Musik zwischen Disko und Diskurs
Kategorie:

Techno

Techno erster Klasse

Von 20. Juli 2011 um 14:01 Uhr

Der Österreicher John Tejada lässt elektronische Musik menschlich klingen. Sein neuntes Album “Parabolas” ist großartiges, stilvolles Understatement.

© Kompakt

Wer wie John Tejada schon fast 17 Jahre an der Spitze der Produzenten mitspielt, mittlerweile neun Platten veröffentlicht hat und diese in allen DJ-Koffern dieser Welt vertreten weiß, der erfindet den Techno nicht mehr täglich neu. [weiter...]

Kategorien: Techno

Ist das Frauen-Techno?

Von 11. Februar 2011 um 10:52 Uhr

Im Club herrscht noch immer eine Geschlechterhierarchie wie in den Führungsetagen. Steffi Doms, Resident im Berghain, will keine neue Vorzeigefrau sein.

© Ostgut Ton

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Kategorien: House, Techno

Tanzen und zuhören

Von 21. Januar 2011 um 10:09 Uhr

Rajko Müller alias Isolée ist ein Meister des Microhouse. Sein Album “Well Spent Youth” enthält fein komponierte Tanzmusik, deren Strukturen nachzulauschen sich lohnt.

© Pampa Records

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Kategorien: Elektronika, Techno

Techno vom Land

Von 10. September 2010 um 11:44 Uhr

Am Freitagabend einfach mal daheim bleiben und tanzen: “Kilimanjaro” von Superpitcher ist wahrlich ein Poesiealbum, gebunden aus den schönsten Seiten von Pop und Elektronika.

© Marco Dos Santos

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Kategorien: Elektronika, Techno

Killer oder Filler, so sagt man doch

Von 28. April 2010 um 09:50 Uhr

Clubmusik kann so unterschiedlich sein: Matthew Herbert verheddert sich in ehrgeizigem Denksportelektro, und Tolouse Low Trax zieht die Leute auf die Tanzfläche.

Der Brite Matthew Herbert (© Accidental)

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Kategorien: Elektronika, Techno

Von Detroit über Düsseldorf nach Tokyo

Von 19. Februar 2010 um 10:07 Uhr

Techno mit Bass, Gitarre und Schlagzeug? Das japanische Damentrio Nisennenmondai macht famosen Elektro ohne Computer. Endlich ist das Album “Destination Tokyo” in Europa erschienen.

© Alive


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Kategorien: Techno

Ein Dorf namens St. Pauli

Von 13. November 2009 um 10:04 Uhr

Das Hamburger House-Label Smallville hat eine fiktive Kleinstadt geschaffen, in der alle Welt klönt, Tee trinkt und anschließend tanzt. Bis ganz plötzlich ein neuer Tag beginnt. [weiter...]

Kategorien: House, Techno

Alles ist Rhythmus

Von 22. Oktober 2008 um 11:06 Uhr
Die Chilenin Dinky tanzt voraus: Ihre Clubmusik lebt von den Zwischentönen im Wumms. Auf “May Be Later” türmt sie Klänge, deren Herkunft sich nur erahnen lässt


Ist das der Nachbar, der da brabbelt? Die Tür muss mal wieder geölt werden. Oder maunzt die Katze? Jetzt macht sie sich über die Töpfe her. Stimmen, Quietschen, Klappern: Es passiert viel in der Musik von Dinky. Der pochende Puls des Techno ist nur ein Klang von vielen.

Im Minimal-Techno herrscht eine neue Freiheit. Das stete Bum-Bum-Bum-Bum wird von Ellipsen überlagert. Klangschnipsel jeglicher Herkunft gesellen sich zu den guten alten Bekannten, zum geraden Wumms, zum rhythmischen Klavier. Da setzt der Taktschlag auch mal aus, ziehen Blaskappellen um die Häuser.

Der erfolgreiche DJ Ricardo Villalobos nahm sich mit seinen Produktionen einiges heraus und öffnete das Genre. Seine Stücke wurden immer länger und seltsamer, die Tanzenden liebten das. Wie Ricardo Villalobos wurde auch Dinky in Chile geboren, ihr bürgerlicher Name ist Alejandra Iglesias. In New York begann sie eine Karriere als Tänzerin und Choreografin. Am Tage tanzte sie, in der Nacht ließ sie tanzen. Nach dem 11. September 2001 änderten die Vereinigten Staaten ihre Visa-Politik, Dinky musste ausreisen. Seitdem lebt sie in Berlin.

Mehr noch als die Melodien liegen Dinky die Zwischentöne am Herzen. Als Kind hatte sie Klavierunterricht, heute hört sie häufig moderne Klassik. Ihr Album May Be Later sei von dem Pianisten Erik Satie inspiriert, erzählt sie. Sie schätze seinen Umgang mit Disharmonien, die eine Spannung hervorriefen, die im zeitgenössischen Pop oft fehle. Von Satie stamme auch die Idee, kleine musikalische Motive zu wiederholen – heute hilft dabei der Sampler.

Dinky füttert ihren Sampler mit frühem Jazz und Blues aus Chicago und afrikanischer Musik. Und auch wenn der Ursprung der Klänge auf May Be Leter sich meist nur erahnen lässt, liegt Dinky viel an der Tradition der Schwarzen Musik. Ihre Stücke orientieren sich nicht an der europäischen Funktionsharmonik, sondern an Mikrotonalität und Synkopen. Viele basieren auf orientalischen Skalen. Ihr Keyboard habe da so einen Schalter, erzählt sie, den habe sie einfach umgelegt, weil ihr der exotische Klang gefiel.

So klingt das Album ebenso wegweisend wie tanzbar. Durch Mars Cello eiert ein verfremdeter Gong, kehlige Stimmen wispern insektenhaft, Schaben und Rascheln erzeugen eine unheimliche Stimmung. Der stete Puls wird von Handklatschen und einem vibrierenden Bass begleitet. Burdelia klingt wie eine Samba-Schule im Weltall: Polyrhythmen umtänzeln Fiepgeräusche. Anders als Ricardo Villalobos erzeugt Dinky Dichte. Ihre Stücke sind sehr konzentriert. Hier mäandert nichts, hier wird geschichtet. Ein richtiges Lied gibt es auch, auf She Is Moving klingt der Sänger Big Bully wie Jamie Lidell.

Manchmal erinnert May Be Later an Brian Enos und David Byrnes Klassiker der Klangcollage, My Life In The Bush Of Ghosts. Eno und Byrne schufen damals im Jahr 1981 ein neues Verständnis von Weltmusik: Alles ist Klang! Aus allem lässt sich Musik machen! Die Geräusche, Stimmen und Instrumente aller Welt existieren gleichberechtigt nebeneinander. Dinky macht sich dieses Verständnis zu eigen: Man kann in ihre Stücke eintauchen und immer wieder Neues entdecken. Und man kann dazu tanzen, denn alles ist Rhythmus.

“May Be Later” von Dinky ist als CD und Doppel-LP erschienen bei Vakant/Rough Trade.

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Kategorien: Techno

Klingeln im Origami-Saustall

Von 11. August 2008 um 11:46 Uhr
DJ Scotch Egg zwängt Bach, Free Jazz und Stockhausen in seinen Gameboy und unterlegt das Gequängel mit harten Rhythmen. Unerträglich? Von wegen! Es macht sogar Spaß

Drumized DJ Scotch Egg

Elvis ist tot. Johann Sebastian Bach lebt. Er ist Japaner, wohnt in England und spielt leidenschaftlich Gameboy. Am Wochenende fährt er gerne mal nach Rotterdam und treibt sich auf Gabber-Partys herum. Gabber, das ist knallharter Techno, der Klang des Weltuntergangs.

Schuhe aus – hier kommt DJ Scotch Egg! Er ist weder Schotte noch DJ. Wahrscheinlich ist er nicht einmal ein Ei. Dafür ist er Vertreter einer Musikgattung, die sich KFC-Core nennt – in Anlehnung an den Hühnchen-Schnellbrater Kentucky Fried Chicken. Wer will uns denn so in die Irre führen? Es ist Shigeru Ishihara, ein in Brighton gestrandetes Schlitzohr. Wäre er Architekt, er würde Brücken bauen.

Er liebt die Bach’sche Fuge, die Metal-Experimente des John Zorn, den Free Jazz, Karlheinz Stockhausens abrupte Klangfarbenwechsel und den Klingelton. Seine Musik komponiert DJ Scotch Egg am Gameboy. Sie hört sich an, als spielte man mit zwei Fingern in der Steckdose ein Computerspiel, während nebenbei der Fernseher läuft, das Handy klingelt, ein Baby schreit und der Nachbar seine Leidenschaft für den Schlagbohrer entdeckt. Einige werden es Folter nennen, für andere ist es Pop mit durchgedrücktem Gaspedal. DJ Scotch Eggs Album Drumized dauert keine 27 Minuten. Wenn es ausklingt, ist es, als sei ein Spuk vorbei.

Im Musikvideo zu Scotch Hausen posiert Ishahara als Dirigent eines Daddel-Orchesters. Anstelle von Geigen und Bratschen haben die Musiker Gameboys in der Hand. Eine Eintagsfliege? Von wegen: Drumized ist bereits sein viertes Album, er hat viele Anhänger und ist dauernd auf Tournee. Von Roskilde bis Lowlands trat er bei allen großen Festivals auf, denn sein Klang fasziniert Tausende. Unerträgliches macht plötzlich Spaß, wenn der DJ mit vier seiner Klingelkisten hantiert. Die gesunde Mischung aus Akribie und Freiheit, Dreistigkeit und Humor ist seine Kunst. Ein Origami-Saustall. Game Over.

»Drumized« von DJ Scotch Egg ist als CD und LP erschienen bei Load Records.

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Kategorien: Techno

Ein tiefergelegtes »Muuuhh«

Von 4. Juni 2008 um 15:19 Uhr
Das schwedische Duo Minilogue zaubert Technoides aus alten Hüten. Leise wummern die Ambientfantasien mit großem Panorama, allerlei Viechern und übersinnlichen Kräften.

Minilogue Animals

Im Film Die Reifeprüfung mit Dustin Hoffman gibt es diese wunderbaren Szenen vor dem Aquarium in Benjamins Zimmer und im Swimmingpool der elterlichen Villa. Der heimgekehrte Sohn und erfolgreiche College-Absolvent starrt in die Stille seines Aquariums, angeödet von Moral und Luxus zwischen weiß lackierten Möbeln, weltfremd unter der ewig verschwenderischen kalifornischen Sonne. Er dümpelt mit Luftmatratze oder im Tauchanzug durch den Pool, unter Wasser ist Schweigen, die einzige ihm erträgliche Antwort auf die innere Leere. Und die späteren Poptroubadoure Simon & Garfunkel schmettern The Sound of Silence dazu.

Könnte man den Subtext dieser Szenen zwischen den Liedzeilen und Filmbildern herauslösen und in eine instrumentale Zweitstimme übersetzen, er klänge wie die Musik von Minilogue. Sie verweben den Schrei der Stille zu einem fliegenden Teppich aus Minimal-Techno, bunt wie eine Popballade, organisch wie manches Geräusch in der Musique Concrète, elektronisch strömend, schwebend und fantastisch wie Ambientmusik.

Aus der Underground-Szene Malmös kommen Minilogue, bisher haben sie ihre implosiven Clubhits auf Labels wie Wagon Repair und den Kölner Traum Schallplatten veröffentlicht. Das Doppelalbum Animals ist nun beim Geldadel der Clubkultur, bei Cocoon Recordings, erschienen.

Wenn zu Beginn Yesterday Bells geläutet werden, muss das wohl etwas zu bedeuten haben. Die erste CD kündet zunächst von dem, wofür die zwei Schweden seit Jahren im kleinen Kreis bekannt sind. Ihre angenehm weiche Vierviertelgrundierung mit den minimalen Farbklecksern passen genau ins Bild der frühen Neunziger-Elektronika. Alles bloß Nostalgie?

Da kommen Minilogues Erfahrungen ins Spiel – und die Tiere! Sebastian Mullaert lernte klassische Instrumente und gab schon als Achtzehnjähriger Geigenunterricht, später machten er und Marcus Henriksson sich als Trance-DJs Namen. Im zweiten Stück Cow, Crickets And Clay wird ein tiefergelegtes »Muuuhh« als künstliche Synchronstimme eingesetzt, ein comicartiger Ausreißer aus dem Gleiten in minimaler tänzerischer Euphorie. Das Giant Hairy Super Monster trifft auf die »Sicht eines Jonglierballs« und seltsame Fantasiewesen, die Minilogue als visuelle Gestaltung ihrer Musik verstehen und in Hüllenentwürfen und kleinen Videos auch auf ihrer Website präsentieren.

Musikalisch ist das dem Schaffen des ehemaligen Kölner Labelkollegen Dominik Eulberg nicht unverwandt, doch wo seine Flora und Fauna trotz Naturthema die nervöse Unruhe urbaner Klangprägung nicht leugnen kann, strahlen Minilogues Stücke nordische Gelassenheit jenseits der Tag- und Nachtgleiche aus. Stets klingen die Rhythmen nach einem flotten Spaziergang mit den Händen in den Hosentaschen, wie ein verträumter junger Kerl, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Das ist die Intimität, die ein Blick zurück – vorbei am Sehen und Gesehenwerden auf dem Tanzboden – braucht, um mit altmodisch quäkendem Keyboardgeleier und knisternder Basstrommel neu zu überzeugen.

Leise sumsen 33.000 Honeybees, eigentlich hört es sich nur nach einem Bienchen an, ein in Zeitlupe angeworfener winziger Flugmotor, Rotorblätter aus Elfenlicht. Bei den elektronischen Quietschern und Knursplern geht es weniger um das Geräusch in seiner analytisch differenzierbaren Künstlichkeit, als um das sinnliche Hineinhören in Stimmfrequenzen, Lautbildungen, Vokalverschiebungen. Es sind die Bewegungen eines Insekts durch die Lupe betrachtet, außerhalb des Zeitflusses. Besonders in den Stücken der zweiten CD ist das Zeitgefühl aufgehoben, wandelt der Hörer auf wallenden Synthesizer-Glissandi durch übereinandergelagerte Erinnerungen und ständig ihre Form auflösende Zeiträume. Eine Steel Guitar weht aus der Ferne durchs offene Fenster, wie weggezoomt ist plötzlich die Lupe, und riesige Panoramen öffnen sich im Hörkino der Stücke Windows, City Lights, In The Shade Of The Sun und Even The Wind Seemed In Deep Sleep.

Die tatsächliche Bildabfolge in den Videoclips zu Old Water und Hitchhiker‘s Choice läuft dafür genau umgekehrt zum musikalischen Effekt relativ zu schnell. Aus Minilogues defokussierendem Blickwinkel verschwindet das Essenzielle so flink, wie die gezeichneten Comictierchen ihren Charakter wechseln und die Bildchen umblättern. In dem Stück Six Arms And One Leg fabuliert eine Stimme im Tonfall des Erzählers aus dem Skandalhörspiel War Of The Worlds von Tieren mit sechs Armen und nur einem Bein. Sie sind ohne Augen, und doch nicht blind, sie stehen im Licht und sind doch unsichtbar. Auch in Kinderbilderbüchern wird durch Umklappen nur einer Bildhälfte aus dem Schwein und der Kuh ein fantastischer Zwitter – Minilogue spielen auf ähnliche Weise mit dem Wesen des scheinbar Lebendigen und seinem Verhältnis zur elektronisch erzeugten Kunst.

„Animals“ von Minilogue ist als Doppel-CD und Doppel-LP (mit ausgewählten Stücken) erschienen bei Cocoon Recordings.

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Kategorien: Techno