Kandidaten und Kampagnen – wer wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten?
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Steuer-Wahlkampf

Die Kleinen sollen den amerikanischen Traum retten

Von 15. Oktober 2012 um 18:35 Uhr

Im US-Bundesstaat Virginia zeigen sich die USA im Kleinen: demografischer Wandel, wirtschaftliche Entwicklung, Wahlverhalten – Virginia ist ein Mikrokosmos, der widerspiegelt, was die USA spaltet, was sie zusammenhält. Unser Reporter Carsten Luther war in Richmond, Virginia, unterwegs.

Tony Turners Arbeitstag ist lang. Zwölf Stunden sind es durchschnittlich, es können auch schon mal 16 werden. Da steht er dann im Friseursalon “Haywood’s Hair Images” in Richmond, Virginia. Turner redet bei der Arbeit gern viel, und es sieht beinahe so aus, als sei der 40-Jährige nur zum Spaß hier. Überhaupt scheint an diesem Ort das hektische Leben vor der Tür zu bleiben. Die Kunden haben nichts dagegen, wenn sie warten müssen. Der Stress des Alltags hat hier nichts verloren. Doch der Politik und der anstehenden Präsidentschaftswahl kann man selbst in “Haywood’s Hair Images” nicht entkommen.

Schon der Vorgarten lässt keinen Zweifel aufkommen: Anhänger des republikanischen Herausforderers Mitt Romney werden sich hier nicht wohlfühlen. Die kleine Fläche neben dem Treppenaufgang ist gespickt mit den typischen Kunststoffschildern, die Unterstützung für Barack Obama, den Senatskandidaten Tim Kaine oder andere demokratische Politiker signalisieren. Hinter der Tür steht links eine Box, man kann eine Karte einwerfen, sich als Wähler registrieren. Im Salon hängt nicht nur ein Poster des Präsidenten.

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“Jemand hat meine Republikaner gekapert”

Von 8. Oktober 2012 um 13:47 Uhr

Im US-Bundesstaat Virginia zeigen sich die USA im Kleinen: demografischer Wandel, wirtschaftliche Entwicklung, Wahlverhalten – Virginia ist ein Mikrokosmos, der widerspiegelt, was die USA spaltet, was sie zusammenhält. Unser Reporter Carsten Luther war in Richmond, Virginia, unterwegs.

Peter Greenberg schimpft. “Ich habe lange Zeit die Republikaner gewählt, aber jemand hat meine Partei gekapert”, sagt der 70-Jährige. Ursprünglich aus Brooklyn, New York, hat er eine Navy-Karriere hinter sich, hat unter anderem in der Chemieindustrie und zuletzt bei einem Tabakkonzern gearbeitet. “Diese extremen Ansichten zu einigen sozialen Fragen, die solchen Einfluss gewonnen haben, stören mich. Und es gibt keine wirkliche Diskussion innerhalb der Partei, kein Konzept von Teamwork.”

Greenberg gehört zu einer wichtigen Wählergruppe in den USA, der Generation 60 plus. Als Barack Obama 2008 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, hatte er nur diese Altersgruppe nicht mehrheitlich hinter sich: Unter Amerikanern über 65 (bei der vergangenen Wahl 16,6 Prozent der Wähler) erreichte der republikanische Kandidat John McCain einen Vorsprung von 8 Prozentpunkten. Das war vor allem deshalb wichtig, weil die Wahlbeteiligung in dieser Gruppe traditionell besonders hoch ist, vor vier Jahren lag sie bei mehr als 70 Prozent.

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Wo ist Obamas Leidenschaft geblieben?

Von 4. Oktober 2012 um 09:14 Uhr

Im US-Bundesstaat Virginia zeigen sich die USA im Kleinen: demografischer Wandel, wirtschaftliche Entwicklung, Wahlverhalten – Virginia ist ein Mikrokosmos, der widerspiegelt, was die USA spaltet, was sie zusammenhält. Unser Reporter Carsten Luther war in Richmond, Virginia, unterwegs.

Als Mitt Romney dem Präsidenten zu seinem Hochzeitstag gratuliert, hat er bei den Studenten der University of Richmond in Virginia den ersten Lacher auf seiner Seite. “Ich bin sicher, das hier war der romantischste Ort, den Sie sich vorstellen konnten – hier mit mir …”, sagt der Herausforderer zu Barack Obama.

Romney schafft es damit, auch die Studenten zu erheitern, die sich zu Obama bekennen. Sie sind gemeinsam mit Romney-Sympathisanten im Wohnheim Keller Hall zusammengekommen, um die erste TV-Debatte der beiden Kontrahenten zu sehen. Viele Stühle sind allerdings leer geblieben, richtig bequem ist es nicht, die Studenten balancieren die Pizza auf dem Schoß. Ihre Aufmerksamkeit gehört ganz der Leinwand. Zwischenrufe gibt es während der 90 Minuten langen Debatte fast nicht, auffällig still und konzentriert folgen alle dem Duell.

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