang eine schwer erträgliche Mischung aus Rührung und Ekel. Einzig auf feuchtfröhlichen Schwulenpartys hoben sich alle Geschmacks- und Gesinnungsdifferenzen irgendwie ins transgressive Feiernirvana auf.

Und nun Udo und die Frauen. Hatten wir das nicht schon? „Mit 66 Jahren …“ ach, das war doch der andere Althengst, mit demselben Vornamen. Und vorgemacht, wie sich der Sex des reifen Mannes auf Popglanz trimmen lässt, hatte es seinerzeit bereits Leonard Cohen, der Wüstling. Mit Traumpaaren wie Lee Hazlewood und Nancy Sinatra hat Udos Damenwahl auch nichts gemein, dazu wechselt er zu oft die, äh, Damen.

Deshalb kann man die ersten zwei Duettnummern auch direkt überspringen. Nena, die schon lange nicht mehr geheime Madame Pompadour unter den Schlagermätressen, nervt erwartungsgemäß mit ihrem asthmatischen Görenpop. Für diese Position wird Yvonne Catterfeld zurzeit noch angelernt, das Pressefoto zur Albumpromotion ist echt niedlich: Die Catterfeld als Prinzessin Leya mit „Sex in the City“-Frisur und Udochen als Darth Vader. Für die nächste Damenwahl empfiehlt sich ein Schild auf dem Tanzteetischchen: Hier nur für Rentnerbandmitglieder, MTV-Pippimädchen und Bohlen-Uschis müssen draußen bleiben.

Kommen wir also gleich zu Nina, der würdigen Ex-Underground-Königin, der Queen Mum des Punkschlager Royal. In Romeo & Juliaaah geben Nina Hagen und Udo den nuschelnden Schlapphut und die kreischende Zopfliesel als Pop Art-Variante vom Shakespeare-Stoff, aber immer noch besser, die Hagen singt, statt weltreligiös ereifernd zu predigen. Dass die beiden sich über Mama Hagen und Onkel Biermann schon lange kennen, ist deutsch-deutsche Popkulturgeschichte und hat musikalisch wenigstens ein Fünkchen mehr Pep, als Joan Baez‘ ehrenvolle aber fade Live-Fassung von Lindenbergs Wozu sind Kriege da.

Etwas diffiziler gestaltet sich das Verhältnis von hoher Kunst und profaner Umsetzung in Salomon (Das Hohe Lied) mit der unvergessenen Esther Ofarim. Erotik aus dem Alten Testament, auf Edelclubatmosphäre für Berlin-Mitte getrimmt, mit fast sieben Minuten Spiellänge die extended Schmachtversion auf dem Sampler. Donnerwetter, die dubbig gehauchten Stöhner von der Ofarim sind schon sehr speziell, dieses Portishead-artige Understatement hat was, nur Udos flapsige Prosaik hangelt sich mühsam durch den poetischen Fluss. Und wer spielt dazu so schön die im Feierabendjazz verschmalzte Trompete von Jericho? Könnte glatt Ben Becker sein.

Ein großer Teil der Duette dreht sich um Liebe, Krieg und Frieden, aufgenommen mit bekannten Weggefährtinnen wie Ulla Meinecke, Helen Schneider und Elli Pyrelli, nichts Spektakuläres. Zu erwähnen sind noch Alla Pugatschowa, die russische Schlagerikone, mit der Udo Lindenberg als erster deutscher Rocksänger und noch vor seinem legendären DDR-Besuch im Moskauer Gorky Park auftrat, und die türkische Sängerin Sezen Aksu. Das Duett mit ihr, Messer in mein Herz, hätte besser als manch anderer Quatsch für den Grand Prix d‘Eurovision getaugt, gerade weil es wie eine missglückte Karaokeperformance auf einem Kreuzberger Nachbarschaftsfest klingt. Und im für Presseanfragen auf CD erhältlichen Interview hört es sich an, als hätte Lindenberg, nach dem Zustandekommen der musikalischen Kooperationen gefragt, seine Duettpartnerinnen allesamt im Vorübergehen auf der Reeperbahn aufgelesen: „Du, dann haben wir uns einfach so gemocht.“

Einzig Marlene Dietrich zeigte ihm den bösen Wahrsagerinnenfinger. Verrucht und weise sprach sie 1987 in ihrem Pariser Alterswohnsitz eine Botschaft als Einleitung zu Wenn ich mir was wünschen dürfte aufs Band: „Wünsch dir nichts, dummes Menschenskind, Träume sind nur schön, solang sie unvollfüllbar sind.“ Die darauf folgende Interpretation als norddeutsches Nuschelchanson gelingt immerhin halbwegs. Der absolute Brüller dieser Jubiläumszusammenstellung ist jedoch das Duett mit Ex-NDW-Schlampe Annette Humpe. Da geht es zu elektropoppigen Rhythmen ab zum Sex in der Wüste, eine Mischung aus verschwurbeltem Lounge-Schlager à la 2raumwohnung und arabischem Urlaubsprospektrap: „Der Horizont rückt näher, und was keiner weiß, jeder denkt das eine, doch dafür ist zu heiß. Im Katalog stand was von feiern, und wilden Abenteuern, und alles ist ganz geil, doch jetzt hier, wo trockne Winde wehen, wird gar nichts feucht und nichts will stehen.

Uff, das ist hart. Oder doch cool? Sie scheinen sich ganz wohl zu fühlen, die zwei, so lässig schlapp im Wüstensand – ist das etwa die neue besonders in der Kunst hippe Askese, gerichtet gegen eine allseits aufgesexte Warenwelt? Auf jeden Fall ein Stück für den iPod: Man weiß ja nie, auf welcher schlimm endenden Party man damit noch die letzten Gäste herzerfrischend desillusionieren könnte.

Das war es aber auch schon mit Partyspaß, endet die Damenwahlorgie doch bereits in Duett Nummer 9 als Ringelreihen der Peinlichkeiten. Wer sich mit Yvonne Catterfeld nach Nangijala, Astrid Lindgrens Kinderhimmel in „Die Brüder Löwenherz“, verirrt, hat ganz klar einen an der Waffel. Warum sonst sollte Udo mit Sechzig plötzlich auf die Idee kommen, dem Kollegen Maffay aus der Benefizrockerszene die Würstchen vom Kinderfestgrill zu klauen? Von wegen Erektionsschwäche beim Sex in der Wüste: Da scheint noch ganz anderes schlecht durchblutet zu sein.

„Damenwahl“ von Udo Lindenberg ist erschienen bei Warner Music.

Hören Sie hier Udo Lindenberg im Duett mit Esther Ofarim: „Salomon (Das hohe Lied)“

Kategorien: Schlager