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Der Terror der Laubbläser

 

Der Herbst könnte so schön sein: das Rascheln des Laubs auf den Straßen, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut (seit gefühlten fünf Sommern gab es keine so langen Schönwetterphasen mehr). Doch die beruhigende Herbstidylle, die auf die ruhige Winterzeit (in Bayern: die „stade Zeit“) vorzubereiten versucht, wird durch eine Erfindung der modernen Zivilisation fast gänzlich zunichte gemacht. Laubbläser, eingesetzt von ganzen Hausmeistertrupps, schneiden sich lautstark mit ihrem grässlichen Motorengeräusch durch den Herbst.

Denn Herbst bedeutet leider heute nicht mehr Ausklang des Jahres und Vorbereitung auf die besinnliche Zeit des Jahres. Nein, auch im Herbst wollen die Deutschen vor allem Ordnung machen. Es scheint ihnen angeboren zu sein. Sobald die ersten Blätter auf der Straße, dem Gehweg und dem Rasen liegen: hinfort damit! Und das geht anscheinend in dieser ohnehin schon so hektischen und gleichzeitig verwöhntbequemlichen Zeit nicht mehr mit dem leisen und emissionsfreien Besen und Rechen. Nein, in Zeiten von Klimaerwärmung, höchsten Spritpreisen und angeblich immer sparsameren Autos kann man ja den solcherart eingesparten Sprit gleich wieder beim Betrieb von Laubbläsern verheizen! Laubsauger, die das Laub wenigstens effizient einsammeln und nicht nur nutzlos von einer in die andere Ecke wirbeln, sind da bei Weitem nicht so beliebt.

Christoph Schwalb, Freilassing, Oberbayern

3 Kommentare

  1.   Ernestine Bloomberg

    Lieber Herr Christoph Schwalb, Ihr Artikel in der Zeit spricht mir aus der Seele – wir leben in einem Seniorenviertel und mindestens die Haelfte der Alten fuhrwerkt mit einem dieser fuerchterlichen Laubblaeser umanand – ein Rechen und ein Besen wuerden die gleiche Arbeit ohne Krach und Gestank erledigen und noch dazu eine gesunde koerperliche Betaetigung sein! Nur net auslassn!
    Ernestine Bloomberg, geboren in Bayern vor vielen, vielen Jahren,
    12661 SW Dickson Street, Tigard, Oregon 97224, USA

  2.   Chrisma

    Liebe Ernestine Bloomberg,

    vielen Dank für Ihre schönen Zeilen! Bitte entschuldigen Sie, dass ich so lange auf meine Rückmeldung habe warten lassen. Hoffentlich erreichen Sie meine Zeilen. Schön zu sehen, dass Sie selber Meinung sind und weniger schön, dass man selbst in den USA vor diesen Dingern nicht sicher ist.

    Toll, dass Sie es offenbar erfolgreich geschafft haben, dorthin auszuwandern. Die USA und Bayern sind mir sehr verbunden. Ich hoffe, dass Sie dort nicht im momentanen Schneechaos feststecken.

    Viele Grüße aus Bayern und alles Gute!

    C. Schwalb

  3.   Marina

    Haha, als ob es nur im Herbst ist.
    Hier in Hamburg, in der Wohnanlage in der Trabrennbahn wird etwa alle 2-3 Tage für jeweils den ganzen Tag lang Luft umhergeblasen! Es liegt weder Laub noch anderer Dreck auf dem Boden. Rein prophylaktisch wird mehrmals die Woche vormittags ein Höllenlärm veranstaltet, meist noch zwischen 13:00 und 15:00 Uhr, wo es eigentlich verboten ist. Egal ob Regen oder Sturm, und völlig egal, ob es notwendig ist.
    Wie froh man sein kann, wenn es NUR im Herbst und NUR alle 3-4 Tage ist. Der Lärmterror hier ist die Hölle.