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Der Leser

 

(nach rainer Maria rilke, »Der Panther«)

Sein Blick ist von der Endlos-Flut der E-Mails
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend E-Mails gäbe
und hinter tausend E-Mails keine Welt.

Der scharfe Kopf mit klarer Kraft zum Denken,
der sich in allerkleinster Inbox dreht,
ist wie ein Tanz von Geist um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Freisinn steht.

Doch manchmal geht der Bildschirm vor dem Kopfe
ganz plötzlich aus –. Dann drängt ein Buch hinein,
geht durch des Hirnes angespannte Stille –
und haucht den alten Zauber wieder ein.

Bert Hoffmann, Berlin