Ihre Notizen, Gedichte und Bilder für die gedruckte ZEIT
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Allgemein

Was mein Leben reicher macht

Von 23. April 2012 um 18:00 Uhr

Wenn ich nach einem Saunagang zurück in den Ruheraum komme und meinen Sohn Viyo, sieben Monate, eng seinen Papa umschlingend auf dem Wasserbett schlafen sehe, die Wangen wohlig warm und rosig, die kleinen Finger Halt suchend auf Papas Bauch, leise vom Gang der »Wellen« gewiegt.

Jule Eicke, Leipzig

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Was mein Leben reicher macht

Von 5. April 2012 um 12:00 Uhr

Nach vier Monaten, in denen einiges in unserer Beziehung schiefgelaufen ist, wieder fast jeden Abend liebevoll an die große Liebe meines Lebens zu schreiben. Mit der Gewissheit im Herzen, dass ich nur mit ihr vor dem Kamin im Haus in der Provence liegen will.

Martin Postel, Darmstadt

Was mein Leben reicher macht

Von 4. April 2012 um 12:00 Uhr

Kapstadt, Anfang des Jahres, mein erster Besuch in dieser wunderbaren Stadt. Ich sitze mit meinem Freund in der Sonne am Greenmarket Square und bestelle einen Cappuccino. Der Ober reicht die Tasse meinem Freund und sagt: »Geben Sie ihr den Kaffee!« Wir schauen irritiert. Da sehe ich den Milchschaum. Da steht: »I love you darling«.

Conny Lammel, Kassel

Mein Wort-Schatz

Von 27. März 2012 um 10:00 Uhr

Im Kunstunterricht begegnete mir einst das Wort Lapislazuli: alten Ägypterinnen gewannen aus diesem Halbedelstein Farbe und verwendeten sie unter anderem als Augenschminke. Noch mehr als das aber faszinierte mich der Klang des Wortes und wie es auf der Zunge schmeckte: La-pis-la-zu-li. Eine herrliche Wortmelodie, welche mir nicht mehr aus dem Kopf ging. So nahm ich das Wort durch mein weiteres Leben mit und konnte auch nicht widerstehen, es in einem Internetforum als mein Pseudonym zu verwenden. Es gibt aber auch Begriffe, die ein Gefühl so plastisch beschreiben, dass man es beim Lesen intuitiv spürt. Zum Beispiel: Herzeleid. Dieses Wort hat eine wahrhaft poetische Anmutung, was den emotionalen Zustand, so man ihn erlebt, zwar auch nicht besser macht, ihn aber in wunderbarer sprachlicher Eleganz beschreibt. Ein lautmalerisch interessantes Wort ist holterdiepolter. Es besticht durch seinen Reim und durch die Zwischensilbe »die«. So wird förmlich greifbar, wie etwas überstürzt und geräuschvoll passiert und einen etwas unaufhaltsam ereilt, was man sich lieber mit mehr Ruhe und Zeit gewünscht hätte. Tohuwabohu dagegen klingt zunächst befremdlich. Es scheint keinen Sinn zu haben, strahlt aber etwas Magisches aus. Kommt es vielleicht aus einer Indianersprache? Nein, es stammt aus dem Hebräischen und steht für »völlige Unordnung, Durcheinander«. Ich denke an meine Kindheit und mein Kinderzimmer. Aber ist nicht oft aus dem Chaos etwas Neues, Geniales entstanden, wenn wir aus Decken, Matratzen und Lampen Raumschiffe gebaut und aus  Tischdecken und Handtüchern kunstvolle Räuberhöhlen installiert haben? Ein ganz und gar schönes Wort schließlich ist Schmuckschatulle. Ihm haftet eine herrliche Patina an, die an Omas Maiglöckchenparfum und ihren Toilettentisch im Schlafzimmer erinnert. Man kann sich in einer Schmuckschatulle keinen Modeschmuck vorstellen, sondern nur edle, echte Preziosen, die in der Schmuckschatulle sorgsam drapiert und nur zu besonderen Anlässen getragen werden. Die Schmuckschatulle selbst besteht selbstredend aus hochwertigen Materialien wie Edelhölzern und Messing, im Inneren ist sie mit Samt verkleidet. Im Gegensatz zum profanen Schmuckkasten der neueren Zeit besticht die Schmuckschatulle durch zeitlose Wertigkeit und altmodische, ja vielleicht etwas verstaubte Eleganz. Und das macht sie um so liebenswerter.

Brigitte Rahn, Aschaffenburg

Steil nach oben

Von 17. März 2012 um 10:00 Uhr


Offensichtlich hat der Dienstweg nun seine endgültige, in Beton gegossene Ausprägung erhalten. Schier endlos der Weg zum angestrebten Begehren – leider nur für Berechtigte. Allen anderen bleibt wohl nur übrig, sich abseits des Dienstweges mühsam durchzuschlagen. Gesehen an einer Straßenbrücke auf der Großbaustelle Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven.

Jörg Thomae, Wilhemshaven

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Wiedergefunden: Der Stimmzettel

Von 7. März 2012 um 10:00 Uhr


Ich glaubte ihn schon verloren, vergebens hatte ich mehrfach danach gesucht. Aber als ich jetzt die Briefe meines Vaters aus den Jahren 1960/61 ordnete, in denen er darüber berichtete, wie schwer es meinen Eltern gefallen war, als sie in die LPG, die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, »freiwillig« eintreten mussten – da fiel er mir unverhofft entgegen: der Stimmzettel zur ersten Einheitswahl am 15. Oktober 1950. Als 15-Jähriger war ich in meinem Heimatdorf Brüchau im Kreis Gardelegen abends zur Stimmenauszählung in die Gastwirtschaft gegangen und hatte entrüstet dabei zugesehen, wie durchgestrichene Wahlzettel als Jastimmen gezählt wurden. Als die »Zähler« sich über die beschriebenen Scheine beugten, hatte ich mich an den Tisch gesetzt und heimlich diesen Stimmzettel eingesteckt. In mein Tagebuch hatte ich geschrieben: »Tag der Trauer u. der Demütigung; Zählung: Beschupp bei mind. 20 Stimmen: 160+67–«. Aber in der Kreisstadt wurde dann wohl noch mal verbessert, denn das Ergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt ergab nur 0,2 Prozent Gegenstimmen und 0,2 Prozent ungültige Stimmen.

Manfred Gause, Bismark (Altmark), Sachsen-Anhalt

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Wiedergefunden: Die Belohnung

Von 29. Februar 2012 um 10:00 Uhr


Bei dem ewig trüben Wetter macht es Spaß, aufzuräumen und in alten Unterlagen zu lesen. So fand ich diese alte Urkunde. Wie sich die Zeiten geändert haben! Ob man heutzutage mit Marken, Stempeln und Unterschriften junge Leute für ähnliche gemeinnützige Arbeiten gewinnen könnte? Ich war damals 15 Jahre alt, und unsere Familie war im Jahr 1943 ausgebombt worden.

Helmut Beutel, Hamburg

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Wer hat schon einmal ein Denkmal ramponiert?

Von 24. Februar 2012 um 10:00 Uhr

»Honecker verrecke«, »Wir wollen Freiheit«, »Weg mit der Mauer«, »Frieden schaffen ohne Waffen« – immer wieder gab es in der DDR solche Wandinschriften. Sie wurden mit Ölfarbe angemalt, mit Spraydosen angesprüht oder mittels Kreide angeschrieben. Am Historischen Seminar der Universität Leipzig schreibe ich eine Dissertation über Graffiti in der DDR und habe bereits mehr als 3500 Beispiele recherchiert. Nun bin ich auf der Suche nach Zeitzeugen, die zwischen 1961 und 1989 im Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Graffiti an Wände geschrieben haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einmalige oder mehrfache Aktionen handelte oder welche Themen angesprochen wurden. Mich interessieren vor allem die Motive der Menschen, die sich mittels Graffiti für die Etablierung einer kritischen Gegenöffentlichkeit eingesetzt haben. Des Weiteren suche ich nach Zeitzeugen, die im gleichen Gebiet Fahnen beschädigt, Plakate abgerissen oder Denkmäler ramponiert haben.

Sören Zöger
zoeger@freenet.de


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Straßenbild

Von 19. Februar 2012 um 18:00 Uhr

An ähnlicher Stelle wie die Leser Sabine Schwarz und Uwe Kühnle fand auch Salvo Costa eine eigentümliche Plakatierung. Ein weiteres Beispiel für unbeabsichtigten Humor.

Salvo Costa, Stuttgart

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Vorahnung

Von 21. Januar 2012 um 10:00 Uhr

Es ist April 2110. Die Europäische Presseagentur EPA meldet: »Heute hat der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg die allererste musikalische Darbietung im vorerst noch provisorischen Konzertsaal der Elbphilharmonie mit den Worten eingeleitet: ›Gut Ding will Weile haben. Oder: Wunder dauern etwas länger, wie es deutsche Sprichwörter so schön auf den Punkt bringen.‹ Auf dem Programm stand ein Rock- und Hosenkonzert, das Udo Lindenberg rechtzeitig zur geplanten Eröffnung im Jahre 2011 geschrieben hatte. Er wäre sicherlich gern bei dieser doppelten Premiere dabei gewesen! Da an der Elbphilharmonie nur noch wenige Restarbeiten zu erledigen sind, geht man jetzt davon aus, dass die erste reguläre Konzertsaison mit Beethovens Neunter (»Freude, schöner Götterfunken!«) bereits am 1. April des Jahres 2114 beginnen kann.«

Hans-Ulrich Nitschke, Salzgitter

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