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	<title>Tonträger</title>
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	<description>Das Musik-Blog zwischen Disko und Diskurs</description>
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		<title>Der kleine Betrug am Hören</title>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 12:51:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Freitag</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Elektronika]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist das bloß wieder Debattenstoff für Dubstep-Nerds? Mount Kimbie bringen das Beste aus Pop und Techno zusammen und machen die Suche nach dem Beat zum Erlebnis. Es liegt ein Rascheln und Rauschen in der Luft, ein Flirren und ein Sirren, wenn Mount Kimbie ihre komplexen Klangkaskaden aus den Boxen wedeln wie weißes Rauschen in den [...]]]></description>
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<p><strong>Ist das bloß wieder Debattenstoff für Dubstep-Nerds? Mount Kimbie bringen das Beste aus Pop und Techno zusammen und machen die Suche nach dem Beat zum Erlebnis.</strong></p>
<div id="attachment_15831" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/05/mountkimbie.jpg" alt="© Chris Rhodes" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15831" /><p class="wp-caption-text">© Chris Rhodes</p></div>
<p>Es liegt ein Rascheln und Rauschen in der Luft, ein Flirren und ein Sirren, wenn Mount Kimbie ihre komplexen Klangkaskaden aus den Boxen wedeln wie weißes Rauschen in den Kopf.<span id="more-15828"></span> Gut, könnte man nun meinen, so klingt abstrakte elektronische Musik nun mal öfter, wenn sie sich der klaren Liedstruktur verweigert und lieber im unerschöpflichen Kosmos rechnerischer Tongenese jenseits von Strophe, Bridge und Chorus herumreist.</p>
<p>Das technoide Crescendo der beiden Londoner Soundtüftler, denen irgendein Marketingexperte in Ermangelung zutreffender Genrezuordnungen ein schickes &#8220;Post-&#8221; vor den Dubstep geklemmt hat, wirkt folglich sonderbar sphärisch, irgendwie nicht im eigenen Studio entstanden also, mehr aus den Ritzen all der anderen ringsum hineingeweht und sodann verwoben, dekonstruiert, erneuert. Entstanden ist daraus eine Art taktloses Vexierbild, ein kleiner Betrug am Hören. </p>
<p>Das getragene Durcheinander von Mount Kimbie kann also nur teilweise als Popmusik im engeren Sinne bezeichnet werden. Hier ist ja nirgends Struktur zu entdecken, bestenfalls eine Andeutung dessen, wie auf halber Strecke verirrt. Und dann erscheint der Nachfolger des mächtig gefeierten Debütalbums <em>Crooks &#038; Lovers</em> auch noch beim abseitigen Label Warp, zuständig für alles Vertrackte, Verschlossene, Verwirrende. Klare Sache also: <em>Cold Spring Fault Less Youth</em> ist bloß ein Experiment. Debattenstoff für Nerds, Designerdroge für die Nische. Nix für die Masse?</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/64808791?title=0&amp;byline=0&amp;color=ffffff" width="580" height="330" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe>
<p><em>Mount Kimbie – Made To Stray</em></p>
<p>Ja und Nein. Denn Kai Campos und Dominic Maker, Mount Kimbies Nischennerds mit den traurigen Augen, schaffen es zwei Jahre nach dem Schritt ins Scheinwerferlicht ihrer Szene abermals auf magische Weise, das Nichts zum Etwas zu erheben und aus dem Chaos wild vermischter Töne ein Album zu komponieren, das beides ist: Techno und Pop, das Beste aus zwei Welten. Nichts für die Disco, Überschaubares für den Dancefloor, aber zum Wippen, Nachspüren, Mitdenken, Schwingen wunderbar.</p>
<p>Es beginnt schon mit dem geruhsamen <em>Home Recording</em> zum Einstieg, dessen Orgeln in eine Art vokalisierten Electrowave rauschen. Es geht weiter mit dem drastisch reduzierten Hip-Hop-House <em>You Took Your Time</em>, dem King Krules souliger Begleitrap eine organisierte Ebene unterjubelt, ohne dass ein Song draus würde. Es setzt sich fort mit <em>Break Well</em>, anfänglich eher Ambient, bald nachdrücklich elaborierter Pop für Anspruchsvolle. Oder einige Minimalismen später <em>Meter, Pale, Tone</em>, wieder mit King Krule am Mikro, mehr aber noch das darauf folgende <em>Slow</em>: Überall muss man den Takt suchen, erforschen. Wer ihn findet, gar entschlüsselt, darf erleben, dass Musik fast körperlos daherkommen kann. Dass sie unterstützt von Gitarre, Keyboards, Percussion und live sogar richtigem Schlagzeug allerdings eine digitale Substanz entfaltet, fast wie die gute alte Analogie. <em>Cold Spring Fault Less Youth</em> überwindet da Welten. Interplanetare Klangverständigung – ihr Name sei Mount Kimbie.</p>
<p><em>&#8220;Cold Spring Fault Less Youth&#8221; von Mount Kimbie ist erschienen bei Warp.</em></p>

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		<title>Man fühlt sich durchdrungen</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/15/the-national-trouble-will-find_15748</link>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 08:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Freitag</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[The National sind immer ein bisschen besser als erwartet. Auf dem neuen Album &#8220;Trouble Will Find Me&#8221; findet der großartige Sänger Matt Berninger ganz zu sich selbst. Plattencover sind oft ziemlich selbstgefällig. Weitgehend abgekoppelt vom musikalischen Inhalt, transportieren sie vielleicht einen verbrämten Gestus der Künstler dahinter, das artifizielle Konzentrat dessen, was der gewünschten Aura entspricht, [...]]]></description>
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<p><strong>The National sind immer ein bisschen besser als erwartet. Auf dem neuen Album &#8220;Trouble Will Find Me&#8221; findet der großartige Sänger Matt Berninger ganz zu sich selbst.</strong></p>
<div id="attachment_15756" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/04/national.jpg" alt="© Deirdre O&#039;Callaghan" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15756" /><p class="wp-caption-text">© Deirdre O&#8217;Callaghan</p></div>
<p>Plattencover sind oft ziemlich selbstgefällig. Weitgehend abgekoppelt vom musikalischen Inhalt, transportieren sie vielleicht einen verbrämten Gestus der Künstler dahinter, das artifizielle Konzentrat dessen, was der gewünschten Aura entspricht, im Idealfall gar einen Link ins Genre, wovon all die Monster im Metal ebenso zeugen wie Autos, Weiber und Bling Bling im Rap. Visueller Austausch mit dem Akustischen jedoch, eine Art Interaktion zwischen Bild und Ton ist – zumal im Zeitalter von CD und Download – überaus selten. Umso mehr lohnt sich ein Blick aufs neue Cover von The National.</p>
<p>Auf <em>Trouble Will Find Me</em> nämlich steckt eine Frau ihren Kopf rücklings halb durch eine Spiegelwand und blickt uns linkisch mit einem Auge an, kaum spürbar, aber durchdringend wie die gesamte Kameraüberwachung am JFK-Airport. Die Farbe ist Schwarzweiß, das Ambiente düster, der gekachelte Raum kühl, fast klinisch, man fühlt sich nicht nur beobachtet, man fühlt sich durchdrungen, ohne genau zu wissen, warum. So in etwa funktioniert auch das Indierock-Quintett aus New York, so funktioniert erst recht ihr sechstes Studioalbum.</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F88109174"></iframe></p>
<p>Denn mehr noch als auf den fünf vorherigen, mehr auch als auf <em>Alligator</em> von 2003, dass in kaum einer Liste der besten Alben des Jahrhunderts fehlt, oder <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2010/05/17/the-national-high-violet_5416" target="_blank"><em>High Violet</em></a>, kommerziell am erfolgreichsten, dringt <em>Trouble Will Find Me</em> irgendwie aus dem Unsichtbaren ins Gehirn, macht sich dort breit, verschwindet wieder, hinterlässt aber Spuren wie auf einem Kontrollvideo in der Abflughalle. Und das liegt aufs Neue an Matt Berninger – dem Gründer, Kopf, Gesang von The National.</p>
<p>Seine weiche, hintergründige Stimme, gern ehrfürchtig als Bariton umschrieben, gräbt sich Stück für Stück tiefer ins Gemüt, um nach dem 13. wie ein wohlschmeckendes Mahl in einem höchst befriedigten Magen zu hocken und dort zu bleiben, bis der Hunger wiederkehrt. In <em>I Should Live In Salt</em> zum Auftakt schafft er das noch mit der lässigen Nonchalance eines <a href="http://www.zeit.de/2010/43/Interview-Bryan-Ferry" target="_blank">Bryan Ferry</a>, im nachfolgenden <em>Demons</em> verfällt der Text in den erzählerischen Duktus von Lou Reed, spätestens im wunderschönen <em>Don&#8217;t Swallow The Cap</em> aber landet Matt Berninger völlig bei sich selbst, dieser unvergleichlichen Fähigkeit, subkutan zu klingen und doch vordergründig, zurückhaltend und dabei ungeheuer präsent.</p>
<p><iframe width="580" height="330" src="http://www.youtube.com/embed/N527oBKIPMc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das dringt um die Ecke ins Herz wie der Blick auf dem Cover, es erwischt einen beim Zuhören genau in dem Moment, da man denkt, das sei bloß eine weitere Popband mit Niveau von der Westküste, gefällig, aber durchhörbar wie <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2010-03/rekorder-adam-green" target="_blank">Adam Green</a> mit all den Klavierflöckchen, dem reduzierten Schlagzeug, seltenen, doch unerlässlichen Gitarrensoli, dieser geschmeidigen Gesamtkonstruktion. Dann aber kommt irgendwann gen Ende das traumwandlerische <em>Slipped</em>, Berninger erzählt uns darin &#8220;<em>I&#8217;ll be a friend, a fuck, an everything / but I&#8217;ll never be, I think / you ever want me to be</em>&#8221; und behält recht: The National sind von Singer-Songwritern über Poptitanen bis Alternativerockern und Schnulzenschreibern alles Mögliche, nur nicht das, was zu erwarten wäre. Sondern immer ein bisschen besser.</p>
<p><em>&#8220;Trouble Will Find Me&#8221; von The National ist erschienen bei 4AD.</em></p>

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		<title>R&#8217;n&#039;B voller Geigen</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/13/rnb-voller-geigen_15843</link>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 06:53:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Grinsted</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>
		<category><![CDATA[R'n'B]]></category>
		<category><![CDATA[Soul]]></category>

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		<description><![CDATA[Tolliver müsste er heißen: Marques Toliver hätte ein L mehr verdient. Endlich erscheint sein Debütalbum, auf dem sich Klassik und Soul auf einzigartige Weise mischen. Ein Allroundtalent! Marques Toliver ist Geigenvirtuose, Songwriter und begnadeter Soulsänger. Er modelt, schauspielert in Musikvideos und hat ein Ästhetikmagazin gegründet, das laut eigener Aussage &#8220;das Sinnliche in Kunst, Literatur und [...]]]></description>
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<p><strong>Tolliver müsste er heißen: Marques Toliver hätte ein L mehr verdient. Endlich erscheint sein Debütalbum, auf dem sich Klassik und Soul auf einzigartige Weise mischen.</strong></p>
<div id="attachment_15852" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/05/toliver.jpg" alt="© Universal Music" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15852" /><p class="wp-caption-text">© Universal Music</p></div>
<p>Ein Allroundtalent! Marques Toliver ist Geigenvirtuose, Songwriter und begnadeter Soulsänger. Er modelt, schauspielert in Musikvideos und hat ein Ästhetikmagazin gegründet, das laut eigener Aussage &#8220;das Sinnliche in Kunst, Literatur und Leben feiert&#8221;. Er ist 26 Jahre alt. Und er will der nächste Quincy Jones werden.</p>
<p>Aufgewachsen ist Toliver, wo amerikanische Studenten früher ihr Spring Break verbrachten. In Daytona Beach, Florida, kommt er früh mit Gospel und Klassik in Kontakt. Seine Großmutter spielt die Kirchenorgel und Toliver singt dazu. Er lernt Violine nach der Suzuki-Methode, studiert Musik, liebäugelt mit der Lehrerlaufbahn. Ein Trip nach New York erweitert seinen Horizont. Toliver wird zum Bohemien, schläft auf Sofas, musiziert im Central Park und im hippen Williamsburg. Seit ihn Kyp Malone von <a href="http://www.zeit.de/2004/35/Honig_ueberm_Schlachtfeld" target="_blank">TV on the Radio</a> dort entdeckt hat, geht es steil bergauf. </p>
<p>Der junge Mann scheint alles richtig zu machen. Er zieht nach London, spielt auf den Straßen des East End. Und auch hier lacht ihm das Glück: Adele lobt ihn öffentlich, es folgt ein Plattenvertrag und ein Auftritt bei <em>Later&#8230; with Jools Holland</em>. Wobei Glück das falsche Wort ist. In der Werbesprache würde man sagen, es liegt an seinem Unique Selling Point: der seltenen Kombination aus Klassik und R&#8217;n'B. Wer kennt schon jemanden, der Geige spielt wie ein junger Gott und dazu singt wie Stevie Wonder?</p>
<div class="zol_video art_wide vid1298441400001"></div>
<p>Er ist beeinflusst von Luther Vandross und Destiny&#8217;s Child genauso wie von Bach und Yehudi Menuhin. Diese Verschränkung zweier Welten macht denn auch den Reiz dieses Debüts aus. Nur für einen Song lässt er seine Geige mal im Kasten. Das Album beginnt mit gospeligem Fingerschnippen, Klavier, Schlagzeug und anschwellenden Violinen, die entfernt an <em>Papa Was a Rollin&#8217; Stone</em> erinnern. Tolivers Gesang – etwas D&#8217;Angelo, etwas <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2010/09/27/john-legend-the-roots_6484" target="_blank">John Legend</a> – ist makellos. Und dazu wandelbar: Was sich wie Backgroundsänger oder eine Frauenstimme anhört, ist immer Toliver selbst.</p>
<p>Manchmal jedoch heben sich die einzeln prächtig klingenden Instrumente und Stimmen in ihrer Wirkung gegenseitig auf. Aber vielleicht ist man es einfach nicht gewohnt, dass in einer Soul-Nummer der Himmel voller Geigen hängt. Versteht sich von selbst, dass dieser Alleskönner auch Gitarre, Keyboard, Cello und die Autoharp beherrscht. Gar ein folkiges Instrumentalstück gelingt ihm: Im wunderbaren <em>Repetition</em> bezaubert er allein mit Geige und Klavier.</p>
<div class="zol_video art_wide vid2258760318001"></div>
<p>Beruhigend, dass die zweite Hälfte des Debüts nicht perfekt ist. Oder besser: zu perfekt. Man hört, wie er alles richtig machen, jeden Ton an der optimalen Stelle platzieren möchte. Auf technischer Ebene zweifellos beeindruckend, doch kommt es zuweilen etwas kühl daher. Richtig mitreißende Hooks sind nicht dabei und etwas weniger Vorhersehbarkeit hätte manchem Stück gut getan. Ein romantischer Song muss nicht nach rosa Zuckerwatte klingen. Zudem sollte sich ein R&#8217;n'B-Musiker nie mit dem Prince of Soul messen und <em>Ain&#8217;t No Mountain High Enough</em> anstimmen. Aber angesichts so großen Talents spricht hier wohl nur der Neid. </p>
<p><em>&#8220;Land Of CanAan&#8221; von Marques Toliver ist erschienen bei Cooperative Music/Universal.</em></p>

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		<title>Köstliches musikalisches Schnöseltum</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/10/vampire-weekend_15782</link>
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		<pubDate>Fri, 10 May 2013 08:27:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Kühnemund</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Sportlich, wer alle Referenzen auf dem dritten Album von Vampire Weekend entschlüsseln will. Trotz allen Tamtams klingt die Band aber immer noch einzigartig. Ganz schöne Schlaumeier, diese Jungs. Einen regelrechten Wirbelsturm an Ratespielchen und Witzeleien haben Vampire Weekend um ihr neues Album Modern Vampires Of The City entfesselt. Schon vor Monaten bombardierten sie die sozialen [...]]]></description>
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<p><strong>Sportlich, wer alle Referenzen auf dem dritten Album von Vampire Weekend entschlüsseln will. Trotz allen Tamtams klingt die Band aber immer noch einzigartig.</strong></p>
<div id="attachment_15787" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img class="size-full wp-image-15787" alt="© XL Recordings" src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/05/vampireweekend.jpg" width="580" height="326" /><p class="wp-caption-text">© XL Recordings</p></div>
<p>Ganz schöne Schlaumeier, diese Jungs. Einen regelrechten Wirbelsturm an Ratespielchen und Witzeleien haben Vampire Weekend um ihr neues Album <em>Modern Vampires Of The City</em> entfesselt. Schon vor Monaten bombardierten sie die sozialen Medien mit dem Kürzel MVOTC.<span id="more-15782"></span> MV, wurde schnell vermutet, könne auf die Insel Martha&#8217;s Vineyard anspielen, dort hatten doch Ezra Koenig und Rostam Batmanglij am neuen Album gearbeitet. Auch die Auflösung war ungewöhnlich: Sie schalteten eine <a href="http://pitchfork-cdn.s3.amazonaws.com/content/1d026b09.jpg?wmode=transparent" target="_blank">Kleinanzeige in der <em>New York Times</em></a>, ganz schlicht hieß es dort: &#8220;Modern Vampires Of The City, May 7, 2013&#8243;. Und das, so stellten die Fans schnell fest, hatte dann eben nichts mit der Insel zu tun, sondern ist die erste Zeile aus dem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mnIl1kiShfY" target="_blank">Dancehall-Kracher <em>One Blood</em> von Junior Reed</a>.</p>
<p>Nun ist das Album draußen und die Songs sind alle in solch ein intellektuelles Polster gebettet. <em>Step</em> basiert auf einer Demoaufnahme der kalifornischen <a href="http://www.hiphopdx.com/index/news/id.23349/title.souls-of-mischief-s-tajai-reacts-to-vampire-weekend-s-step-interpolation" target="_blank">Hip-Hop-Band Souls of Mischief</a>. Um <em>Ya Hey</em> – das spielt wohl auf den hebräischen Namen Gottes, Yahweh, an – vollständig zu deuten, müsste man das Alte Testament studieren. Und Desmond Dekker. Und die Rolling Stones … Dann <em>Hannah Hunt</em>? Dreht sich das um die Sängerin der eher unbekannten Indieband Dominant Legs? Und <em>Diane Young</em>? Keine Ahnung. Viele Anspielungen winden sich um so viele Ecken, dass Vampire Weekend selbst ein paar Fährten legen müssen.</p>
<p><iframe frameborder="0" height="330" src="http://player.vimeo.com/video/62777463?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0&amp;color=ffffff" width="580"></iframe></p>
<p><a href="http://vimeo.com/62777463"><em>Vampire Weekend – Step (Official Lyrics Video)</em></a></p>
<p>Lässt sich um jede Zeile, jeden Titel, jeden Akkord irgendeine Legende stricken, so wird Musikhören zum Sport. Dieses Album ist Ausdruck authentischen Schnöseltums, durchdacht und köstlich. Der Schauspieler Steve Buscemi steuerte etwa einen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZziiMFayyIU&amp;" target="_blank">Kurzfilm</a> bei, in dem er der Band erzählt, dass er viele Musiker kenne und normalerweise fassungslose Blicke ernte, wenn er ihnen von Vampire Holiday erzähle. Dazu schaut er mitleidig. Buscemi prahlt mit der Bekanntschaft zu dem bescheidenen Peter Gabriel – und der tauchte schon in <em>Cape Cod Kwassa Kwassa</em> von Vampire Weekends erstem Album auf. Naja, und so weiter eben.</p>
<p><iframe frameborder="0" height="330" src="http://www.youtube.com/embed/ZziiMFayyIU" width="580"></iframe></p>
<p>Mancher Kreis schließt sich: <em>Modern Vampires Of The City</em> vervollständige eine Trilogie, sagt die Band. Und so richtig klar ist nicht, ob sie das sagen, um die Bedeutung der Platte ein bisschen aufzuwerten, oder weil sie tatsächlich fürchten, es könne Hörern entgehen, dass da Themen und Charaktere auftauchen, die schon zuvor da waren. Eine Rückkehr nach New York stelle die Platte dar, auch das sagt die Band, von dort aus waren <a href="http://www.zeit.de/online/2008/08/interview-vampire-weekend" target="_blank">Vampire Weekend im Jahr 2007</a> in die Welt gezogen.</p>
<p>Und, ach ja, es geht hier natürlich immer noch und vor allem um die Musik: Sie spielt auf <em>Modern Vampires Of The City</em> ungefähr dort, wo schon das <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2008/02/22/khaki-ist-das-neue-bunt_663" target="_blank">Debütalbum</a> und <a href="http://www.zeit.de/2010/02/Vampire-Weekend" target="_blank"><em>Contra</em></a> spielten. Frischer Indierock, aufgepeppt mit Afropop-Rhythmen, Paul Simons <em>Graceland</em> Version 3.0 sozusagen. Der ansteckende Überschwang der frühen Tage ist ein wenig dahin, <em>Modern Vampires Of The City</em> klingt kontrollierter, düsterer, die Stücke sind vertrackter und ausgefeilter.</p>
<p>Schon im ersten Song <em>Obvious Bicycle</em> wirbeln unzählige Versatzstücke, hier hallt ein Flügel, dort wird ein raschelnder Elektrorhythmus mit stampfender Perkussion vermengt, mal ist da kaum mehr als Ezra Koenigs Stimme, dann wieder begleitet ihn ein zerschnipselter Engelschor. Koenig singt von der Liebe – und vom Älterwerden: &#8220;<em>Wisdom&#8217;s a gift, but you&#8217;d trade it for youth, age is an honor, it&#8217;s still not the truth</em>&#8220;, heißt es in <em>Step</em>. Der Kerl ist nicht mal dreißig, übrigens.</p>
<p>Geht es auch im Mittelteil ein bisschen lahm zu, so überwiegen die großartigen Lieder: <em>Unbelievers</em> wird von einem mitreißenden Keyboardmotiv vorangetrieben, <em>Step</em> surft auf einer ungeheuer charmanten Melodie, <em>Diane Young</em> tanzt mit Jerry Lee Lewis und <em>Ya Hey</em> auf Jamaika. Vampire Weekend haben eine Sprache gefunden, in der das alles schlüssig klingt – auch sieben Jahre nach ihrem Debüt ist sie weiterhin einzigartig. Und, wie beruhigend, <em>Modern Vampires Of The City</em> ist auch ohne das schlaumeierische Tamtam ein richtig gutes Album.</p>
<p><em>&#8220;Modern Vampires Of The City&#8221; von Vampire Weekend ist erschienen bei XL Recordings/Beggars.</em></p>

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		<title>Pinkes Haar, stahlblauer Sound</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/08/ms-mr-second-hand-rapture_15807</link>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 07:36:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Winkler</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Elektronika]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.zeit.de/tontraeger/?p=15807</guid>
		<description><![CDATA[Mehr als das übliche Dreamchillwaveblabla: Das New Yorker Duo MS MR richtet sich seiner kühlen Nische ein und könnte doch jederzeit Lana Del Rey aus den Charts schubsen. Das Revival der achtziger Jahre hat zu einigen Kollateralschäden geführt. Die Rückkehr des Stulpenstiefels und der Tennissocke in die Alltagsmode gehören zu den eher unangenehmen Folgen, die [...]]]></description>
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<p><strong>Mehr als das übliche Dreamchillwaveblabla: Das New Yorker Duo MS MR richtet sich seiner kühlen Nische ein und könnte doch jederzeit Lana Del Rey aus den Charts schubsen.<br />
</strong></p>
<div id="attachment_15812" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/05/@@raw.jpg" alt="© Shervin Lainez" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15812" /><p class="wp-caption-text">© Shervin Lainez</p></div>
<p>Das Revival der achtziger Jahre hat zu einigen Kollateralschäden geführt. Die Rückkehr des Stulpenstiefels und der Tennissocke in die Alltagsmode gehören zu den eher unangenehmen Folgen, die Wiederkunft des unterkühlten Pathos in die Popmusik aber darf man als begrüßenswert einschätzen.<span id="more-15807"></span> Ob an der Spitze der Charts (<a href="http://www.zeit.de/2012/04/D-Lana-Del-Rey" target="_blank">Lana Del Rey</a>), in den Coolness-Listen der Blogs (<a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-03/woodkid-the-golden-age" target="_blank">Woodkid</a>) oder im Berliner Untergrund (Me And My Drummer): Überall glänzt es neuerdings stahlblau und zugleich doch sehr gefühlvoll. Wer meint, eine Schublade dafür zu brauchen, sagt Chillwave dazu.</p>
<p>Die neuesten und aktuell angesagtesten Protagonisten dieser Entwicklung sind <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-02/rekorder-ms-mr-hurricane" target="_blank">MS MR</a>, deren Debütalbum <em>Second Hand Rapture</em> nun erscheint. Der kleine Hype, den das Duo aus New York ausgelöst hat, begann schon im vergangenen Jahr, bevor man überhaupt wusste, dass es sich um ein Duo aus New York handelte. Denn als ihre erste Single <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-02/rekorder-ms-mr-hurricane" target="_blank"><em>Hurricane</em></a> erschien, wurde der Song und das zugehörige, aus Film- und TV-Schnipseln zusammengestellte Video zwar zum Hit im Internet, wurde vom einflussreichen Online-Magazin <em>Pitchfork</em> zum &#8220;Best New Track&#8221; gekürt und gefiel Kollegen wie Usher und Jay-Z, stieg in den deutschen Charts immerhin auf Platz 38 und erreichte, viel wichtiger natürlich, in den iTunes-Hitlisten die Top Ten. Aber damals wusste noch niemand, wer sich hinter dem Namen MS MR versteckte.</p>
<div class="zol_video art_wide vid2189869679001"></div>
<p>Das Geheimnis, das neben dem grandios epischen Song sicherlich auch ein wenig zur Aufmerksamkeit beigetragen hatte, wurde im Herbst dann aber recht beiläufig gelüftet: MS MR gingen auf Tournee und enthüllten ihre Identitäten. Auf der Bühne standen dann zwei Menschen, die Lizzy Plapinger und Max Hershenow hießen. Die beiden kennen sich seit gemeinsamen College-Tagen, in denen die Sängerin Plapinger bereits Neon Gold gegründet hatte, eine Mischung aus Musik-Blog und Label. Das ist spezialisiert auf Singles in Kleinstauflagen bis 500 Stück und hat immerhin schon Stücke von solch etablierten Acts wie <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2012/01/11/gotye_11617" target="_blank">Gotye</a>, <a href="http://www.zeit.de/video/2010-04/81954956001/rekorder-zeit-online-rekorder-ellie-goulding" target="_blank">Ellie Goulding</a> und <a href="http://www.zeit.de/2010/31/Traum-Marina-Diamandis" target="_blank">Marina and the Diamonds</a> veröffentlicht.</p>
<p>Vor allem mit letzteren werden nun Plapingers eigene Popversuche am häufigsten verglichen. Oder auch mit <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2011/11/11/florence-and-the-machine_11038" target="_blank">Florence and the Machine</a>. Und tatsächlich erinnern nicht nur die kräftig rollenden Trommeln, die immer wieder in Tribal-Rhythmen abtauchen, an diese beiden Bands, sondern auch die zur Theatralik neigende Melodieführung. Dass Marina und Florence wiederum einiges von der mittlerweile selig gesprochenen <a href="http://www.zeit.de/2011/48/Interview-Kate-Bush" target="_blank">Kate Bush</a> gelernt haben, das ist auch – aus dritter Hand sozusagen – nun MS MR anzuhören.</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F76000013"></iframe></p>
<p>Dem fügen Plapinger und der fürs Sound-Design zuständige Hershenow aber einen sehr sympathischen Hang zur Orientierungslosigkeit hinzu. Ihre Songs mögen wie gnadenlose Radiohits beginnen, aber zerfasern dann, suchen nach einem Refrain, sind aber ganz froh, keinen zu finden, oder rollen und rollen rhythmisch einfach so dahin, bis doch noch eine bedrückende Melodie auftaucht oder im Zweifel einfach eine hypnotische Qualität entsteht.</p>
<p>Stattdessen ist jederzeit eher zu spüren als zu hören, dass die beiden zwar problemlos Lana Del Rey aus den Charts schubsen könnten, es aber vorziehen, sich in einer eigenen Nische einzurichten. Vor allem Songs wie <em>Fantasy</em> oder <em>Think Of You</em> gelingt es, den toten Winkel zwischen Broadway-Musical, Achtziger-Synthie-Pop und Dreamwavechillblabla mit Leben zu füllen. Einen Schaden richten sie damit nicht an, dazu klingt die Kühle einfach zu gut.</p>
<p><em>&#8220;Second Hand Rapture&#8221; von MS MR erscheint am 10. Mai bei Columbia/Sony.</em></p>

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		<title>Den Schellenkranz weglegen? Pah.</title>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 07:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Kühnemund</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Folk]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Sonnenstrahlen sind da keine. Der Pop von Deerhunter leuchtet trotzdem grell und taumelt zwischen pompösen Melodien und ausgelassenem Krach. Zuletzt waren Deerhunter aus Atlanta richtig erfolgreich. Vor knapp drei Jahren erschien Halcyon Digest, ein charmant melodieberstendes Album, darauf hatten sich sogar eineinviertel kleine Hits namens Revival und Memory Boy versteckt. Genug Erfolg jedenfalls, um hohe [...]]]></description>
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<p><strong>Sonnenstrahlen sind da keine. Der Pop von Deerhunter leuchtet trotzdem grell und taumelt zwischen pompösen Melodien und ausgelassenem Krach.</strong></p>
<div id="attachment_15744" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/04/deerhunter.jpg" alt="© Beggars" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15744" /><p class="wp-caption-text">© Beggars</p></div>
<p>Zuletzt waren Deerhunter aus Atlanta richtig erfolgreich. Vor knapp drei Jahren erschien <em>Halcyon Digest</em>, ein charmant melodieberstendes Album, darauf hatten sich sogar eineinviertel kleine Hits namens <em>Revival</em> und <em>Memory Boy</em> versteckt.<span id="more-15738"></span> Genug Erfolg jedenfalls, um hohe Erwartungen an das nächste Werk zu wecken. Allerdings steht Deerhunter überhaupt nicht der Sinn danach, diese zu erfüllen. Das ist nun auf <em>Monomania</em> nachzuhören.</p>
<p>Kurz meint man anfangs gar, es hier eher mit <a href="http://www.zeit.de/2009/08/Traum-Gordon" target="_blank">Sonic Youth</a> zu tun zu haben; da torkeln die Gitarren uneins über den <em>Neon Junkyard</em>, da rumpelt es eben ganz gehörig, und im Hintergrund scharrt ein furchterregendes Tier mit den Hufen. Dann zerteilt die nasale Stimme von Bradford Cox wie eine Machete das Dickicht, begleitet von den typischen Hieben in die Saiten der Akustischen schnarrt und poltert er, dass es eine Freude ist.</p>
<p>Großartig klingt <em>Monomania</em>: wankend zwischen den pompösen Melodiebögen ihrer vorherigen Alben und dem Spaß am ausgelassenen Krach. Hinter jeder Harmonie lauert der Missklang, hinter jedem Ausbruch eine versöhnliche Geste. Fast scheint es, als müssten sich Deerhunter nach <em>Halcyon Digest</em> erst einmal Platz schaffen um die Ellenbogen. Schmiegten sich die meisten Songs da noch sanftmütig an, so scheppert es nun vor allem in den ersten paar Minuten ganz gehörig, ganz unerwartet.</p>
<p><iframe width="580" height="330" src="http://www.youtube.com/embed/8b0fDIPP-u4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Erst später, als die jüngst gewonnenen Zuhörer möglicherweise verschreckt sind, kommt <em>Monomania</em> tatsächlich ein wenig zur Ruhe, erstmals in <em>The Missing</em>, dann in <em>T.H.M</em>. Das sind hübsche Lieder, hier wirken sie deplatziert, so glatt, so direkt. Denn zumeist stehen da Kanten, rau und ungeschliffen. Irgendein Instrument klingt immer leicht übersteuert, oft auch die Stimme von Bradford Cox. Den Schellenkranz weglegen? Pah.</p>
<p>Es heißt, das Album sei vor allem nachts geschrieben und aufgenommen worden. Das glaubt man gern. Und die Platte sieht aus, wie sie klingt: Grellrot leuchtet eine geschwungene Neonröhre, grell blitzen auch die Lieder gegen das Dunkel der Nacht an. Ja, selbst das unstet sphärische Zischen und Klackern der Röhren kann man hören. Sonnenstrahlen sind da keine.</p>
<p><iframe width="580" height="330" src="http://www.youtube.com/embed/uwtDm06jRs4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Am heftigsten blitzt es im Titelstück, da gerät die Band in Ekstase. Monomanisch knallen den fünf Jungs hier die Sicherungen durch, sie hämmern den Viervierteltakt und beschwören die <em>Monomania</em> wohl tausend Mal, &#8220;<em>Monomonomania, monomonomania, monomonomania, monomonomania&#8230;</em>&#8220;, unendlich. Schwierig, den weiteren Versen einen Sinn zu geben. Als sich der Sturm schließlich legt, knattert ein Moped vorbei.</p>
<p>Vielleicht wird so ein Schuh draus: Auf ihrer Internetseite zitieren Deerhunter den französischen Dramatiker Jean Genet. &#8220;<em>To achieve harmony in bad taste is the height of elegance.</em>&#8221; Übersetzt man sich den schlechten Geschmack mit Ungeschliffenheit und Unwohlklang, dann passt es. Und deutet man Deerhunters Wirken als den Versuch, sich der kapitalistischen Nutzbarmachung selbst des Hässlichen zu widersetzen, dann hört man solcher Eleganz gleich noch lieber zu. &#8220;<em>Dreaming is nursed in darkness</em>&#8221; – &#8220;der Traum gedeiht nur in der Finsternis&#8221;, schrieb Genet an anderer Stelle. Das würde als Motto zu <em>Monomania</em> sogar noch besser passen.</p>
<p>(Und wenn Ihnen das hier gefällt, dann hören Sie sich ruhig einmal <em>Spooky Action At A Distance</em> von Deerhunters Schwesterband <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wbwo-KUXe0k " target="_blank">Lotus Plaza</a> an.)</p>
<p><em>&#8220;Monomania&#8221; von <a href=" http://deerhuntertheband.blogspot.de/ " target="_blank">Deerhunter</a> ist erschienen bei Beggars.</em></p>

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		<title>Von Landeiern zu Partykanonen</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/03/modeselektor-dvd_15767</link>
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		<pubDate>Fri, 03 May 2013 07:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Winkler</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Elektronika]]></category>
		<category><![CDATA[Techno]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie kennen Gernot Bronsert und Sebastian Szary nicht? Als Modeselektor spielen sie im Ausland vor Zehntausenden. Ein neuer Film dokumentiert ihren Aufstieg aus dem Berliner Speckgürtel. Um einen Film über sich selbst drehen zu lassen, muss man wahrscheinlich ein klein wenig größenwahnsinnig sein. Damit ein solcher Film aber nicht zu einer peinlichen Bauchpinselei gerät, müssten [...]]]></description>
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<p><strong>Sie kennen Gernot Bronsert und Sebastian Szary nicht? Als Modeselektor spielen sie im Ausland vor Zehntausenden. Ein neuer Film dokumentiert ihren Aufstieg aus dem Berliner Speckgürtel.</strong></p>
<div id="attachment_15776" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/05/mdoeselektor.jpg" alt="© Monkeytown Records" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15776" /><p class="wp-caption-text">© Monkeytown Records</p></div>
<p>Um einen Film über sich selbst drehen zu lassen, muss man wahrscheinlich ein klein wenig größenwahnsinnig sein. Damit ein solcher Film aber nicht zu einer peinlichen Bauchpinselei gerät, müssten die Auftraggeber wiederum ziemlich bodenständige, sympathische und herzensgut normale Menschen geblieben sein.<span id="more-15767"></span> Eine Quadratur des Kreises, die unmöglich erscheint. Aber Modeselektor doch tatsächlich gelingt.</p>
<p><em>We Are Modeselektor</em>, der Film, den Romi Hagel und Holger Wick über das Berliner Elektro-Duo gedreht haben, ist kein cineastischer Meilenstein, aber doch eine solide, gelegentlich spannende und meistens recht interessante Dokumentation. In ihr zeichnen die Filmemacher den Weg von <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-09/modeselektor-besuch" target="_blank">Sebastian Szary und Gernot Bronsert</a> nach, der sie von illegalen Kellerpartys im Berliner Speckgürtel auf die großen Bühnen internationaler Festivals geführt hat.</p>
<p>Denn <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-03/echo-preistraeger-meldung" target="_blank">Modeselektor</a> sind das &#8220;wahrscheinlich beliebteste Pop-Duo aus Berlin&#8221;, wie es Szary ironisch, aber auch ziemlich selbstbewusst gleich zu Beginn des Films formuliert. Dieser Aufstieg der beiden Laptop-Virtuosen vollzog sich zwar stetig über die anderthalb Jahrzehnte, die das Duo nun existiert, ist aber nichtsdestotrotz erstaunlich. </p>
<p><iframe width="580" height="330" src="http://www.youtube.com/embed/M29ATbT8eyo" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Wie konnten zwei ostdeutsche Landeier, die auf einem Dachboden in Rüdersdorf ihre ersten Partys schmissen, zum weltweit gefeierten Dance-Act aufsteigen? Das hat zum einen sicherlich damit zu tun, dass der Radiohead-Sänger <a href="http://blog.zeit.de/netzfilmblog/2012/05/14/musik-am-morgen-modeselektor-thom-yorke-vide/" target="_blank">Thom Yorke</a> nicht müde wird, ein Loblied auf die beiden Berliner zu singen, und Modeselektor, obwohl hierzulande fast noch ein Geheimtipp, in Großbritannien vor Zehntausenden spielen. Das könnte aber auch daran liegen, dass Szary und Bronsert vorweggenommen haben, was Deadmau5, <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2012/01/27/skrillex-bangarang_11757" target="_blank">Skrillex</a> oder <a href="http://www.zeit.de/2011/36/CG-Nacht-Guetta" target="_blank">David Guetta</a> heute noch eine Nummer größer vorführen: Wie man mithilfe einer ausgefeilten Licht-Show und vor allem Tracks, die rhythmisch auf den Punkt kommen und doch auch wie Radiohits funktionieren, die elektronische Tanzmusik ins Mainstream-Rock-Stadionformat überführt.</p>
<p>Eine weitere Antwort, die der Film gibt: Die Grundlage des Erfolgs ist eben genau diese Herkunft aus dem Berliner Speckgürtel, den die beiden bis heute mental nicht verlassen haben. Bronsert und Szary sind, darin kulminieren die Aussagen von Freunden und Weggefährten, die der Film gesammelt hat, die alten geblieben. Ihre Musik funktioniert deshalb so gut, weil die Macher genauso drauf sind wie die Hörer: Provinzler, die am Wochenende einen drauf machen wollen, aber unter der Woche ganz glücklich sind mit Kleinfamilie, Häuschen und Garten.</p>
<p>Wie es dazu kam, zeigt der Dokumentarfilm mit den üblichen Mitteln des Genres. Aus privaten Videoaufnahmen, aktuellen Konzertmitschnitten und Interviews montieren die beiden Filmemacher die Entwicklung von den frühen, selbst organisierten Partys in verlassenen Fabriken, Kohlemühlen und Kartoffelkellern, über den ersten Plattenvertrag bei <a href="http://blog.zeit.de/zeitmagazin/2011/01/04/produktdesign-bpitch-control/" target="_blank">Ellen Alliens Label Bpitch Control</a> bis zum eigenen kleinen Imperium, das heute im komfortablen Nightliner unterwegs ist wie eine Rockband alten Schlages.</p>
<p>Aber nur am Wochenende, denn spätestens Montag geht es zurück zu Frau und Kind. Der Film ist dabei, wenn Zehntausende mitsingen, aber auch, wenn Szary eine Schubkarre über seine Eigenheimbaustelle schiebt oder Bronsert Holz hackt. Er folgt ihnen zum Joggen in den Wald, kriecht in die Betten des Tourbusses und begleitet sie zu den Eltern, die sich an die Anfangstage erinnern dürfen. Bronserts Mutter berichtet, dass ihr Sohn kaum laufen konnte, aber schon mit den Holzklötzchen den Rhythmus schlug, der Klavierunterricht später aber ein &#8220;großes Fiasko&#8221; wurde. Szarys Mutter erzählt, dass ihr Sohn noch unmusikalischer war, sie dann aber später nach Mitternacht auf den Dachboden kletterte, weil dort mal wieder eine Party lief, und darum bat, wenigstens den Bass herunter zu drehen. Zwei Jahrzehnte später, das beweisen die Konzertaufnahmen, haben Modeselektor immer noch denselben Spaß an ihrer Musik. </p>
<p><em>Die DVD &#8220;We Are Modeselektor&#8221; ist erschienen bei Monkeytown/Rough Trade</em></p>

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		<title>Hymnen für Hackney</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/05/02/rudimental_15721</link>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 09:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Grinsted</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Dub]]></category>
		<category><![CDATA[Elektronika]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>
		<category><![CDATA[Soul]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Konzerte der Londoner Band Rudimental sind riesige Partys. Ihr Debütalbum &#8220;Home&#8221; liefert dazu die passende Musik – ein Querschnitt durch Drum&#8217;n'Bass, Soul und Garage. Jugendliche werfen Molotowcocktails, legen Brände, plündern Geschäfte: Heftige Unruhen erschüttern London im August 2011. Die kosmopolitische Hauptstadt ist geschockt. Vor allem östlich des Zentrums zeigt sich die soziale Sprengkraft. Nirgends [...]]]></description>
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<p><strong>Die Konzerte der Londoner Band Rudimental sind riesige Partys. Ihr Debütalbum &#8220;Home&#8221; liefert dazu die passende Musik – ein Querschnitt durch Drum&#8217;n'Bass, Soul und Garage.</strong></p>
<div id="attachment_15727" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img class="size-full wp-image-15727" alt="© Warner Music Group" src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/04/rudimental.jpg" width="580" height="326" /><p class="wp-caption-text">© Warner Music Group</p></div>
<p>Jugendliche werfen Molotowcocktails, <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-08/musikvertrieb-brand-london" target="_blank">legen Brände</a>, plündern Geschäfte: Heftige Unruhen erschüttern <a href="http://www.zeit.de/2011/34/London-Reportage" target="_blank">London im August 2011</a>.<span id="more-15721"></span> Die kosmopolitische Hauptstadt ist geschockt. Vor allem östlich des Zentrums zeigt sich die soziale Sprengkraft. Nirgends ist England gewalttätiger. In der berüchtigten Stadtgemeinde Hackney lebt fast die Hälfte der Kinder in Armut. Jugendprojekte fallen Kürzungen zum Opfer.</p>
<p>Hier sind die Schulfreunde Kesi, Piers und Leon aufgewachsen, heute sind sie Mitte 20. Zusammen mit Amir, einem Gitarristen aus Camden, gründeten sie vor zwei Jahren die Band Rudimental. Zuvor haben sie als Musiklehrer mit benachteiligten Kindern gearbeitet und bei Piratensendern aufgelegt. Der Schmelztiegel Hackney, wo Menschen aus der Karibik mit Türken, Indern, Nigerianern, Chinesen, Vietnamesen und strenggläubigen Juden Tür an Tür leben, ist auch ihr musikalischer Ausgangspunkt. <em>Home</em> heißt dementsprechend ihr Debütalbum.</p>
<p><iframe frameborder="no" height="400" scrolling="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fplaylists%2F3914819" width="100%"></iframe></p>
<p>Darauf mischen Rudimental ihre Einflüsse, die so bunt sind wie der Notting Hill Carnival: Garage, Grime, Dubstep, Drum&#8217;n'Bass, Soul, Hip-Hop, sogar Blues und Jazz. Trotz ihrer Verwurzelung in der Rave- und Clubszene sind Rudimental keine blassen Hornbrillenträger hinter Laptops, sondern eine Liveband mit locker mal sieben Leuten auf der Bühne. Hammondorgel, Tuba und Posaune treffen da auf Synthesizer, Gitarren und Bässe, so tief, dass man sie mehr spürt als hört. Sehr urban klingt das und vor allem sehr britisch. Mancher Song wirkt wie ein ehrgeiziger Querschnitt durch 15 Jahre UK Garage, anderswo genügt ein bisschen Löffelgeklimper zum handgemachten Housebeat.</p>
<p>Nicht alles ist überzeugend, mancher Track hingegen glatt, fast schon zu professionell und abgeklärt produziert. Doch man hört, wie viel Spaß den Vieren die Aufnahmen gemacht haben müssen. Das Album ähnelt einer Jamsession, die trotz aller Ausgelassenheit erstaunlich konzentriert und selbstsicher daherkommt. Ihre Konzerte sind vor allem riesige Partys.</p>
<p>Rudimental machen elektronische Musik, aber mit gehörig Soul. So unterschiedlich die Songs sind, eins haben sie alle gemeinsam: gefühlvoller Gesang, meist beigesteuert von Freunden aus der Nachbarschaft. Aber auch bekannte Musiker wie Emeli Sandé, <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-01/pop-newcomer-2013/seite-2" target="_blank">Angel Haze</a> sowie <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-04/rekorder-alex-clare" target="_blank">Alex Clare</a> – vor einem Jahr mit <em>Too Close</em> erfolgreich – sind dabei. Letzterer in einem sich auftürmenden Drum&#8217;n'Bass-Gewitter mit zig Backgroundsängern, Klavier und Bläsern. Das durch und durch englische <em>Baby</em> dagegen besteht allein aus zweistimmigem Gesang und drei Keyboards. Die Gebrauchsanweisung: Bitte nur nachts im Auto hören. Fenster runter, Bass rauf und ab durch die Innenstadt.</p>
<p>Das gilt auch für den Höhepunkt dieses Gute-Laune-Albums: <em>Feel The Love</em> mit der hinreißenden Stimme des jungen Soulsängers John Newman. Ein Song, so lebensbejahend und euphorisch, dass er mehr ein Antidepressivum ist als Musik. Letztlich gehören wir doch alle zusammen und sollten gemeinsam fröhlich sein, wissen Rudimental und hauen es allen Zynikern mit einer Ladung Breakbeats samt Trompetensolo um die Ohren. Eine Hymne für Hackney und eine Feier der kulturellen Vielfalt: &#8220;<em>You know I said it&#8217;s true / I can feel the love / Can you feel it too</em>&#8220;. Die Wahrheit kann so einfach sein.<br />
<em><br />
&#8220;Home&#8221; von Rudimental ist erschienen bei Asylum Records/Warner Music.</em></p>

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		<title>Disco mit drei Ausrufezeichen</title>
		<link>http://blog.zeit.de/tontraeger/2013/04/29/chkchkchk-thriller_15319</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Apr 2013 06:24:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Freitag</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Elektronika]]></category>
		<category><![CDATA[Funk]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Band hat sich jedes ihrer !!! verdient: Besser als das amerikanische Mash-Up-Kollektiv kann man die Tanzmusik der vergangenen Jahrzehnte nicht zusammenlöten. Lässig, lässiger, Thr!!!er, mit drei Ausrufezeichen, versteht sich. Seit knapp zwei Jahrzehnten schon gibt es die amerikanische Undergroundband mit dem absurden Namen !!!, der lautmalerisch angeblich Chk Chk Chk bedeutet, inhaltlich aber so [...]]]></description>
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<p><strong>Diese Band hat sich jedes ihrer !!! verdient: Besser als das amerikanische Mash-Up-Kollektiv kann man die Tanzmusik der vergangenen Jahrzehnte nicht zusammenlöten.</strong></p>
<div id="attachment_15322" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/03/chkchkchk-540x304.jpg" alt="© Andrew Youssef" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15322" /><p class="wp-caption-text">© Andrew Youssef</p></div>
<p>Lässig, lässiger, <em>Thr!!!er</em>, mit drei Ausrufezeichen, versteht sich. Seit knapp zwei Jahrzehnten schon gibt es die amerikanische Undergroundband mit dem absurden Namen !!!, der lautmalerisch angeblich <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2010/09/01/chk-chk-chk-strange-weather_6283" target="_blank"><em>Chk Chk Chk</em></a> bedeutet<span id="more-15319"></span>, inhaltlich aber so schwer zu fassen ist wie das, was dramaturgisch dahinter steht. Denn auch auf dem fünften Album schafft es das Mash-up-Kollektiv von Ost- und Westküste, etwas neu zu erfinden, was sie selbst längst erfunden hatten.</p>
<p>Nicht, dass es bei solch prozessualer Rundumerneuerung einer Schublade bedürfte, dass es dafür überhaupt eine geben könnte. Aber da die Welt nun mal nach Orientierung lechzt, sei diese hier vorgeschlagen: Neofunk, also eine Überarbeitung ihrer Wurzeln im Progressive Rock aus der Entspanntheit dancigen Souls mit dieser Prise Electronica, also doch ein bisschen housig, folglich gar nicht so ausnehmend funky, aber immerhin neo, ergo…</p>
<div class="zol_video aud_narrow aud867070386778"></div>
<p>Es wird nix, man versucht sich an der Etikettierung, müht sich um Struktur, greift nach Strohhalmen der Codierung und landet doch immer wieder hier: !!! machen aus ihrer Sucht, diverse Stile gleichermaßen für Tanzboden oder die Radtour am Meer verfügbar zu machen, schlichtweg das Beste. Das ist ganz einfach der pure Spaß. Keiner, der vom geordneten Chaos über Ethnoklänge Richtung Pop führt und von da in die geschmacklichen Fallstricke des R&#8217;n'B gerät, sondern das Durcheinander ihrer Ideen mit Liebe zu jedem einzelnen Detail gliedert.</p>
<p>Auf dem famosen neuen Album klingt das dann wie folgt: Nic Offers Gesang trägt sich trübe durchs britannisierende <em>Even When The Water&#8217;s Cold</em>, anstatt es radiofähig zu machen, wie im Discoindiepop dieser Art üblich. Rafael Cohens Bass tippelt eher pointiert durchs geschmeidige <em>Get That Rhythm Right</em>, anstatt es zwischen Barry-White-Gestus und Saxofontupfen anzutreiben, wie im Discosoul dieser Art üblich. Mario Andreonis Gitarre tastet eher bedächtig durchs tänzelnde <em>One Girl / One Boy</em>, anstatt drüber hinweg zu slappen, wie im Discofunk dieser Art üblich. Paul Quattrones Schlagzeug kracht eher analog durchs achtzigerlastige <em>Fine Fine Fine</em>, anstatt metallisch darunter zu scheppern wie im Discowave üblich. Daniel Gormans Keyboard kleckert eher unauffällig durchs alternative Station (<em>Meet Me At The</em>), anstatt breite Flächen zu legen wie im Discorock üblich. </p>
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<p>Rechenprogramme setzen dazu ihre Electroclash-Samples eher nebenbei durchs technoide <em>Slyde</em>, anstatt sie wahllos zu streuen, wie im Discohouse üblich. Und im grandiosen Stück mit dem grandioseren Titel <em>Californiyeah</em> verhakt sich alles so innig miteinander, dass unklar wird, ob darin mehr Hip-Hop, Funk, House, Soul, Electroclash oder von allem alles steckt.</p>
<p>Es ist die Kunst der Nadelstiche, die !!! bis zur Perfektion beherrschen. Ständig weben sie fremdelnde Elemente in die nostalgisch tanzflächenmodernisierte Neuinterpretation aller Tanzstile vieler Jahrzehnte, bis das Stück einen Spannungsbogen erhält, Unterhaltungswert, Fallhöhe. Vielleicht ist das dann doch Neofunk. Oder Dancewave. Oder – einfach großartig.</p>
<p><em>&#8220;Thr!!!er&#8221; von !!! ist erschienen bei Warp. Am 4. Mai spielen !!! in Berlin ihr einziges Deutschlandkonzert.</em></p>

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		<title>Freitagabend, nach sieben Bier</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 07:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Winkler</dc:creator>
		<category>Tonträger</category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>
		<category><![CDATA[Rock]]></category>

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		<description><![CDATA[Es muss etwas passieren und wenn es nur ein Vollrausch ist! Bands wie die Pigeon Detectives halten den Britpop am Leben. Und alle im Pub grölen mit. Der Britpop ist auch nicht mehr das, was er mal war. Oasis gibt es nicht mehr, Blur gibt es unnötigerweise wieder, Suede klingen wie ihre eigene Karikatur und [...]]]></description>
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<p><strong>Es muss etwas passieren und wenn es nur ein Vollrausch ist! Bands wie die Pigeon Detectives halten den Britpop am Leben. Und alle im Pub grölen mit.</strong></p>
<div id="attachment_15694" class="wp-caption alignleft" style="width: 590px"><img src="http://blog.zeit.de/tontraeger/files/2013/04/pigeon-detectives-540x304.jpg" alt="© Cooking Vinyl" width="580" height="326" class="size-full wp-image-15694" /><p class="wp-caption-text">© Cooking Vinyl</p></div>
<p>Der Britpop ist auch nicht mehr das, was er mal war. <a href="http://www.zeit.de/online/2009/36/oasis-trennung" target="_blank">Oasis</a> gibt es nicht mehr, <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2012/07/02/blur-twitter-songs_13358" target="_blank">Blur</a> gibt es unnötigerweise wieder, <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2010-12/rekorder-brett-anderson-suede" target="_blank">Suede</a> klingen wie ihre eigene Karikatur <span id="more-15684"></span>und der durchschnittliche britische Jugendliche hört heutzutage eh lieber blutleere Elektro-Barden wie <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-04/james-blake-overgrown" target="_blank">James Blake</a>. Zuletzt ist mit <a href="http://www.zeit.de/schlagworte/personen/margaret-thatcher/index" target="_blank">Margaret Thatcher</a> auch noch das liebste <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2013-04/thatcher-reaktionen-pop" target="_blank">Feindbild dieser Musikergeneration</a> verstorben und ihr politischer Ziehvater Tony Blair wurde anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiografie mit Eiern beworfen.</p>
<p>Nein, die Zeiten für lustig knarzende Rocksongs, zu denen man Freitagabend im Pub auch dann noch mitsingen kann, wenn man schon vier, fünf Pints intus hat, waren schon mal besser. Was die Pigeon Detectives allerdings nicht davon abgehalten hat, ein viertes Album aufzunehmen. Das heißt <em>We Met At Sea</em> und ist prall gefüllt mit Songs, die man Freitagabend im Pub auch nach sieben Pints mitsingen könnte.</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F73995003"></iframe></p>
<p>Das Quintett aus Rothwell, einem Städtchen in der Nähe von Leeds, gehörte zur zweiten Britpop-Generation, die sich musikalisch nicht mehr ganz so ausdrücklich an den Beatles orientierte. Stattdessen überführten sie die Errungenschaften von &#8220;Cool Britannia&#8221;, also vor allem einen mit einer soliden Kunsthochschulbildung verschnittenen Arbeiterklassenstolz, in möglichst mitgröltaugliche Refrains. In der Strophe wurde meist der typische <em>Kitchen</em>-<em>Sink</em>-Realismus beschworen, weshalb die Songs sich auch prima machten in den Soundtracks der einschlägigen Tragikomödien.</p>
<p>Von dieser Sorte Lieder mit ekstatischen Schrammelgitarren und überschnappendem Hier-bin-ich-Gesang gibt es auf <em>We Met At Sea</em> wieder einige – im Gegensatz zum eher enttäuschenden Vorgänger <em>Up, Guards And At &#8216;Em!</em>. <em>Unforgettable</em> oder <em>Where You Are</em> sind genau jene vorwärtsdrängenden, hibbeligen Hymnen, für die man Bands wie <a href="http://blog.zeit.de/tontraeger/2007/03/02/stimmungskekse_324" target="_blank">Kaiser Chiefs</a>, Little Man Tate oder eben Pigeon Detectives lange Jahre zu schätzen wusste. </p>
<p>Niemand sonst konnte dieses verzweifelte Gefühl, dass heute Nacht aber wirklich irgendetwas passieren muss und wenn es nur ein zünftiger Vollrausch ist, so in einen quengelnden Rhythmus packen wie ein paar britische Arbeiterkids, deren Lebenstraum darin bestand, ein einziges Mal auf der Titelseite des <em>New Musical Express</em> zu landen.</p>
<p><iframe width="100%" height="166" scrolling="no" frameborder="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F81207082"></iframe></p>
<p>Nur selten, aber doch bisweilen, machen die Detectives auf <em>We Met At Sea</em> allerdings einen unkonzentrierten, ein wenig müden und bisweilen sogar unengagierten Eindruck. Das aber entwickelt eben einen alternativen Reiz. Schließlich war die penetrante jugendliche Euphorie, die ihre früheren Platten ausstrahlten, auf Dauer auch etwas eintönig.</p>
<p>So beginnt <em>Light Me Up</em> mit dem Versprechen: &#8220;<em>I take you out on the town and we could have a good time</em>.&#8221; Aber dann, nach einer durchtanzten Nacht, schläft der Protagonist ein. Alles nicht so schlimm, singt Matt Bowman: &#8220;<em>You can fall asleep &#8217;til we see the sun rise</em>.&#8221; Morgen, das wollen uns die Pigeon Detectives wohl sagen, ist auch noch ein Tag, den man nicht verpassen sollte. Und <em>We Met At Sea</em> ist vielleicht exakt der Moment in der Britpop-Geschichte, in dem das Genre dann doch noch bemerkt, dass die Tage, die zwischen den freitäglichen Vollräuschen liegen, vielleicht ja auch ganz lebenswert sein könnten. </p>
<p>Auch wenn der Britpop bekanntlich im Großen und Ganzen auch nicht mehr das ist, was er mal war.</p>
<p><em>&#8220;We Met At Sea&#8221; von The Pigeon Detectives ist erschienen bei Cooking Vinyl/Indigo.</em></p>

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